International

Erstmals erhalten drei Frauen den Friedensnobelpreis

09.10.11 - Das Nobelkomitee in Stockholm hat am Freitag die Vergabe des Friedensnobelpreises an die jemenitische Journalistin Tawakkul Karman, die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und die liberianische Bürgeraktivistin Leymah Gbowee verkündet. Erstmalig in der 110jährigen Geschichte dieser Auszeichnung wird sie drei Frauen gemeinsam verliehen. Bis zu diesem Jahr waren überhaupt erst 12 Frauen unter den 97 ausgezeichneten Einzelpersonen. Mit der Preisverleihung wird objektiv der unverkennbare Aufschwung der weltweiten Frauenbewegung für die Rechte der Frauen gewürdigt und sie ist auch eine Ermutigung für viele Frauen auf der Welt. Alle drei stehen auch für persönlichen Mut im Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen. Zugleich verkörpern sie auch unterschiedliche Wege und Ziele.

Mit der Wahl von Tawakkul Karman aus dem Jemen hat das Komitee sich auch vor den vielen mutigen kämpferischen Frauen in den demokratischen Volksaufständen Nordafrikas verbeugt. In einem ersten Interview nach Bekanntgabe der Entscheidung erklärte sie  gegenüber dem Sender al-Dschasira, dass sie "glücklich" sei, der Preis aber "allen Revolutionären der arabischen Welt" gelte. Der Mut der gläubigen Muslimin wurde zum konkreten Auslöser der demokratischen Volksbewegung im Jemen. Mit ihrem vom tunesischen Volksaufstand übernommenen legendären Ruf, "Die Nacht muss ein Ende haben", stellte sie sich  im Januar bewaffneten jemenitischen Polizisten entgegen. Sie wurde verhaftet und hat mutig im Gefängnis andere inhaftierte Frauen für den gemeinsamen Kampf agitiert. Nach ihrer Freilassung hatte sie sich trotz mehrfachen Morddrohungen weiter aktiv am Widerstand beteiligt. 

Die beiden anderen Preisträgerinnen kommen aus Liberia. Die liberianische Bürgerrechtlerin Leymah Roberta Gbowee arbeitete in jungen Jahren als Streetworkerin, sie organisierte Protestaktionen gegen die Korruption und Frauenfeindlichkeit des inzwischen abgedankten Taylor-Regimes in ihrem Land.  Nach dem Bürgerkrieg trat sie für Versöhnung der verfeindeten Machtgruppierunen ein und und gründete 2003 die Bewegung "Women of Liberia Mass Action for Peace." Als deren Vorsitzende wurde sie 2004 in die Kommission für Wahrheit und Versöhnung berufen, die nach dem Vorbild Südafrikas eingesetzt wurde.

Die dritte Preisträgerin steht für eine Frau, die in einem frauenfeindlichen Umfeld zum ersten weiblichen afrikanischen Staatsoberhaupt wurde: die heute 73jährige Johnson-Sirleaf hat im Jahr 2005 die Wahl gewonnen und die Bekämpfung der Korruption zu ihrem Hauptanliegen erklärt. Sie konnte mit ausländischer Hilfe Infrastrukturverbesserungen durchsetzen und öffnete das Land für Anlagen des internationalen Finanzkapitals. Zum Dank dafür erließ Bundeskanzlerin Angela Merkel Liberia 268 Millionen Euro Schulden und der damalige US-Präsident George W. Bush hatte ihr den US-Freiheitsorden verliehen.

Auffällig ist das nahezu einhellige Lob, das dem Nobelpreiskomitee nun von allen Regierungsvertretern gezollt wird. EU-Kommissar Barroso wollte darin einen „Sieg“ entdeckt haben, „für ein neues demokratisches Afrika und eine neue demokratische arabische Welt, die in Frieden und Respekt für die Menschenrechte leben.“

Das würde einen viel weiteren Stand im antiimperialistischen Befreiungekampf und auch im Klärungsprozess der weltweiten Frauenbewegung voraussetzen. Die drei ausgezeichneten Frauen spiegeln einen Teil der Bandbreite und Vielfalt des Kampfes für bürgerliche Frauenrechte bis hin zu antiimperialistischen Strömungen wider. Und sie spiegeln auch den Kampf innerhalb der Frauenbewegung wider, der um die Fragen der Wege und Ziele im Kampf um die Befreiung der Frau ausgefochten wird. Dabei haben jene Aktivistinnen der ägyptische Aufstandsbewegung den antiimperialistischen revolutionären Weg zum Ausdruck gebracht, die selbst im Vorfeld als mögliche Kandidatinnen für den Preis gehandelt wurden. Sie liegen seit dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak im Streit mit dem jetzt regierenden Militärrat und haben erklärt: „Unsere Auszeichnung wird an dem Tag kommen, an dem die Revolution vollendet ist und wenn alle unsere Forderungen erfüllt sind.“

Zur Vertiefung des Themas empfehlen wir das Buch von Stefan Engel und Monika Gärtner-Engel: "Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau - Eine Streitschrift"