Umwelt

Über 530 Teilnehmer beim "Zweiten Umweltratschlag"

08.10.11: Vor über 530 begeisterten Teilnehmern wurde heute pünktlich um 10 Uhr der zweite, internationale Umweltratschlag in der "Horster Mitte", Gelsenkirchen, eröffnet. Bestandteil war ebenfalls ein Umweltmarkt mit 17 Ausstellungen von Umweltinitiativen oder Vereinen. Auch Unterschriften gegen das Kohlekraftwerk in Datteln wurden gesammelt. Die Koordinierungsgruppe begrüßte unter Beifall aller Teilnehmer Gäste aus den Niederlanden, Türkei, Ukraine, Sri Lanka, Peru, Chile, USA, Japan und Südafrika. Ein Gast aus Togo hatte kein Visum erhalten.

In der Eröffnung wurde deutlich gemacht, dass seit dem 1. Umweltratschlag im Jahr 2009 sich nicht nur die Lage drastisch verschärft hat, wie zuletzt durch die Atomkatastrophe in Fukushima, sondern weltweit das Bewusstsein zum Kampf gegen die Umweltkatastrophe wächst. Im Eröffnungsplenum zeigten die zahlreichen „Impuls-Beiträge“ deutlich, dass der internationale Umweltratschlag von einem breiten, überparteilichen und weltanschaulich offenen Zusammenschluss geprägt ist.

Friedhelm Meyer, Pfarrer in Rente und aktiv in der „Koordination gegen Bayer-Gefahren“, Mitstreiter der „Solidarischen Kirche im Rheinland“ berichtete, dass die „Koordination gegen Bayer-Gefahren“ als internationales Selbsthilfenetzwerk seit 30 Jahren weltweit gegen Pestizide, Umweltzerstörung und das so genannte „Agrar-Business“ kämpft. Er „richtet den Blick nach vorn, auf Durchsetzung der Kreislaufwirtschaft und Kryorecycling“.

Prof. Klaus Buchner, Physiker und Vorsitzender der Programmkommission der ÖDP (Ökologisch Demokratische Partei) ging auf die Gefahren der elektromagnetischen Strahlung, wie durch Mobilfunk, ein. Die Gefährlichkeit der Strahlung ist seit 1930 bekannt, die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden aber durch Regierung und Mobilfunkindustrie unterdrückt. So besteht die „Internationale Strahlenschutz-Kommission“ ausschließlich aus Industrievertretern, die ihre „Grenzwerte“ entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse so hoch setzt, dass sie nie überschritten werden. „Aber Lügen lassen sich nicht ewig aufrecht erhalten.“

Jesus Veliz Ramos, Peru, Vorsitzender von „Canto Vito“ dankte allen Organisatoren der Konferenz. Auch in Peru sei die Bewegung zum Schutz der Umwelt angewachsen. In einem im Hintergrund gezeigten Videofilm wurde gezeigt, wie Kinder mit Unterstützung von Canto Vito massenhaft neue Bäume pflanzen. Canto Vito, ein Kollektiv das auch kulturelle Arbeit macht, hoffe sehr, dass man sich über Lateinamerika hinaus international zusammenschließen werde.

Dr. med Dieter Stein, Brombachtal / Odenwald, Allgemeinarzt und Mitglied der „Initiative für Biogasanlagen nach dem Scheffler-Prinzip" ging auf die Klimaerwärmung ein. In den vergangenen 100 Jahren ist die durchschnittliche Temperatur der Erdatmosphäre um 0,62 Grad Celsius gestiegen, und hat bereits zu furchtbaren Dürrekatastrophen und einem massiven Abschmelzen der Polkappen geführt. Neueste Studien gingen davon aus, dass bis zum Jahr 2100 die Weltdurchschnittstemperatur von 14 auf 19 Grad steigen werde, mit katastrophalen Folgen. Die Jagd nach Profit und das Machtstreben stünden dem Erhalt der natürlichen Umwelt direkt entgegen. Eine Neue Kraft müsse daher auf den Plan treten, wie etwa die weltweit 400 Millionen Beschäftigten der internationalen Monopole.

Hidefumi Sadoka, Japan, Vize-Generalsekretär der „Asia-wide Campaign against US-Japanese domination and Aggression of Asia-Japan“ (AWC), begrüßte die Anwesenden zunächst auf deutsch, erklärte danach, dass seine Organisation zwei Schwerpunkte habe. Kampf gegen die imperialistische Beherrschung von Asien, und für die Solidarität und den Zusammenschluss aller asiatischen Völker einzutreten. Und unter stürmischem Beifall des ganzen Saales: "Wir kämpfen für die sofortige, weltweite Stilllegung aller AKW".

Bernd Schlinkmann, Hameln, sprach für das „Antiatomplenum Weserbergland“. Anschaulich zeigte er in Bildern den Widerstand in der Region gegen das AKW Grohnde, der 1977 begann und nach der Katatstrophe in Fukushima mit 20.000 Demonstranten am AKW Grohnde einen Höhepunkt erreichte. Der Kampf geht weiter, letztes Wochenende blockierten über 1000 Menschen das AKW.
Eine Songgruppe des Rebell, Jugendverband der MLPD, begleitete mit dem Lied „Fukushima“ die Eröffnung kulturell. Der Refrain: „Nehmt den Verbrechern die Welt aus der Hand“ wurde vom ganzen Saal klatschend mitgesungen.

Stefan Engel, Gelsenkirchen, freier Publizist und führend aktiv in der internationalen revolutionären Arbeiterbewegung, wies drastisch auf den Gehalt der sich entwickelnden globalen Umweltkatastrophe hin, der darin besteht, dass die Gefahr besteht, dass die Menschheit auf der Erde nicht überleben kann, wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird. „Sieger wird man nur als Überlegener“, legte er als grundlegende Erkenntnis der Strategie und Taktik seinen Überlegungen zugrunde. Er schlug daher vor, gemeinsam daran zu arbeiten, dass die Umweltbewegung eine neue Qualität erreicht, um den heute Herrschenden überlegen zu werden.

Gernot Wolfer, Berlin,  Siemensarbeiter und IGM-Mitglied berichtete, dass er mit einer Delegation von Siemens-Kollegen in Kopenhagen an der Demonstration von 200.000 Menschen anlässlich des Weltklimagipfels Ende 2010 teilgenommen hatte. Aufgefallen sei ihm, dass er kaum Vertreter von Gewerkschaften oder Belegschaften gesehen habe. Das Problem der Umweltbewegung sei die noch vorhandene Trennung von der Arbeiterbewegung, auch die Arbeiterbewegung müsse selbstkritisch ihre Distanz zur Umweltbewegung aufarbeiten.

Prof. Dr. Christian Jooß, Göttingen, Physiker und Vorsitzender des „Vereins für Kryo-Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz e.V.“ hob besonders hervor, dass eine organisierte, internationale Verteidigung der Umwelt notwendig sei. Der Verein hat daher den Vorschlag, eine „Umweltgewerkschaft“ aufzubauen, deren Strukturen demokratisch, überparteilich und unbürokratisch sein müsse. Diese Frage werde sowohl im Forum zu diesem Thema, als auch beim Abschlussplenum eine Rolle spielen müssen. Teilnehmer an diesem Forum berichteten rf-news, dass dieser Vorschlag sehr angeregt und von verschiedenen Ansätzen diskutiert wurde. Prof. Buchner freute sich abschließend über die "Aufbruchstimmung".

An die Vorstellung der der insgesamt 13 Foren und ihrer Moderatorinnen / Moderatoren schloss sich die Vorstellung der heute von 17 bis 18 Uhr stattfindenden „Workshops an. Eine  kurze, kämpferische Demonstration und Kundgebung um „fünf vor zwölf“ durch Gelsenkirchen-Horst schloss das Eröffnungsplenum ab. Rund 500 Menschen zogen mit Sprechchören durch den Stadtteil. Auf der Abschlusskundgebung wurde auf spanisch und deutsch aus der Erklärung der "Weltkonferenz über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde" zitiert, die am 22. April 2010 im bolivianischen Cochabamba mit 35.000 Teilnehmern stattgefunden hat:

"Die Menschheit befindet sich vor einer großen Entscheidungsfrage: den Weg des Kapitaliamus, der Plünderung und des Todes fortzusetzen, oder den Weg der Harmonie mit der Natur und der Achtung vor dem Leben einzuschlagen."  Die Demoroute führte zum Tagungsort zurück, wo hervorragend organisiert alle Teilnehmer ein leckeres Mittagessen erhielten, obwohl nicht mit einer so großen Besucherzahl gerechnet worden war. In den 13 Foren wurden ab 14 Uhr die Fragen und Themen, die mit den „Impulsbeiträgen“ aufgeworfen sind, beraten und vertieft. Die Foren endeten mit Redaktionsschluss. Die „Rote Fahne“ wird weiter berichten. Heute Abend findet zum Abschluss des Tages noch ein Kulturfest statt, zu dem Kurzentschlossene herzlich eingeladen sind.