Betrieb und Gewerkschaft

Die Provokation der Airbus-Bosse offensiv beantworten!

Die Provokation der Airbus-Bosse offensiv beantworten!

10.10.11 - Am Freitag haben sich 7.000 bis 8.000 Flugzeugbauer aller Schichten von Airbus in Finkenwerder beim Warnstreik versammelt. In Bremen, Stade und Buxtehude waren es nochmals ca. 3.000 Kolleginnen und Kollegen. Für viele ist das Fass zum Überlaufen voll. Ein Korrespondent berichtet: "In vielen Diskussionen mit den Kollegen wurde klar, dass es ihnen um mehr geht, als den Unmut abzulassen. Sie wollen endlich, dass die Leiharbeiter fest eingestellt werden. Auch wenn sich das mit einem gewissen Verständnis über die bisherigen Gepflogenheiten paart:

'Zwei Jahre Leiharbeit ist ja OK, aber elf Jahre wie mein Kollege, das geht zu weit!' Ein Drittel der Belegschaft ist inzwischen als Leiharbeiter beschäftigt was in Einheit mit einer weitgehenden Flexibilisierung der Arbeitszeit steht und sich bis in die Zulieferer fortsetzt. Sicher nicht zufällig, dass Solidaritätsadressen aus dem ausgegliederten Airbus Werk kamen; aber auch von den Kollegen des Zulieferers Dassel-Cabin Interiors kam und auch von Vattenfall und vom Piano (Flügel-)Bauer."

Wie "rf-news" berichtet hat (30.9.2011), nehmen die Airbus-Bosse die Verhandlungen über einen sogenannten Zukunftstarifvertrag zum Anlass, um ihre Weltmarkt beherrschenden Pläne umzusetzen. Nach Information des Betriebsrats des Hamburger Werks haben sie in den gescheiterten Verhandlungen verlangt, dass die Belegschaft einer jährlichen Steigerung der Produktivität um 8 Prozent zustimmt.

Diese Steigerung bis 2020 bedeutet nahezu eine Verdopplung der Produktivität in neun Jahren und beträgt nach neuesten Berechnungen des Betriebsrats nahezu 5,5 Milliarden Euro. Das ist weit mehr als die rund 1,2 Milliarden, von denen bisher die Rede war. So soll es unter anderem eben mal 20 Minuten unbezahlte Arbeitszeit täglich bei den Angestellten geben und jährlich sollen 26 Auslerner nicht übernommen werden. 

Nach dem Scheitern der Verhandlungen zog Airbus sofort vor das Arbeitsgericht, um Warnstreiks und weitere Kampfmaßnahmen verbieten zu lassen. Das Arbeitsgericht in Frankfurt lehnte dies ab. Allerdings nahm es eine Einschränkungen vor, auf welche Ziele sich die Tarifauseinandersetzung beziehen dürfe. Letztlich soll so Airbus freie Fahrt erhalten für das immense Ausbeutungsprogramm, während der Belegschaft das Recht auf Streik verwehrt bzw. auf Teilbereiche beschränkt werden soll. Es ist notwendig, in diesem Kampf die Forderung nach einem wirklichen Streikrecht aufzustellen und zu verwirklichen.

Kämpferische Kolleginnen und Kollegen drängen jetzt auf die Durchführung der Urabstimmung und den Einsatz der ganzen gewerkschaftlichen Kampfkraft mit Streik! Verhandelt wurde 18 Monate lang - jetzt ist es an der Zeit für ein klares Programm, den Kampf auch durchzuführen: jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz zu verteidigen, mit kürzeren Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich unbefristete Neueinstellungen durchzusetzen, höhere Löhne zu erreichen und Schluss zu machen mit dem Heuern und Feuern. Übernahme aller Leiharbeiter - unbefristet und sofort! 

Unsicherheit herrscht aber noch bei vielen über die klare Zielsetzung des Kampfs der Flugzeugbauer. Die reformistische Losung aus der Verhandlungskommission von IG Metall und Betriebsratsspitze lautet, dass "wir nur etwas bekommen, wenn wir auch was hergeben..." Dabei geben die Airbus-Kollegen täglich den von ihnen geschaffenen  Mehrwert und das ist nicht wenig. Die Kollegenzeitung Flugzeugbauer schreibt:

"Was man wissen sollte, bevor man Airbus den kleinen Finger gibt … Wir geben genug und zwar jeden Tag!... Der Umsatz pro Beschäftigter bei Airbus stieg vom Jahr 2004 bis 2010 von ca. 389.000 Euro auf 451.000 Euro an. Wir geben immer mehr und zwar jeden Tag! Waren es 2004 noch 320 Flugzeuge die wir Flugzeugbauer bei Airbus wuchteten, so sind es 2010 schon 510 gewesen. Diese Steigerung um ca. 60 Prozent steht eine Steigerung der Beschäftigen um nicht mal 20 Prozent gegenüber."

Alle Airbus-Belegschaften -  auch aus den Tochterwerken wie in Varel und Nordenham, Werker und Angestellte, "Feste" oder "Leiher", Auszubilden sind herausgefordert ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Joachim Griesbaum vom Landesvorstand der MLPD in Nord-West erklärte gegenüber "rf-news":

"Die MLPD im Nord Westen sichert den Airbus-Beschäftigten die volle Unterstützung, aktive Solidarität und Beratung in den zu erwartenden Auseinandersetzungen zu. Ein Zukunftsvertrag, der diesen Namen auch verdient - das ist eine gesellschaftliche Perspektive jenseits von täglicher Ausbeutung und Unterdrückung. wir laden alle Kolleginnen und Kollegen ein, mit der MLPD über diese sozialistische Zukunft zu diskutieren. Dabei wollen wir auch über die neue revolutionäre Weltorganisation ICOR informieren.

In der ICOR haben sich über 40 Organisationen und Parteien zusammengeschlossen, um sich gegenseitig über Ländergrenzen hinweg bei Arbeiterkämpfen uneingeschränkt zu unterstützen und in diesen Auseinandersetzungen die sozialistische Antwort auf das überholte, von Krisen geschüttelte kapitalistische System zu geben. Die Flugzeugbauer können mit ihren Erfahrungen im weltumspannenden Produktionsverbund, mit den Streiks bei Boeing wie Airbus selbst einen wichtigen Beitrag dazu leisten."