Betrieb und Gewerkschaft

Protest gegen massives Lohnsenkungsprogramm "ERA" bei Ford in Köln und Saarlouis

15.10.11 - In den beiden deutschen Ford-Werken in Köln und Saarlouis gibt es massive Proteste gegen die Einführung des ERA-Tarifvertrags. Dazu heißt es in einer Pressemitteilung, die ca. 60 Kolleginnen und Kollegen der Spätschicht auf einer Pausenversammlung am 14. Oktober beschlossen haben:

Das Entgeltrahmenabkommen (ERA) soll nach jahrelangem Verschieben nun zum 1. November bei Ford eingeführt werden, was eine weitreichende Veränderung der Lohn- und Gehaltsstrukturen beinhaltet. Viele Kollegen haben das Gefühl, dass willkürlich eingruppiert wurde. Vor allem wurden die meisten von einer Lohngruppe auf eine niedrigere Entgeltgruppe eingestuft: Z.B. von einer Lohngruppe 8 (mit übertariflichem Fordlohn betrug das um die 3.000 Euro brutto) auf eine Entgeltgruppe 7 (inklusive 10 Prozent Leistungszulage, die künftig angehoben oder gekürzt werden können soll, sind es nur noch 2.420 Euro).

Gerade die Jungfacharbeiter und Neueingestellten sollen durch ERA massive Lohnverluste hinnehmen. Und aus Erfahrung wissen wir, dass Zulagen und Ausgleiche, die der jetzigen Stammbelegschaft zur Aufstockung bezahlt werden sollen, keine sichere Sache sind.

Deshalb sind wir, Arbeiter, IG-Metall-Mitglieder und einige Vertrauensleute des Getriebewerks GFT (Getrag-FordTransmissions) zurzeit aktiv gegen die ERA-Einführung. Bereits über 300 Kollegen des Getriebewerks haben auf einer Unterschriftenliste ihrem Unmut Ausdruck verliehen. Darin heißt es:

"Nein zu ERA!

Unsere Arbeitsplätez sollen entwertet werden. Es gibt keinen Grund, ERA schön zu reden. Jeder von uns weiß, was ERA für die Zukunft bedeutet und für die Jugendlichen!

- Keine Spaltung der Mannschaften durch die Leistungszulage! Leistungszulage festschreiben, für alle gleich wie bisher!

- Gegen die Abwertung unserer Arbeitsplätze und für die Jugend: Keine Arbeitsplätze unter EG7 bei Ford!

- Wir fordern das 100-prozentige Weihnachtsgeld zurück!"

Die Zahlung des übertariflichen 100-prozentigen Weihnachtsgelds war 2006 erst mal ausgesetzt worden. Aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten halten wir es für notwendig, die 100 Prozent Weihnachtsgeld als Lohnnachschlag jetzt wieder einzuführen.

Mitarbeiter, die Widerspruch gegen ERA geäußert haben und aktiv wurden, wurden und werden teilweise von der Geschäftsleitung unter Druck gesetzt (Androhung von Abmahnung). Wir lassen uns unser Recht auf freie Meinungsäußerung nicht nehmen und weisen das zurück.

Die gesammelten Unterschriften werden nächste Woche der Geschäftsleitung übergeben.