MLPD

Thomas F. und Oliver B. in heller Aufregung

21.10.11 - Die Führungsriege der IG Metall in Nordrhein-Westfalen ist in heller Aufregung. Erst kürzlich erreichten die Bochumer Opelaner einen wichtigen Sieg im Kampf gegen die geplanten Kündigungen. Das gelang, weil sich die Opelaner nicht zermürben ließen, eine breite Solidarität organisierten - in Form öffentlicher Kundgebungen, einer Unterschriftensammlung und des engen Schulterschlusses mit der Bochumer Montagsdemonstration - und weil die Betriebsversammlung Mitte September ein klares Signal gab, dass die Belegschaft Kündigungen nicht kampflos hinnehmen wird. Opel lenkte ein. Gescheitert war damit auch die Orientierung der Betriebsratsspitze auf den Weg der Verhandlungen.

Jetzt befürchten manche rechte IGM-Funktionäre offenbar, dass sich bei Ford Ähnliches ereignen könnte. Eine Niederlage für den Plan, auch dort nun das Lohnsenkungsprogramm ERA einzuführen, wäre auch eine Niederlage für ihre Klassenzusammenarbeitspolitik. Denn die IGM-Führung hat diesen Tarifvertrag gemeinsam mit dem Unternehmerverband ausgehandelt. Auch bei Ford setzen die Kollegen im Protest gegen ERA zunehmend auf selbständige Aktionen der Gewerkschaftsbasis wie kurze Arbeitsniederlegungen und Beschwerdeaktionen beim Betriebsrat, Pausenversammlungen sowie eine Unterschriftensammlung.

Eine Delegation besuchte die Montagsdemonstration am 17. Oktober und vereinbarte eine gemeinsame Protestaktion gegen Überstunden am Wochenende. Immer mehr Kollegen sehen die seit 27 Jahren bei Ford in Köln verteilte Kollegenzeitung "Scheinwerfer", an der auch die Betriebsgruppe der MLPD mitarbeitet, als ihr Sprachrohr an. Ein Teil informiert sich auch regelmäßig bei "rf-news", kauft vor dem Tor die "Rote Fahne" oder schickt der Redaktion Korrespondenzen und Kommentare.

Regelrecht panisch reagierte darauf der Vertrauenskörperleiter der IG Metall bei Ford, Thomas Freels, der schon mehrmals durch antikommunistische Ausfälle von sich reden machte. In einer "Klarstellung", die er an verschiedenste Funktionäre von DGB-Gewerkschaften im Raum Köln-Bonn verschicken ließ, versteigt er sich unter anderem zu folgenden Absurditäten:

"Diese Meldungen/Aufrufe kommen ausschließlich aus dem Kreis der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) bzw. von deren Sympathisanten. Sie entbehren jedoch jedweder Grundlage! ... Richtig ist, dass eine handvoll Funktionäre der MLPD derzeit versuchen, durch massive Falschinformationen (bis hin zu offenen Lügen) die Belegschaft zu verunsichern, zu spalten um sie so vor ihren politischen Karren zu spannen. Es gipfelt darin, dass sie, getarnt als IG-Metall Kundgebung, versuchen, eine öffentlichkeitswirksame Aktion mit möglichst vielen Teilnehmern zu organisieren. Die Ford Belegschaft ist Lichtjahre von einem Arbeitskampf (oder anderen Aktionen) entfernt."

"Lichtjahre entfernt" ist in Wirklichkeit Thomas Freels von der Realität unter der Kölner Ford-Belegschaft. Inzwischen hat er im nordrhein-westfälischen IGM-Bezirksleiter Oliver Burkhardt einen antikommunistisch gesinnten Verbündeten gefunden. Der schickte das Pamphlet postwendend an alle möglichen Vertrauensleute-Vorsitzenden in ganz Nordrhein-Westfalen, mit einer "CC"-Weiterleitung direkt an IG-Metall-Chef Berthold Huber. Der MLPD-Kreisvorstand für das südliche Rheinland hat darauf umgehend mit einer "Klarstellung der Klarstellung" reagiert, die heute auch den Kölner Ford-Kollegen zur Kenntnis gebracht wurde. MLPD-Vertreter Ernst Herbert schreibt darin:

"Werter Kollege Thomas, als ich deine Rundmail mit der Überschrift 'Klarstellung' an den gewerkschaftlichen Funktionärskörper im DGB-Bezirk Köln-Bonn erhalten habe, hatte ich die Hoffnung, dass jetzt endlich auch die VK-Leitung bei Ford im Interesse der Kollegen gegen das Lohnsenkungsprogramm ERA klar Position bezieht. Immerhin titelt heute das BR-Info 'Ford-Belegschaft stinksauer über ERA-Zuordnung'. Und du behauptest allen Ernstes, dass 'diese Meldungen/Aufrufe ausschließlich aus dem Kreis der Marxistisch- Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD)' kämen und 'jedweder Grundlage' entbehren!

Es zeugt schon von einer gehörigen Portion Abgehobenheit und Blindheit, wenn du nichts von der breiten Empörung und Ablehnung von ERA in der Ford-Belegschaft mitbekommen hast. ... In verschiedenen Hallen hatten Kollegen kollektiv die Hallenbetriebsräte aufgesucht und trotz aller Anstrengungen der Vorgesetzten kam es dabei auch zu Produktionsstillständen, wie z.B. im Rohbau Chassis A1 und A2 am 4. Oktober (nach dem Feiertag), als die Frühschicht erst 45 Minuten später an die Arbeit ging. ...

Was du über die MLPD behauptest, ist leider der Ehre zu viel. Es ist noch nicht soweit, dass die Betriebsratsinfos bei Ford Köln von MLPD-Funktionären gemacht werden. Und dass die über 900 Unterzeichner der Forderungen und die Beteiligten bei Protestaktionen schon alle MLPD-Sympathisanten seien, wäre schön. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

Werter Thomas, kann es sein, dass dein Blick durch eine antikommunistische Brille so getrübt ist, dass du kämpferische Initiativen in der Fordbelegschaft dir nur so erklären kannst, dass irgend jemand die Kollegen 'vor ihren politischen Karren zu spannen' versucht? Meinst du nicht, die Kollegen können selbst erkennen und sich eine eigene Meinung bilden zur ERA-Einführung bei Ford? Ob es am Samstag eine Aktion vor dem Tor 3 geben wird, das entscheiden die Kollegen selbst und es stünde dir gut zu Gesicht, dich aktiv zu beteiligen und zu mobilisieren.

Es freut mich wirklich sehr, wenn die VKL bei Ford in Köln 'aus unserer IG-Metall aber auch aus verschiedenen DGB-Einzelgewerkschaften bzw. deren Gliederungen' Anfragen zu Protestaktionen bei Ford bekommt und sie 'bereits Solidaritätsadressen aus verschiedenen Betrieben' erhalten hat. Das ist doch eine klasse Sache und es sollte für jeden Gewerkschafter selbstverständlich sein, dies zu begrüßen."

Diese Auseinandersetzung macht deutlich: der Antikommunismus ist heute das hauptsächliche Mittel, das die Industriearbeiter vom Übergang zur Arbeiteroffensive auf breiter Front abhalten soll. Sie zeigt aber auch, welch zweischneidiges Schwert er für die Herrschenden ist. Wird damit doch zugleich eine wachsende Diskussion provoziert, in der jeder herausgefordert ist, sich zu positionieren und noch vorhandene antikommunistische Vorbehalte zu überwinden. Umso bemerkenswerter ist es, wie souverän und unbeeindruckt mittlerweile viele der kämpferischen Ford-Kollegen mit solchen Hetzparolen umgehen.