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Krieg im Irak nach neun Jahren "beendet"?

22.10.11 - Gestern verkündete US-Präsident Obama überraschend den Abzug aller offiziell verbliebenen 40.000 US-Soldaten aus dem Irak, und damit "das Ende" des seit 2003 andauernden Aggressionskrieges. Diese Truppen waren der Weltöffentlichkeit bereits irreführend lediglich als "Ausbilder der irakischen Truppen" verkauft worden. Ursprünglich sollten noch 5.000 Soldaten im Land bleiben. Der jetzt verkündete vollständige Abzug ist ein Versuch der US-Regierung um Obama, doch noch ihr Gesicht zu wahren. US-Verteidigungsminister Leon Panetta deutete jedoch sofort an, dass die USA seien bereit, "den irakischen Streitkräften etwa bei der Ausbildung von Piloten und Technikern von US-Kampfflugzeugen zu helfen".

Die geostrategisch wichtige Region des Irak ist nach neun Jahren Krieg alles andere als stabil für die Imperialisten. Der bereits seit langem vereinbarte Abzug besiegelt eine riesige moralische und politische Niederlage des US-Imperialismus und seiner Verbündeten. Die Behauptung, der gestürzte Herrscher Saddam Hussein hätte chemische und biologische Massenvernichtungswaffen besessen, wurde offen als Lüge gegenüber der Weltöffentlichkeit und der UNO entlarvt. Die Bilder aus den Foltergefängnissen wie Abu Ghuraib zeigten der ganzen Welt die Fratze des imperialistischen Kriegs.

Unmittelbar vor Kriegsbeginn waren am 15.2.2003 fast 19 Millionen Menschen in mehr als 660 Städten bei der bisher größten Demonstration für den Erhalt des Weltfriedens auf die Straße gegangen. In neun Jahren Krieg wurden  über 1,3 Millionen Iraker getötet (Berechnung des US-Instituts "Just Foreign Policy" vom Mai 2010), mehr als 4.500 amerikanische Soldaten verloren ihr Leben. Insgesamt kamen eine Million US-Soldaten im Irak zum Einsatz, viele Veteranen leiden an den Folgen, die Selbstmordrate ist hoch. Mit Kosten bis zu 4 Billionen US-Dollar trug der Irak-Krieg maßgeblich zur riesigen Staatsverschuldung der USA bei, die die Gefahr eines die ganze Welt erschütternden Staatsbankrotts der USA in sich trägt.

Insgesamt ein weltpolitisches Debakel für den US-Imperialismus, wie Stefan Engel in dem neuen Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" schreibt: "... denn die Eroberung des Irak endete im Desaster und damit scheiterte der Plan einer neuen Weltordnung unter alleiniger Führung der USA" (Seite 162). Wenn US-Präsident Obama nun jedoch verkündet, mit dem Abzug aller US-Soldaten sei der Irak-Krieg beendet, so ist das die nächste Lüge gegenüber der Weltöffentlichkeit. Das blutige Geschäft des US-Imperialismus erledigen private Söldnerarmeen wie "Xe-Services" (früher "Blackwater"), die über 100.000 Söldner im Irak einsetzen. Auch britische, französische und deutsche Söldnerfirmen versuchen, die imperialistischen Interessen im Irak gegen den Widerstand der Völker zu sichern.

Die irakische Regierung ist eine Marionette des Imperialismus, die nur mit Unterstützung der Söldnertruppen in der Lage ist, ihre Diktatur aufrecht zu erhalten. Der Krieg ist nicht zu Ende, auch wenn alle offiziellen US-Truppen abgezogen sind. Dem Widerstand der irakischen Völker gilt unsere volle Solidarität. Noch ist kein Soldat abgezogen, schon rasselt der US-Imperialismus erneut mit dem Säbel und droht immer offener dem Iran mit kriegerischen Maßnahmen. Die Völker der Welt sind hier zu höchster Wachsamkeit herausgefordert.