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Welternährungswoche: Jeder sechste Mensch ist unterernährt

23.10.11 - Am gestrigen Samstag endete die Welternährungswoche der Vereinten Nationen, am 16. Oktober beging die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) den Welternährungstag 2011. Im Anschluss fand die 37. Tagung des UN-Welternährungsausschusses (CFS) statt. Im Mittelpunkt standen dabei die weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise und das "Landgrabbing" genannte Aufkaufen riesiger Agrarflächen durch die internationalen Monopole, die diese Flächen vorwiegend für den Anbau von Pflanzen zur Herstellung von Ethanol (Biosprit) nutzen. In den vergangenen zehn Jahren waren das mehr als 200 Millionen Hektar Land. Die Welternährung ist zum Spielball der internationalen Monopole geworden. Sie bildet einen Brennpunkt des Kampfs um die Vorherrschaft in der Welt.

Die UN-Ernährungsorganisation FAO schreibt in ihrem aktuellen Welthungerbericht,  dass weltweit mehr als eine Milliarde Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser haben. Jeden Tag sterben tausende Menschen an Unterernährung und ihren Folgen, mehr als die Hälfte davon sind Kinder unter fünf Jahren. Auch in Deutschland hungern Kinder. "Man kann davon ausgehen, dass etwa 500.000 Kinder in Deutschland regelmäßig nicht ausreichend ernährt werden und immer wieder Hunger leiden", sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, der Nachrichtenagentur dapd.

Die am meisten von Hunger betroffenen Staaten liegen in Afrika. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind von einer seit Monaten andauernden Hungersnot in Ostafrika derzeit mehr als 13 Millionen Menschen betroffen, darunter viele Millionen Kinder. Eine wesentliche Ursache für den Hunger sind hohe Preise für Lebensmittel auf dem Weltmarkt, verursacht durch Spekulationen an den Nahrungsmittelbörsen. Rund 70 Prozent ihres Einkommens geben die Menschen in den Entwicklungsländern für Nahrungsmittel aus. In Deutschland sind es nur etwa zwölf Prozent. Wenn ein Brot 30 Euro kosten würden, hätten wir die gleichen Verhältnisse wie in den betroffenen Ländern.

Derzeit gibt es eine anhaltende, inflationäre Preisentwicklung bei Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mais, Weizen, Öl, Zucker und Salz. So ist der Preis für Mais nach Angaben der Behörden in Kenia binnen eines Jahres um 160 Prozent gestiegen; der für Zucker allein zwischen Juni und August dieses Jahres um fast 20 Prozent. Während die Landwirtschaft dank moderner Technik  immer produktiver wird, treibt die Spekulation die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe. Die Fondsmanager kaufen Lieferscheine etwa für Weizen günstig ein und wetten auf einen Preisanstieg. Der riesige Kapitalzufluss führt dazu, dass die Terminmärkte das tatsächliche Angebot und die Nachfrage in keiner Weise widerspiegeln.

"Die Neuorganisation der internationalen Lebensmittelproduktion und des Lebensmittelhandels wird als Kampf der größten internationalen Monopole um den Weltmarkt ausgetragen. Am gesamten weltweiten Konsumgüterhandel, der 7,9 Billionen US-Dollar im Jahre 2001 ausmachte, hatten die 20 größten Konzerne einen Anteil von 11 Prozent. Sie machten einen jährlichen Gesamtumsatz von über 800 Milliarden US-Dollar. Von diesen Konzernen hatten 12 ihren Sitz in Europa." (Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'", Seite 71/72)

Beteiligt an der Welternährungswoche sind auch bürgerliche Politiker wie Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die "nach neuen Wegen im Kampf gegen den Hunger suchen" wollen. Sie heucheln Verantwortungsbewusstsein und tasten das Diktat der internationalen Monopole über die weltweite Nahrungsmittelproduktion nicht an. Wenn Ilse Aigner auf diesem Hintergrund bei der Tagung sichere Zugangsrechte der Bauern zu Ackerland und anderen produktiven Ressourcen fordert, sind das lediglich Worthülsen. 

Dabei haben Berechnungen der UNO ergeben, dass genug Lebensmittel vorhanden sind, um alle Menschen zu ernähren; selbst wenn die gesamte russische Weizenernte ausfiele, könnten allein die US-Lagerbestände die Lücke schließen.