Umwelt

Ausmaß der radioaktiven Verstrahlung durch Fukushima wird von Behörden heruntergespielt

24.10.11 - Während immer mehr besorgte Eltern durch eigene Messungen in Wohngebieten von Tokio radioaktive Hotspots feststellen und melden, spielt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) das Ausmaß der Gefährdung der Bewohner weiter herunter.

Tero Tapio Varjoranta, der stellvertretende Leiter der IAEA-Kommission, empfahl der Regierung andere Maßnahmen als das Abtragen von Böden. Denn dazu müssten allein in der Präfektur Fukushima 29 Millionen Kubikmeter Erde entfernt werden, zwei Millionen Lkw-Ladungen. Das würde seiner Meinung nach unnötig Mittel binden. Alternativen seien, unbewohnte Gebiete abzusperren und sich selbst zu überlassen, verstrahlte Böden mit Kunststoff, Beton oder mehreren Materialien zu versiegeln, Ackerland tief umzupflügen oder Chemikalien einzusetzen.

Die IAEA empfiehlt, "geringfügig verstrahlte Erde" als unbedenklich einzustufen und empfiehlt dafür eine Obergrenze von 20 Millisievert im Jahr, auch für Kinder, was von vielen Ärzten und Umweltinitiativen kritisiert worden ist ("www.nzz.ch", 18.10.11).

Anfang Oktober schaltete sich der Reaktor 4 im Kernkraftwerk Genkai wegen eines Problems im Kühlsystem automatisch ab. Der Betreiber Kyushu Electric erklärte wie üblich, es habe keine Gefährdung der Bevölkerung bestanden. Damit sind nur noch zehn von 54 Atomreaktoren in Betrieb, ohne dass in Japan die Lichter ausgegangen sind, wie die "Süddeutsche Zeitung" vom 13. Oktober vermerkt hatte.