Betrieb und Gewerkschaft

ERA-Einführung bei Ford brandaktuell: "Nicht mit uns!"

24.10.11 - In einer bei der Protestaktion am 22. Oktober vor dem Haupteingang des Kölner Ford-Werks durchgeführten Protestaktion (siehe "rf-news"-Bericht) wurde die folgende Pressemitteilung beschlossen:

Aktuelle Information, was bisher geschah: Innerhalb von nur eineinhalb Wochen haben über 1.000 Mitarbeiter aus mindestens fünf Hallen der Fordwerke Köln bei der Unterschriftenaktion "Nein zu ERA" mitgemacht. Viele hunderte mehr haben beim Betriebsrat Widerspruch eingelegt. Wir erreichen mit unserer Unterschriftenaktion mittlerweile auch die Angestellten, die ebenso Widerspruch zu ihren ERA-Eingruppierungen haben.

Bevor am Mittwoch, 19. Oktober 2011, die Mitarbeiterversammlung des Getriebewerks GFT (GETRAG-Ford-Transmissions) um 13 Uhr von Werksleiter R. Gassen richtig begonnen werden konnte, haben wir sie unterbrochen, indem wir mit 20 bis 30 Kollegen die gesammelten Unterschriften überreicht haben. Das wurde mit lautem Applaus der anwesenden Belegschaft begrüßt! Die gleiche Mappe erhielten auch Martin Chapman in der Fertigung des Ford Fiesta (Y-Halle) von einer Delegation, sowie Rainer Ludwig, Geschäftsführer Personal Ford, von einer 14-köpfigen Delegation im Anschluss an die Mitarbeiterversammlung. Allen dreien wurde die Frist von drei Wochen (bis zum 9. November) mitgeteilt. Diesen Termin haben wir Kollegen in verschiedenen Pausenversammlungen beschlossen. Bis dahin erwarten wir eine Stellungnahme der Geschäftsleitung.

Wir begrüßen, dass der Betriebsrat des Getriebewerkes auf der Mitarbeiterversammlung von GFT zum Thema ERA gesprochen hat und bereits einige offene Fragen beantworten konnte.

Die Geschäftsleitung konnte in ihrem Auftreten nicht überzeugen und ging längst nicht auf alle Fragen ein. Auf die Frage, ob wir jemals wieder das 100-prozentige Weihnachtsgeld bekommen würden, wurde mit Schmunzeln reagiert. R. Gassen machte sich sogar lustig mit der Formulierung, er hätte auch gerne 100-prozentiges Weihnachtsgeld. Den Ernst der Lage machten ihm die Kollegen aber mehr als deutlich beim Punkt "Fragen und Antworten". Überpünktlich wurde die Versammlung beendet, obwohl noch Kollegen sprechen wollten, worauf nicht eingegangen wurde. Die Geschäftsleitung wusste sich offensichtlich nicht anders zu helfen.

Die Unterschriftensammlung wird fortgesetzt bis zum 9. November.

Die freiwilligen Überstunden für dieses Wochenende im Getriebewerk werden vom Großteil der Kollegen dankend abgelehnt! Stattdessen haben wir heute Morgen eine Protestkundgebung vor Tor 3 gemacht mit 30, zeitweise 50 Teilnehmern.

Die Pausenversammlungen dieser Schicht im Getriebewerk werden weitergeführt, sie finden auch in vielen anderen Bereichen/ Schichten statt. Es haben bisher mindestens 190 verschiedene Kollegen teilgenommen. Wir können diese legale Methode nur empfehlen und sehen sie als Teil der Gewerkschaftsarbeit, um diese zu stärken, den Meinungsaustausch unter den IG Metall-Mitgliedern zu fördern und aktiv zu werden. Wir weisen Einschüchterungsversuche zurück, wie z.B. das Fotografieren der Pausenversammlung am 19. Oktober zwischen A- und G-Halle aus einem Büro im ersten Stock (vermutlich Werkschutz).

An den Pausenversammlungen nehmen auch einzelne Vertrauensleute teil, die auf den Vertrauensleutesitzungen über die Pausenversammlungen berichten und unseren Wunsch weitergeben, zusammen aktiv zu werden für:

- Festschreibung der Leistungszulage für alle, statt variabel!
- Bei allen Überschreitern soll die bisherige Bruttolohnstufe eins zu eins als Bruttoentgeltgruppe übernommen werden, statt Abgruppierung in niedrigere Entgeltgruppen zuzüglich Überschreiterzulagen und Ausgleichsbeträge!
- Kein Arbeitsplatz unter Entgeltgruppe 7 bei Ford!
- 100-prozentiges Weihnachtsgeld zurück!

Es geht uns nicht nur um uns – es geht uns auch um die, die nach uns kommen!

(Einstimmig beschlossen von 35 Kolleginnen und Kollegen der Protestaktion an Tor 3 der Fordwerke Köln, 22. Oktober 2011, 6:45 Uhr)