Umwelt

Herunterspielen der Gesundheitsgefahren durch Handynutzung

29.10.11 - Die Umwelt- und Verbraucherorganisation "Diagnose-Funk" kritisiert die jüngste Veröffentlichung einer Studie, die die Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung durch Handynutzung herunterspielt. Diese Studie mit dem Titel "Use of mobile phones and risk of brain tumours: update of Danish cohort study" ist eine Neuauflage einer längst widerlegten dänischen Veröffentlichung. Bereits im Jahr 2006 erschien deren erste Version.

Sie wurde damals vom Bundesamt für Strahlenschutz noch so bewertet: "Aufgrund der oben genannten methodischen Schwächen kann insgesamt eine Unterschätzung des Risikos nicht ausgeschlossen werden. Die Aussagekraft dieser Studie ist deshalb eingeschränkt und liefert keine für den Strahlenschutz verwertbare neue Information." Die wissenschaftliche Zeitung "Diagnose-Funk Schweiz" kritisierte diese Studie in ihrem Brennpunkt: "Insider warnt: Dreiste Datenfälschung in der Mobilfunkforschung."

Die neue aufgetischte Version 2.0 dieser Studie von 2011 ist ein erneuter Propaganda-Bluff und Bestandteil der Marketing-Strategie der Mobilfunkindustrie. Selbst die Zeitung "Die Zeit" bemängelte die unwissenschaftlichen Methoden der Studie:

"Allerdings wiesen die Forscher darauf hin, dass sie keine Daten über die jeweilige Häufigkeit der Handynutzung zur Verfügung hatten. Auch habe man keine Kinder oder Jugendlichen einbezogen. Zudem gebe es sicher falsche Zuordnungen: Menschen etwa, die als Handybesitzer registriert seien, dieses aber gar nicht nutzten – oder auch viel telefonierende Menschen mit Firmenhandy, die als Nichtnutzer erfasst worden seien. Auch diejenigen, die sich erst nach 1995 ein Mobiltelefon zulegten, wurden als Nichtnutzer eingeordnet." ("zeit-online", 21.10.11) Trotzdem war die Überschrift des "Zeit"-Artikels: "Kein erhöhtes Krebsrisiko durch Handystrahlung nachweisbar."

Die Veröffentlichung der Studie ist wohl eine Reaktion auf die aktuelle WHO– Eingruppierung von Handystrahlung als "möglicherweise krebserregend". Sie soll Bedenken gegen den Kauf neuer Handys rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft zerstreuen. Die Veröffentlichung dieser Studie stieß weltweit bei Wissenschaftlern auf Kritik. Die Mobilfunkwerbung kommt mit dem Argument daher, dass die Warnungen reine Panikmache seien. Denn bekanntlich gebe es ja hohe natürliche Strahlungen aus dem Weltraum, an die sich das Leben auf der Erde im Laufe der Evolution angepasst hätte. Es wird unterstellt, dass deshalb auch mit der künstlichen Mobilfunkstrahlung der Mensch gut leben und bei normalen Belastungen auch damit alt damit werden könne.

Sie verschweigen aber bewusst, dass bei der digitalen Funkübertragung Strahlungen erzeugt werden, die es bisher noch nicht gab. Die natürlichen Strahlungen sind vorwiegend wellenförmig und gleichen den Wellen im Meer, die in der Regel am Ufer relativ sanft ausrollen. Dagegen sind digitale Strahlungen gepulst. Sie sind vergleichbar mit einem Specht, der ständig mit seinem Schnabel in einen Baum hackt oder mit dem Lärm des Knattern eines vorbeifahrenden Mofas.

Die führenden Mobilfunk-Konzerne machen Milliarden-Euro-Profite mit hohen Zuwachsraten. Und der Staat kassiert dabei kräftig mit. Allein z.B. für die Vergabe des neuen UMTS-Netzes kassierte der deutsche Staat über 50 Milliarden Euro! Seit der Weltwirtschafts- und Finanzkrise sind die enormen Zuwachsraten der Mobilfunk-Industrie von zum Teil jährlich bis 25 Prozent deutlich zurückgegangen. Deshalb soll jede geschäftsbehindernde Wahrheit unterdrückt werden.