Betrieb und Gewerkschaft

Stahlarbeiter wollen mehr Lohn und Schluss mit Zeitverträgen, Leiharbeit und Nichtübernahmen

26.10.11 - Letzte Woche hat die große Tarifkommission der IG Metall die Forderung für die Stahltarifrunde 2011 aufgestellt. 7 Prozent mehr Lohn und Gehalt, unbefristete Übernahme alles Azubis und eine verbesserte Altersteilzeit. Letzten Freitag fand die erste Verhandlungsrunde statt. Der Unternehmerverband Stahl sprach sich provokativ gegen diese Forderungen aus. Die Lohnforderung sei angesichts des Rückgangs der Aufträge überzogen und bei unbefristeter Übernahme müssten sie die Ausbildungsquoten bedarfsgerecht senken.

Die Forderung von 7 Prozent mehr Lohn und Gehalt ist für viele Stahlkollegen das Mindeste. Das ganze Leben der Stahlarbeiter und ihrer Familien hat sich enorm verteuert. Wenn man von dem ausgeht, was sie brauchen, ist ein Großteil der Kollegen für eine Lohnerhöhung von über 10 Prozent. So haben auch verschiedene Vertrauenskörper weit mehr gefordert: bei Salzgitter 9 Prozent, bei ThyssenKrupp Steel Dortmund 10 Prozent, mindestens jedoch 250 Euro, bei HSP Dortmund 10 Prozent, bei ThyssenKrupp Nirosta 10 Prozent und bei ThyssenKrupp Steel Duisburg 8 Prozent.

Viele Kollegen verstehen deswegen nicht, warum die Tarifkommission sich mit nur 7 Prozent begnügt hat. Die ursprünglichen Forderungen wären durchaus realistisch und durchsetzungsfähig. Nämlich wenn der hohe gewerkschaftliche Organisationsgrad von über 90 Prozent in der Stahlindustrie ausgespielt und die ganze gewerkschaftliche Kampfkraft entfaltet wird.

Besonders wichtig ist allen Kollegen in der Tarifrunde die Durchsetzung der unbefristeten Übernahme aller Azubis. Hier gibt es eine große Einheit von Jung und Alt und die Stahlbelegschaften sind bereit, dafür zu kämpfen. Von wegen die Stahlmonopole würden über Bedarf ausbilden!? Diese Behauptung geht von ihrem Bedarf und nicht dem der Arbeiter aus. Es fehlen jetzt schon Kollegen im Betrieb. Die Arbeitshetze ist enorm gestiegen. Seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 wurde die Ausbeutung drastisch verschärft. Bei ThyssenKrupp wurde der Umsatz je Beschäftigten im letzten dreiviertel Jahr um 27,3 Prozent von 227.538 auf 289.686 Euro gesteigert.

Überall beschweren sich die Kollegen über die chronische Unterbesetzung. Der Lohnanteil am Umsatz liegt in der Stahlindustrie inzwischen bei unter 10 Prozent. Viele Kollegen unter den Stahlbelegschaften sind sich einig, es muss Schluss sein mit Zeitverträgen und Leiharbeit und dass sie die unbefristete Übernahme brauchen. Sie kämpfen damit nicht nur für sich selbst, sondern übernehmen auch Verantwortung für andere Arbeiter und künftige Arbeitergenerationen. Dies ist auch ein wichtiges Signal für alle anderen Branchen. Schon mit dem Tarifvertrag für gleiche Bezahlung der Leiharbeiter in der letzten Tarifrunde, hatten die Stahlbelegschaften ein Zeichen gesetzt.

Mit der Diskussion um die Tarifrunde gehen auch viele grundsätzliche Diskussionen einher über die ganze Perspektive und das unerträgliche Lohnsystem überhaupt. Dabei geht auch der Blick über den Tellerrand des eigenen Betriebs oder der deutschen Stahlindustrie hinaus. Bei ThyssenKrupp Elevator in Hongkong streiken Kollegen für eine 45-prozentige Lohnerhöhung. Welche Kraft hat ein internationaler kämpferischer Zusammenschluss der Stahlarbeiter?!

Jetzt geht es darum, mit der positiven Gewerkschaftsarbeit an der Basis in den Betrieben eine offensive Stahltarifrunde vorzubereiten und Aktionen zur Sammlung der Kräfte zu organisieren. In der Diskussion ist ein 24-Stunden-Warnstreik an allen Stahlbuden gleichzeitig mit Besetzung der Tore. Das ist eine gute Möglichkeit, die Kampfkraft zu organisieren. Wenn die Stahlmonopole dennoch stur bleiben, dann gibt es nur die Antwort: Urabstimmung und Streik zur vollen Durchsetzung der gewerkschaftlichen Forderungen!