Umwelt

Sieben Milliarden Menschen - droht eine "Überbevölkerung"?

01.11.11 - Am Montag überstieg die Weltbevölkerung nach offizieller Schätzung der UN die Sieben-Milliarden-Grenze. Symbolisch wurde die Geburt der kleinen Danica May Camacho auf den Philippinen aus diesem Grund gefeiert. Wie viele Menschen genau auf der Erde leben, kann allerdings niemand sagen. Geschätzt 350.000 Babys kamen am 31. Oktober zur Welt. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bereits in 14 Jahren die Acht-Milliarden-Grenze erreicht sein wird.

Der gestrige Stichtag war Anlass für viele bürgerliche Medien, einmal mehr das Szenario von der immer dramatischeren "Überbevölkerung" auszumalen. Der Kommentar in der "Frankfurter Rundschau" bringt das so auf den Punkt: "Der Ausstoß von Treibhausgasen und der damit verbundene Klimawandel, die Überfischung der Ozeane, das Abholzen des Regenwaldes, die Ausbreitung von Wüsten, das Entstehen von Megacities, Hungersnöte, Elendsmigration – alles Folge der simplen Tatsache: Es gibt zu viele von uns."

In abgewandelter Form wird diese Theorie immer wieder aufgekocht, um Spurenverwischung zu betreiben, vom Imperialismus als Hauptverursacher von Umweltzerstörung, Hunger und Not auf der Welt abzulenken. Bereits 1798 stellte der englische Ökonom und Geistliche, Thomas Robert Malthus die reaktionäre These auf, dass die Menschheit dazu tendiert, sich über ihre Verhältnisse hinaus zu vermehren - so lange, bis eine Verknappung von Ressourcen eintritt und Hungersnöte, Seuchen oder Kriege dafür sorgen, dass das Gleichgewicht wieder hergestellt wird.

Tatsächlich werden heute im Weltmaßstab nicht zu wenig, sondern längst ausreichend viele Lebensmittel für die Menschheit produziert. Während sich die Weltbevölkerung seit 1950 mehr als verdoppelt hat, konnte die Getreideproduktion im gleichen Zeitraum verdreifacht werden. Pro Kopf werden heute 40 Prozent mehr Nahrungsmittel als in den 1950er Jahren produziert. Aber ein wachsender Anteil weltweiter Ernten dient heute gar nicht mehr der Nahrungsmittelproduktion. Stattdessen wandern Agrarrohstoffe wie Mais und Zuckerrohr in die Produktion von Biotreibstoff. In Lateinamerika werden riesige Anbauflächen nur noch zur Erzeugung von Futtermitteln für die monopolisierten Mastbetriebe genutzt.

Auch die Verluste nach der Ernte aufgrund von Unterentwicklung und neokolonialer Ausplünderung großer Teile der Erde sind enorm. So erreichen in armen Ländern 15 bis 25 Prozent der erzeugten Nahrungsmittel gar nicht den Konsumenten, sondern verderben, weil Kühl- und Lagermöglichkeiten sowie Transportmittel fehlen. Der Agrarökonom Vaclav Smil schätzt, dass so mindestens 150 Millionen Tonnen jährlich verloren gehen. Das ist fünfmal so viel, wie nötig wäre, um der einen Milliarde Menschen, die heute Hunger leiden, die Ernährung zu sichern.

Jean Ziegler, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, sagt deshalb: "Tod durch Hunger ist Mord." In einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" vom 23.2.2009 führte er aus: "963 Millionen Menschen sind permanent schwerstens unterernährt, alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Laut Welternährungsorganisation aber könnte die derzeitige Landwirtschaft problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren, also das Doppelte der Menschheit. Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."

Seine "Mörder" sind nicht "die" anderen sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Es sind die Herrschenden einer verschwindend kleinen Schicht internationaler Übermonopole. "Das internationale Finanzkapital wird nicht davor zurückschrecken, der Erde sämtliche Rohstoffe zu entreißen und sie dann zu verschwenden. Es betreibt eine ausufernde 'Wegwerfkultur' und wehrt sich mit Zähnen und Klauen gegen die Einführung einer umfassenden Kreislaufwirtschaft, in der die Rohstoffe recycelt werden. Die Technologien sind vorhanden, sie würden die Ressourcen schonen und wären volkswirtschaftlich äußerst rentabel. Aber sie werden nicht genutzt." ("Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution", Seite 193/194).

Mit diesem "mörderischen" System Schluss zu machen, erfordert die weltweite Errichtung des Sozialismus, wo nicht länger die Akkumulation von Mehrwert und Kapital im Mittelpunkt stehen, sondern die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschheit in Einheit mit der Natur. (Mehr zum Thema hier)