Betrieb und Gewerkschaft

Stahltarifrunde 2011: Provokatives Unternehmerverhalten

08.11.11 - Gestern wurde die zweite Verhandlungsrunde der Stahltarifrunde 2011 in Gelsenkirchen ergebnislos beendet. Über 800 Kolleginnen und Kollegen versammelten sich vor dem Verhandlungslokal zu einem großen Jugendaktionstag der IG Metall für die unbefristete Übernahme. Die meisten waren Auszubildende. Sie wollen die unbefristete Übernahme im Tarifvertrag entschlossen durchzusetzen. Die Stahltarifrunde soll dieses Jahr wieder ein Zeichen für weitere Tarifrunden im Metallbereich im Frühjahr 2012 setzen. In der letzten Stahltarifrunde hatten die Belegschaften erstmals die gleiche Bezahlung der Leiharbeiter durchgesetzt. Der hohe Organisationsgrad mit über 80 Prozent gewerkschaftlich organisierter Stahlarbeiter und kampferprobte Belegschaften sind eine gute Grundlage für eine hohe Schlagkraft gegen den Stahlverband und Gesamtmetall.

Die IG Metall fordert 7 Prozent mehr Lohn und Gehalt auf 12 Monate, die unbefristete Übernahme aller Azubis und eine Verbesserung der Altersteilzeitregelung. Die Stahlunternehmer  sperren sich provokativ gegen eine tarifvertragliche Verankerung der unbefristeten Übernahme. Die Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmetall bezeichnet einen "Übernahmezwang" unverschämt als "Eingriff in die Personalhoheit der Betriebe". Sie meint ihre "Personalhoheit", nach Belieben zu "heuern und zu feuern" und immer mehr Jugendliche zu Leiharbeitern zu machen.

Der Sprecher vom Unternehmerverband Stahl spricht abschätzig von einem "Beamtentum für Auszubildende". Als die Kollegen das hörten, fragten sich manche, ob der noch "alle Tassen im Schrank" hat. Während die älteren Kollegen immer länger - oft bei der sehr anstrengender Vollconti Wechselschicht - arbeiten sollen, bekommt die Jugend nur befristete Verträge. Der Altersdurchschnitt steigt und erreicht bei ThyssenKrupp Steel schon über 45 Jahre. Die Schichten und Abteilungen sind unterbesetzt. Gleichzeitig wurde  die Ausbeutung extrem verschärft und der Lohnanteil am Umsatz auf unter 10 Prozent gedrückt.

In einem Interview im WDR 5 hat ein Vertreter der Stahlkonzerne die Forderung nach einer unbefristete Übernahme als "Eingriff in die Eigentumsverhältnisse der Arbeitgeber" und die "unternehmerische Freiheit" verunglimpft. Die Provokation der Unternehmer hat unter den Stahlbelegschaften grundsätzliche Diskussionen ausgelöst. Warum sollen sie diese "Eigentumsverhältnisse" und die Freiheit der Kapitalisten zur Ausbeutung der Arbeiter als unabänderlich hinnehmen? Die Stahlbetriebsgruppen der MLPD arbeiten schon über 30 Jahre an den Stahlbetrieben und treten für eine positive Gewerkschaftsarbeit, für die Stärkung der Gewerkschaften und den Einsatz ihrer vollen Kampfkraft ein. Sie verbinden dies damit, die Perspektive des echten Sozialismus zu verankern.

Die Forderung für 7 Prozent mehr Lohn und Gehalt richtet sich gegen die Preistreiberei der Regierung und die steigende Inflation. Mit ein Grund dafür sind die Milliardengeschenke an Konzerne und Banken. Rechtzeitig zur Tarifrunde sind die Stahlmonopole am Jammern über Auftragsrückgänge. Die Armen! ThyssenKrupp Steel hat im Geschäftsjahr 2010/11 ein Ergebnis von über 1.000.000.000 Euro gemacht und das mit über 2.000 Kolleginnen und Kollegen weniger. Die Stahlarbeiter und ihre Familien können ihre Forderungen nicht vom Auf und Ab der kapitalistischen Krisenwirtschaft abhängig machen.

Für Mittwoch und Donnerstag werden in allen Betrieben Warnstreiks vorbereitet und durchgeführt. Mit starken und wirkungsvollen Warnstreiks wollen sie zeigen, dass sie ihre Forderungen durchsetzen wollen. Der nächste Verhandlungstermin ist der 21. November, wahrscheinlich in Düsseldorf. Werden die Forderungen nicht angenommen, kann dies nur heißen: 24-Stunden-Warnstreik an allen Stahlbetrieben gleichzeitig und die Einleitung von Urabstimmung und unmittelbare Vorbereitung eines flächendeckenden Streik.