Betrieb und Gewerkschaft

VW-Chef Piech will MAN-Belegschaften "einwickeln"

München (Korrespondenz), 07.11.11: VW wird am Mittwoch offiziell verkünden, dass der Konzern nun die Aktienmehrheit von über 55 Prozent bei Europas führendem LKW-Hersteller und Maschinenbaukonzern MAN übernommen hat. Gemeinsam mit dem bereits übernommenen schwedischen LKW-Bauer Scania formt VW damit einen starken LKW-Bereich und wird Branchenkennern zufolge in diesem Jahr Toyota und General Motors in der Weltmarktposition überholen.

Mit der Mehrheit der Stimmrechte für die Aktionärs-Hauptversammlung diktiert VW künftig das Geschehen bei MAN. Die 3,4 Milliarden Euro, die der Aktiendeal gekostet hat, will VW-Boss Piech durch "Kostensenkungen" auf dem Rücken der Belegschaften reinholen.

Mit der vollständigen Übernahme von MAN ist die VW-Belegschaft weltweit auf über 400.000 Beschäftigte angewachsen, weitere kampferprobte Belegschaften können den VW Arbeitern die Hand zum gemeinsamen Kampf reichen. Eine wichtige Bereicherung der internationalen Konzernzusammenarbeit. In den MAN-Werken sind die Kollegen angesichts dieser Fusion sehr beunruhigt, eine Ausgliederung aller nicht zur LKW-Sparte zählenden Bereiche wird befürchtet.

Um einer wachsenden Unruhe vorzubeugen, führen die VW-Bosse Piech und Winterkorn in Zusammenarbeit mit der Spitze des Konzernbetriebsrates am Donnerstag, 10. November, in München eine außerordentliche Betriebsversammlung durch. Nach den bisherigen Erfahrungen ist davon auszugehen, dass sowohl Piech als auch der Kollege Dorn vom Konzernbetriebsrat beteuern werden, dass "alles bleibt wie es ist".

Mit im Boot ist sicher auch Berthold Huber vom IGM-Vorstand, der stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei VW ist. Diese Versammlung soll offensichtlich per Videokonferenz auch in andere MAN-Werke übertragen werden. Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass sich die MAN-Kollegen einwickeln lassen.