Jugend

Morgen bundesweit Bildungsproteste

16.11.11 - In über 40 Städten sind morgen Protestaktionen geplant. Die BRD hat laut OECD die zweitgrößten Schulklassen in Europa; das "Turbo-Abi" setzt die Schüler unter Stress und führt zu total überfüllten Unis und Uni-Städten: In diesem Herbst gibt es 500.000 Studienanfänger, das sind 15 Prozent mehr, ohne dass es entsprechend mehr Gelder für Dozenten, Wohnheime und Unterrichtsräume gegeben hat usw. Der Unmut über diese Zustände wächst und Kanzlerin Merkel musste erneut einen kleinen Schwenk machen – diesmal in der Schulpolitik der CDU.

1.600 Anträge soll es beim CDU-Parteitag zum Thema Bildungspolitik gegeben haben – aber der kreisende Berg gebar eine Maus: weg vom dreigliedrigen Schulsystem, auf dem die CDU immer beharrt hatte. Haupt- und Realschulen sollen künftig zusammengelegt werden, heißen dann "Oberschulen" oder können auch "erhalten bleiben, wo sie sich bewährt haben oder die Eltern es wünschen". Wichtig war den CDU-lern vor allem, dass das Gymnasium erhalten bleibt, wo schließlich die "Elite" gebildet werden soll. Über mehr Geld für Bildungsaufgaben wurde nichts beschlossen.

Die Bildungsproteste morgen kommen richtig. Die Forderungen beschränken sich nicht nur auf unmittelbare Themen im Interesse von Studenten oder Schülern, sondern greifen bewusst z.B. die Forderung der Gewerkschaftsjugend nach "Übernahme nach der Ausbildung" auf - darum kämpfen derzeit auch die Stahlbelegschaften, vorne dran die Azubis. Es geht bei den Protesten auch "gegen die Militarisierung von Bildungseinrichtungen" und das Bildungssystem insgesamt wird in den Blick genommen.

Entsprechend breit ist auch das Bündnis der Aufrufer: Von Jugendorgansationen der Gewerkschaften, Schüler- und Studentenvertretungen bis hin zu politischen Jugendorganisationen und Initiativen. Die Aktionen werden nicht nur an Standorten großer Hochschulen stattfinden, sondern auch an vielen kleineren Orten, von Rosenheim über Ibbenbüren bis Vechta (hier eine Übersicht über geplante Aktionen).

Der REBELL, der Jugendverband der MLPD,schreibt: "Wir finden es genau richtig und teils auch etwas Neues, die Bildungsproteste weiterzuführen!
* Sich gegen die Interessen der Konzerne und Banken zu richten, sich für die unmittelbaren Anliegen der Bildung, aber ebenso für politische Belange wie gegen Militarisierung, für den Nahverkehr zu engagieren,
* dass die Schüler-, Studenten- und Jungarbeiterproteste sich stärker durchdringen,
* dass im Aufruf explizit der Zusammenhang zu den weltweiten Jugend- und Sozialprotesten hergestellt wird,
* dass der Aufruf sich nicht nur für unmittelbare Reformveränderungen ausspricht, sondern sich die Politisierung und Selbstorganisierung der Jugend ebenso auf die Fahnen schreibt.

Besonders wichtig finden wir die Forderung des Bildungsstreiks nach einer Schule für alle und gegen das mehrgliedrige Schulsystem. Für ein einheitliches und kostenloses Schulsystem von der KiTa bis zur Uni! Deshalb unterzeichnen wir den Aufruf natürlich. Wir werden den Bildungsstreik mit unseren Gruppen unterstützen und uns stark machen für breite Bündnisse.

Dennoch sehen wir einige Anliegen auch kritisch, die wir hiermit nennen wollen: Wir finden die Forderung nach einer gesetzlichen Umlagefinanzierung nicht richtig: sie würde bedeuten, dass gerade große Unternehmen sich von der Ausbildung 'freikaufen' können. Denn umgekehrt heißt diese Forderung: Wer zahlt, muss nicht ausbilden. Stattdessen treten wir für eine 10-prozentige Ausbildungsquote in der Großindustrie ein und für die unbefristete Übernahme aller Azubis entsprechend der Ausbildung!

Wir sind für eine gesellschaftskritische Richtung der Bildungsproteste. Eine 'freie Bildung' wird im Kapitalismus nie möglich sein – wer über Staat, Konzerne, Banken etc. verfügt, der verfügt auch über die Bildung. Eine 'freie Insel' an Bildungseinrichtungen ist unserer Meinung nicht nur nicht möglich, sondern auch zu wenig! Lieber sollten wir die ganze Gesellschaft von der Herrschaft des internationalen Finanzkapitals befreien – was natürlich nicht Konsens der breiten Bewegung ist. Sozialismus – aber echt! Dafür steht der REBELL."

Hier kann man sich über den REBELL informieren