Betrieb und Gewerkschaft

Warnstreik Stahltarifrunde: "Wir hätten direkt in die Stadt marschieren sollen!"

Mülheim/Ruhr (Korrespondenz), 15.11.11: Es kamen kurz nach 10.00 Uhr ca. 800 Kollegen und die Auszubildenden am Tor 4 vor der Lehrwerkstatt von Mannesmann zusammen. Seit 9.30 Uhr ruhte die Arbeit an allen Anlagen. Es waren Kollegen der verschiedenen Werke der früheren Mannesmann-Röhrenwerke (V&M, MGB, Europipe) und der Friedrich-Wilhelmshütte.

Es ging gegen die gesamte Politik der Lohnsenkung durch die Stahlkonzerne und den Staat: "Wir reden hier von 7 Prozent und die Merkel will einen Mindestlohn von 7 Euro. Wie soll man denn davon leben?" "Wir sollen mit dem Tarifvertrag mit weniger Verlusten früher in Ruhestand gehen. Was heißt denn früher? Mit 65? Wir sollten mit 55 oder 60 in Rente gehen können, ohne jeden Verlust!"

Der Redner der IGM-Ortsverwaltung, Uli Dörr, bekam Beifall, wenn er mit scharfen Worten die Unternehmer angriff, die bisher noch nicht einmal ein Angebot gemacht hatten und drohte, beim nächsten Warnstreik geht es direkt um Urabstimmung und Streik. Er betonte zurecht, dass gerade die Stahlbelegschaften mit ihrem Organisationsgrad von 95 Prozent die Kraft haben, als erste so eine wichtige Forderung wie nach der unbefristeten Übernahme durchzusetzen.

Es gab einerseits eine große Entschlossenheit bei den Kollegen, aber auch eine Portion Skepsis, ob die IG Metall tatsächlich kämpfen will. Das war der Hintergrund für viele Diskussionen. Die schlechte Organisation des Warnstreiks im Betrieb wurde kritisiert, viele wussten kaum, was geplant war. Es ist vielen klar: Auf dem Verhandlungsweg, ohne entschlossene Auseinandersetzung, ist bei dem Paket der drei Forderungen nichts zu erreichen. Das geht nur in hartem Kampf.

Als schon kurz nach 10.30 Uhr aufgerufen wurde, wieder an die Arbeit zu gehen, gab es Unmut, aber keinen Protest. Viele hätten eine längere, spürbare Aktion für richtig gehalten: "Wir hätten direkt in die Stadt marschieren sollen, das hätte Aufsehen erregt."