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Ägypten: Militär richtet Blutbad auf dem Tahrir-Platz an

21.11.11 - Seit Sonntag bis heute Mittag wurden mindestens 33 Menschen auf dem Tahrir-Platz von Soldaten und Polizisten ermordet. Rund 1.800 wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt. Auch heute Morgen kam es zu weiteren blutigen Auseinandersetzungen. Am Freitag riefen islamistische Organisationen zu einer Kundgebung auf. Auf das Demonstrationsverbot hin zogen sie ab. Zurück blieben mehrere tausend vor allem jugendliche Demonstranten.

Sie forderten den Rücktritt des Militärrates und erklärten, sie wollten den Tahrir-Platz erst räumen, wenn ihre Forderungen erfüllt sind. Dem Militärrat, der als so genannte "Übergangsregierung" fungiert, werfen sie vor, dass er die gleichen Methoden wie das im Februar gestürzte Mubarak-Regime anwendet. Der Vorsitzende des Obersten Rates der Streitkräfte, Mohammed Hussein Tantawi, war von 1991 bis 2011 Verteidigungsminister und Minister für militärische Produktion.

In seiner Funktion leitet er die Aufklärung über begangene Verbrechen von Militärs gegen die Bevölkerung unter Mubarak. Er war einer der ersten Militärführer, die sich auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Mubarak zu den Massen begaben und deshalb auch anfangs unter einem Teil der Bevölkerung ein gewisses Vertrauen bekamen. Unter vielen Offizieren der ägyptischen Armee in den mittleren und unteren Rängen wird er aber meist spöttisch als "Mubaraks Pudel" bezeichnet.

Der Jugendverband der MLPD, der REBELL, erklärt sich mit den Jugendlichen auf dem Tahrir-Platz solidarisch: "Der Jugendverband REBELL hat großen Respekt vor eurem Mut und wir sind über das brutale Vorgehen der Soldateska in Kairo empört. Wir solidarisieren uns mit eurem gerechten Kampf für ein Ägypten, in dem die Jugend eine Zukunft hat. Die Verantwortlichen für die Bluttat müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Wir werden in den nächsten Monaten in mehreren Städten Länderabende zu Ägypten durchführen und über euren Kampf informieren."