Umwelt

Breiter Widerstand gegen Castor-Transport - Schluss mit der Kriminalisierung der Castor-Gegner!

Breiter Widerstand gegen Castor-Transport - Schluss mit der Kriminalisierung der Castor-Gegner!

26.11.11 - Mit jedem Meter, den sich der Castor-Transport dem Zielort Gorleben nähert, wächst der Widerstand. Bis zu 23.000 Menschen demonstrierten heute in Dannenberg, Junge und Ältere, ganze Familien mit ihren Kindern. Neben Vertretern örtlicher Bündnisse sprach auch eine Aktistin der japanischen Umweltbewegung, die vom wachsenden Widerstand nach der Atomkatastrophe von Fukushima berichtete. Immer wieder kommt es an der Bahnstrecke zu verschiedensten Blockadeaktionen. Die Polizei geht dagegen mit Schlagstöcken und Pfefferspray vor. Teilnehmer beschreiben die Polizeitaktik als "äußerst agressiv". Durchgesetzt werden soll damit eine hochriskante, Leib und Leben vieler Menschen gefährende Technologie

Am Freitag hatte der Zug mit 11 Castor-Behältern, in denen hoch radioaktiver Atommüll transportiert wird, die deutsch-französische Grenze bei Saarbrücken überquert. Der Zug transportiert Atommüll, dessen Radioaktivität 44-mal der Strahlung entspricht, die 1986 in Tschernobyl freigesetzt wurde. Die Castoren mit 123 Tonnen Atommüll sollen in der Leichtbauhalle des Zwischenlagers abgestellt werden, da die Einlagerung im Salzstock bei Gorleben noch nicht gegen die Bevölkerung des Wendlandes durchgesetzt werden konnte.

In diesem Zwischenlager befinden sich bereits ca. 100 Castor-Behälter. Das Atommüllproblem ist mit dem Unterstellen in der Zwischenlagerhalle Gorleben keineswegs gelöst, es gibt weltweit kein einziges Endlager für hochradioaktiven Müll. Und der Salzstock in Gorleben ist ungeeignet, Sicherheit für tausende Jahre zu gewährleisten.

Aus jahrelang geheim gehaltenen Dokumenten geht hervor, dass die Auswertung der Tiefbohrergebnisse im Salzstock eine Einlagerung von Atommüll verbieten. Wegen der Hydrogeologie des Deckgebirges ist mit dem Eintreten von Schadstoffen in den untersten Grundwasserleiter zu rechnen. Schon heute ist die Strahlung aus den Castoren bis nach Gorleben messbar. Deshalb sind auch 68 Prozent der Deutschen nach einer aktuellen Emnid-Umfrage gegen die Durchführung der Castor-Transporte.

Bereits 1995 ergaben Studien von Prof. Dr. Horst Kuni (Klinische Nuklearmedizin der Universität Marburg), dass die radioaktive Neutronenstrahlung in der Nähe der Transportbehälter 30-mal schädlicher ist als offiziell angegeben. Nach neueren Erkenntnissen dürfte die Neutronenstrahlung sogar 60-mal gefährlicher sein als die deutsche Strahlenschutzverordnung annimmt.

Als im Frühjahr 1998 radioaktive Teilchen an der Außenhülle eines Behälters festgestellt wurden und die zulässigen Kontaminationsgrenzwerte um das 4.350-fache überschritten wurden, verhängte die damalige Umweltministerin Angela Merkel einen Transportstopp. Dieser wurde jedoch im Januar 2000 auf Druck der Atommonopole von der Bundesregierung wieder aufgehoben, obwohl die Ursachen der Grenzwertüberschreitungen nie geklärt wurden. Der genehmigte Grenzwert der Strahlung in zwei Meter Abstand vom Behälter ist 1.100-mal größer als die Dosisleistung der natürlichen Strahlung. Ein verbrecherischer und skrupelloser Transport.

Der Castor-Transport wird für eine riesige Bürgerkriegsübung genutzt, bei der Tausende Beamte im Einsatz sind. Es wird dazu psychologische Kriegsführung betrieben und ein Szenario über die Medien verbreitet, dass mit gezielten Angriffen so genannter "Autonomer" zu rechnen sei, Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt und Brandanschläge gegen die Castor-Strecke verübt werden usw.

Zu den Hintergründen solcher Meldungen äußert sich auf der Homepage der "Kritischen Polizisten" ein Beamter: "Ich weiß, dass wir bei brisanten Großdemos verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen. Sie werfen auf Befehl Steine oder Flaschen in Richtung der Polizei, damit die dann mit der Räumung beginnen kann. Ich jedenfalls bin nicht Polizist geworden, um Demonstranten von irgendwelchen Straßen zu räumen oder von Bäumen runterzuholen." Schluss mit der Kriminalisierung der Castor-Gegner!

Der Kampf gegen den Castor-Transport muss und wird auch ein Bestandteil der am ICOR-Umweltkampftag und Weltklimatag am Samstag, 3. Dezember, stattfindenden Protestaktionen sein, an dem dieses Jahr die einjährige Kampagne für die sofortige Stillegung aller AKW mit im Zentrum stehen wird, zu der die ICOR und ILPS gemeinsam aufgerufen haben.