Umwelt

Contergan - der "vergessene" Skandal

Hamburg (Korrespondenz), 01.12.11: Etwa 200 Contergan-Opfer haben am 26. November in Berlin für eine höhere Entschädigung durch die Herstellerfirma Grünenthal demonstriert. Am 27. November 1961 wurde das angeblich harmlose Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan vom Markt genommen. Trotz schon bestehender Hinweise auf Gefahren für Embryos wurden weltweit mindestens 10.000 Babys mit Missbildungen geboren. "Schmerz ist unsere Kernkompetenz" – mit diesem zynischen Werbeslogan wirbt die Firma Grünenthal heute noch im Internet.

Das Ausmaß aller heute bekannten Schäden wird auf 8 Milliarden Euro geschätzt. Aber nach einem jahrelangen Strafverfahren - das 1970 "wegen Geringfügigkeit" von der deutschen Justiz eingestellt wurde - erklärte sich die Firma Grünenthal gerade mal zu 100 Millionen DM Entschädigungszahlung bereit. Es wurde eine Stiftung ins Leben gerufen und damit alle Opfer hinsichtlich ihrer Forderungen enteignet. Als "Ausgleich" dafür erhielten die Betroffenen eine lebenslange, aber minimale Rente. Da die Geldmittel der Stiftung schon in den 1990er Jahren aufgebraucht waren, werden die Zahlungen seitdem aus Steuermitteln bezahlt.

All dies war auch Gegenstand einer informativen Veranstaltung im Kulturtreff "Dock 220" in Hamburg-Altona mit dem Vorsitzenden des Hamburger Landesverbands der Contergangeschädigten. Bis heute gibt es weder eine öffentliche Entschuldigung der Verantwortlichen noch eine angemessene Entschädigung für das zugefügte Leid. Den Contergan-Geschädigten wird auch nach über 50 Jahren noch zugemutet, dass sie als Bittsteller um unverzichtbare Hilfsleitungen, Hilfsmittel und Betreuungsdiensten auftreten müssen. (Nähere Informationen über www.contergan-ag50.de

Die MLPD Hamburg erklärt die uneingeschränke Solidarität mit den Contergan-Opfern und ihrem gerechten Kampf nach ausreichender Entschädigung!