Betrieb und Gewerkschaft

Arbeitsplatzvernichtungspläne bei Eon, NSN und Manroland: "Das ist reiner Kapitalismus"

29.11.11 - In der vergangenen Woche haben verschiedene internationale Monopole mit Stammsitz in der BRD die Vernichtung Tausender Arbeitsplätze angekündigt. Der Energiekonzern Eon will weltweit 11.000 Arbeitsplätze vernichten, der Telekommunikationsausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) plant die Vernichtung von 17.000 Stellen, darunter bis zu 3.000 in Deutschland; und der Druckmaschinenhersteller Manroland hat am Freitag Insolvenz angemeldet (siehe "rf-news"-Artikel). 6.600 Beschäftigte in Offenbach, Augsburg und Plauen sind davon betroffen.

Nachdem die Belegschaften über die Insolvenz unterrichtet wurden, sind rund 1.000 Beschäftigte am Freitag in Offenbach in die Stadt marschiert und blockierten eine Hauptverkehrsstraße. "Wir haben jahrelang verzichtet und werden am Ende nur verarscht. Das ist reiner Kapitalismus", so ein 51 Jahre alter Maschinenschlosser ("FAZ", 26.11.11).

Die Häufung offener Ankündigungen von Massenentlassungen deutet auf den Beginn eines erneuten Abschwungs innerhalb der Weltwirtschaftskrise hin. Aufgrund des verschärften Konkurrenzkampfs, aber auch der explodierenden Staatsverschuldung haben Monopole und Staat zudem weniger Spielraum, die Widersprüche mit Maßnahmen wie "Kurzarbeit" zu dämpfen. So soll die gesetzliche "Sonderregelung für Kurzarbeitergeld" vorzeitig am 31. Dezember statt zum 31. März 2012 auslaufen.

Diese Faktoren verbinden sich mit der weiter wirkenden Strukturkrise auf der Grundlage der Neuorganisation der internationalen kapitalistischen Produktion. Es zeichnet sich ab, dass mit der Insolvenz der Manroland AG unter Führung des Finanzkapitals die deutsche Druckmaschinenindustrie neu geordnet werden soll, um die bisher führende Position auf dem Weltmarkt zu behaupten.

Die Manroland AG kontrolliert mit den beiden deutschen Konkurrenten Heidelberger Druck und König&Bauer ca. 60 Prozent des Weltmarktes und ist Weltmarktführer bei Zeitungsrotations-Maschinen. Der Weltmarkt für konventionelle Druckmaschinen ist aber um bis zu 50 Prozent eingebrochen, es wird geschätzt, dass 2012 weltweit ein Fünftel aller Druckerzeugnisse mit digitalen Druckverfahren (z.B. Laserdrucker) erzeugt werden. Hier haben bislang Canon und Xerox weltweit die Nase vorn.

Die Folgen werden auf die Belegschaften abgewälzt. Der Vorstand von Manroland will das Insolvenzverfahren "in Eigenverwaltung" durchführen. Das "soll die Möglichkeit geben, den Restrukturierungsprozess weiter zu forcieren und das Unternehmen durch die schwierige Phase zu steuern". Kurz: Mit der Insolvenz Werke schließen oder verkaufen, Arbeitsplätze vernichten und die Belegschaften zu weitgehenden Zugeständnissen erpressen. Eiligst wurde an allen drei Standorten der "Manroland AG" eine so genannte "Allianz für Arbeit" geschaffen, in der Vertreter des Konzerns, bürgerliche Politiker und IG-Metall-Führung zusammenarbeiten, "um einen Teil der Arbeitsplätze zu retten".

Mit derlei "Allianzen" der negativen Klassenzusammenarbeit haben die Belegschaften bei Manroland bereits ihre Erfahrungen gemacht. Im März 2010 wurde der Belegschaft ein Ergänzungstarifvertrag aufgezwungen, wodurch jeder Beschäftigte bis zu 5.000 Euro Verlust hatte. Es gab 2010 kein Urlaubsgeld, keine Einzahlungen in die betriebliche Altersvorsorge und ein zu 70 Prozent gekürztes Weihnachtsgeld. Bei der Abstimmung über den Ergänzungstarifvertrag stimmten in Offenbach 60 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder dagegen. Der Vorstand der IG Metall setzte sich darüber hinweg und schloss den Tarifvertrag ab.

Die MLPD unter anderem am Standort Augsburg hilft den Kollegen, diese Erfahrungen auszuwerten und den Kampf gegen die Konzernpläne aufzunehmen. Bei ersten Einsätzen vor den Toren zeigte sich zum einen eine starke Betroffenheit, aber auch Wut. Einzelne Kollegen waren sehr aufgeschlossen für die kämpferische Richtung und wollen sich darüber beraten. Die Kollegen bei Manroland, aber auch bei Eon und NSN sind nun herausgefordert, mit der Unterordnung unter die Verzichtspropaganda Schluss zu machen, sich standort- und konzernübergreifend zusammen zu schließen und um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen. Statt "Allianz für Arbeit" muss es heißen: Kampfeinheit für die Durchsetzung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!