Politik

Wer wenig verdient, stirbt früher – gutes Geschäft für die Versicherungs- und Bankmonopole

12.12.11 - Auf eine große Anfrage der Linksfraktion im Bundestag kamen heute diese Zahlen ans Licht: Während die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland steigt, sinkt sie bei Geringverdienern. Wer schlecht verdient hat, wird aktuell im Durchschnitt noch 75,5 Jahre alt, 2001 waren es 77,5 Jahre. In den neuen Ländern ist der Verlust an Lebensalter bei Geringverdienern noch drastischer: von 77,9 auf 74,1 Jahre. Dem liegen eine Vielfalt an Faktoren zugrunde. Einer davon sind die Kosten für Arztbesuche und Medikamenten-Zuzahlungen.

Der Gelsenkirchener Allgemeinarzt Günter Wagner weiß aus seiner Praxis: "Das ist ein sehr komplexes Geschehen. So erlebe ich es immer wieder, dass Menschen nicht zum Arzt gehen, weil sie die 10 Euro Praxisgebühr nicht aufbringen können. Oder dass Patienten die Zuzahlungen für Medikamente nicht aufbringen können, die sie brauchen und sie deshalb nicht nehmen. Gerade bei älteren Menschen erlebe ich aber auch viele weitere Probleme: Wenn sie nicht mehr selbstständig einkaufen gehen können, wird die Qualität ihrer Ernährung und Versorgung oft deutlich schlechter, was gesundheitliche Probleme schafft oder verschärft. Eine ganz wichtige Rolle spielt das Lebensgefühl und der Lebenswille. Vereinsamung, Existenzunsicherheit und Altersarmut bewirkten oft eine psychische Zermürbung, die den Lebenswillen regelrecht zerfrisst. Deswegen lade ich gerade auch alte Menschen zur Montagsdemo und den Aktivitäten von AUF Gelsenkirchen und der MLPD ein. Die organisierte Gemeinschaft macht neuen Mut und gibt Lebensfreude.

Die wachsende Altersarmut wird sich künftig mit der Verlängerung des Renteneintrittsalters weiter verschärfen. Denn ein Großteil der Beschäftigten kann gar nicht länger arbeiten, was dann zu massiven Rentenabschlägen führen wird. Der Zwang, länger zu arbeiten, lässt viele Kollegen noch früher sterben und erhöht auch den psychischen Druck angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt: Bereits heute findet die Masse der Menschen zwischen 60 und 64 Jahren keine Vollzeitbeschäftigung mehr, selbst wenn sie dazu nach jahrzehntelanger Ausbeutung noch in der Lage sind.

Im März 2011 waren noch 26,4 Prozent der Altersgruppe 60 bis 64 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon in Vollzeit 18,7 Prozent, d.h. 81,3 Prozent eben nicht - mit entsprechend reduzierten Einkommen. Mit jedem Lebensjahr wird der Anteil der Beschäftigten geringer: Die 64-jährigen sind aktuell nur noch zu 13,7 Prozent überhaupt und zu 9,3 Prozent voll erwerbstätig, Frauen nur zu 5,5 Prozent.

Die Rente mit 67 ist ein gigantisches Rentensenkungsprogramm. Von der Bundesregierung wurde argumentiert, sie sei notwendig, weil die Menschen dank steigender Lebenserwartung länger Rente beziehen. Als angeblicher Schutz vor Altersarmut nach einem arbeitsreichen Leben wurde die private Altersvorsorge mittels Riester-Rente staatlich eingeführt. Kürzlich belegte eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass sich die Riester-Rente für den Versicherten nur lohnt, wenn sie sehr alt werden. Um damit auf eine Rendite von 2,5 Prozent zu kommen, müsste z.B. eine Frau, die die Riester-Rente 2001 abgeschlossen und bis zum 67. Lebensjahr Beiuträge gezahlt hat, mindestens 90 Jahre alt werden.

Riester-Verträge sind also vor allem gut für die Versicherungs- und Bankmonopole. Inzwischen hat die Weltwirtschafts- und Finanzkrise mit dem radikal gesunkenen Zinsniveau und der Absenkung des Garantiezinses zum 1.1.2012 dazu geführt, dass die Versicherungen den Abschluss von neuen Verträgen eigentlich ablehnen müssten, weil sie nicht mal mehr garantieren können, dass das selbst eingezahlte Kapital zum Zeitpunkt des Rentenbeginns überhaupt noch vorhanden ist.

Die MLPD fordert: Weg mit Hartz IV und der Rente mit 67! Herabsetzung des Rentenalters auf 60 Jahre für Männer, auf 55 Jahre für Frauen bei vollem Rentenausgleich. Festsetzung einer staatlichen Mindestrente unabhängig von der persönlichen Berufstätigkeit! Einbeziehung der alten, kranken und behinderten Menschen in das gesellschaftliche Leben und volle Übernahme ihrer Pflegekosten durch Monopole und Staat!