Politik

Die neue "Offenheit" des Christian Wulff

23.12.11 - Einen solch schonungslosen Umgang mit der Wahrheit hätten wir unserem Bundespräsidenten gar nicht mehr zugetraut. Nachdem er seinen bisherigen Sprecher  in die Wüste schickte, trat er selbst entschlossen vor die Kameras.

Für "volle Offenheit" habe er inzwischen gesorgt - das war die Botschaft seines Auftritts. Alle Dokumente zu seinem Eigenheim-Kredit lägen nun zur Einsicht vor, alle "Ferienaufenthalte bei Freunden" habe er mitgeteilt. Deshalb bat er die "Bürgerinnen und Bürger" wieder um ihr "Vertrauen". Das wird sich allerdings nicht so einfach wieder einrenken. Schon deshalb nicht, weil Wulff damit bestätigt, dass er sich selbst systematisch in den Genuss zahlreicher Privilegien und eines luxuriösen Wohn- und Lebensstils brachte.

Angeblich hat all das seine "Amtsführung nicht beeinflusst" ...

Ein Leser aus Lübeck schickt uns dazu seine Beobachtungen: "In der Frage der Offenheit ist dieser Bundespräsident nicht zu toppen. Am 4.7.11 veröffentlichten die 'Lübecker Nachrichten' zwei Zitate von ihm. So sagte er: 'Ich habe mir meinen Humor bewahrt. In der Öffentlichkeit sieht man vielleicht nicht immer alle Seiten von mir.' Das stimmt. Von seinen Luxusreisen in die Villen befreundeter Unternehmer waren der Öffentlichkeit bisher nicht alle bekannt. Und dann sagte er noch: 'Ich möchte den Kontakt zu den Bürgern haben. Das setzt voraus, dass man auch mal von einem Ei getroffen wird.' Eierwürfe scheinen die Hauptform den 'Kontakts zu den Bürgern' zu sein, die sich dieser Bundespräsident noch vorstellen kann. Die Zukunft - ob in diesem oder einem anderen Amt - wird ihm da bestimmt noch neue Erfahrungen bescheren."