Politik

Die Bescherung des Herrn Wulff

24.12.11 - Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten ist noch nicht über die Bildschirme geflimmert, da war das Interesse daran schon abgebrannt wie die letzte Advents-Kerze. Der wegen seiner Auskunftsfreudigkeit als "Salami-Wulff" bezeichnete Merkel-Freund hatte in großer Bescheidenheit in der vorab aufgezeichneten Rede kein Wort zur Affäre um seinen 500.000 Euro-Privatkredit aus der Schatulle des Millionärs-Ehepaars Geerken verloren. Vorgestern holte er nun zum Befreiungsschlag aus und entschuldigte sich für "Missverständnisse" beim Erwerb seines Eigenheims.

Unübersehbar ähnelt Wulffs Krisenmanagement dem Szenario des Absturzes des Plagiats-Doktors und Lügenbarons zu Guttenberg. Nämlich erstens: alles dementieren. Dann zweitens: Missverständnisse bedauern, und drittens: teilweise sich entschuldigen ... An Treibstoff für den anschließenden Punkt 4, den Absturz, mangelt es bei Wulff nicht: Bekannt wurde, dass er als niedersächsischer Ministerpräsident für Auslandsreisen den Firmenjet des VW-Konzerns benutzen konnte. Schließlich leiste er diesem deutschen Übermonopol in der Doppelfunkion Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied wertvolle Dienste bei der Durchsetzung von dessen Profitinteressen rund um den Erdball.

Bekannt wurde auch, dass Herr Wulff zur Ablösung des besagten anrüchigen Privatkredits von der staatseigenen Landesbank von Baden-Württemberg Kredite zu exklusiven Sonderkonditionen mit Zinsen von 0,9 bis 2,6 Prozent bekam. Überzieht eine Arbeiterfamilie ihr Girokonto, muss sie zweistellige Überziehungszinsen bei derselben Bank blechen. Die Freizügigkeit der Banken gegenüber den bürgerlichen Spitzenpolitikern steht in umgekehrten Verhältnis zu ihrer Boykottpolitik gegenüber der MLPD. Alle Großbanken verweigern nach wie vor Kredite an die MLPD und den ihr nahestehenden Geschäftspartnern. 

Wulffs Eiertanz auf brüchigem Eis ist nur ein Teil der sich vertiefenden Vertrauenskrise in die Vertreter des herrschenden imperialistischen Systems und seine Institutionen. Weder der Austausch seines Spitzenpersonals und auch keine zeitweilige Abschwächung seiner gröbsten Auswüchse beseitigt das unmenschliche kapitalistische System. Über die Notwendigkeit wie auch Möglichkeit seiner revolutionären Beseitigung greift die MLPD in die internationale Strategiedebatte ein. In stürmischen Zeiten neue Kraft zu schöpfen, sich zu erholen, auch Bilanz zu ziehen, Durchblick zu gewinnen und über eine  bessere Zukunft zu diskutieren - dazu bieten die kommenden Festtage und Tage zwischen Jahren eine gute Gelegenheit.

Die Redaktion der "Roten Fahne" wünscht allen Leserinnen und Lesern schöne und anregende Feiertage im Kreis von Familie und Freunden. Bei allen Leserinnen und Lesern, Korrespondentinnen und Korrespondenten, Fotografen, Verkäuferinnen und  Verkäufern, Kritikern und Mitarbeiter bedanken wir uns für die Zusammenarbeit und Unterstützung im laufenden Jahr.

Und für diejenigen, denen am 24. Dezember noch ein Weihnachtsgeschenk fehlt, ein heißer Tipp. Ein "Rote Fahne"-Abo schenkt über Monate Freude und interessanten Lesestoff an der ganzen Bandbreite der weltweiten Kampfes für die Befreiung der Menschheit.