Betrieb und Gewerkschaft

Beschäftigte von Voith-Paper erkämpfen 300 Euro zusätzlich

27.12.11 - Ein Korrespondenz aus Heidenheim berichtet über eine Kampfaktion, die bereits am 21. Dezember statt fand:

Bei Schneetreiben und kaltem Wind legten am 21. Dezember rund 400 Beschäftigte bei "Voith Paper" die Arbeit nieder und versammelten sich auf dem Hof vor dem Domizil der Geschäftsführung. Es gab viele erregte Stimmen: "Das beste Geschäftsjahr und dann nur 9 Prozent Bonus!" "Wollen die uns verarschen?" "Was denken die sich eigentlich?" In einem Schreiben des Betriebsrats wurde dargelegt, dass die Zahlung gerade mal 1 Prozent von dem ausmacht, was jeder Beschäftigte zum Gewinn beigetragen hat. Der Herr der Geschäftsführung zog es vor, nicht heraus zu kommen, sondern wollte den Kolleginnen und Kollegen aus dem Fenster heraus erklären, warum diese Zahlung so gering ausfällt.

Von der Vertrauenskörperleitung der IG Metall wurde die Unterschriftenliste für mehr Bonus erwähnt. 800 (von 1.350) Kollegen haben innerhalb eines Tages unterschrieben und forderten mehr Geld. Der Betriebsratsvorsitzende berichtete, wie sich die Geschäftsführung weigerte, den Bonus zu erhöhen. (...)

Der Vertreter der Geschäftsführung versuchte zuerst seine Nichtzuständigkeit zu erklären, worauf dann der Ruf aufkam, gleich zum Vorstandsvorsitzenden zu gehen. Dies war ihm dann auch nicht recht. Also versuchte er, die Kolleginnen und Kollegen zu beruhigen und auf Gespräche mit dem Betriebsrat abzulenken. Diese Tour wurde aber nicht akzeptiert und der Ruf "Wir warten, bis er es sich das anders überlegt hat", wurde stärker. Er kam dann nicht umhin, Gespräche für den nächsten Tag anzukündigen. Die Beschäftigten wollten aber bei den Gesprächen dabei sein und kündigten ihr Erscheinen für den nächsten Tag um die gleiche Zeit an.

Am 22. Dezember blieben dann nach der Pause die Maschinen aus und der bekannte Gang durch die Fertigung zum Treffpunkt wurde angetreten. Das Selbstbewusstsein war durch die Aktion vom Vortag größer geworden. Es standen überall auf dem Weg mehr Kollegen als gestern. Nach einer kurzen Ansprache auf dem Hof und der Nachricht, dass noch kein Nachgeben der Geschäftsführung abzusehen ist, ging es dann zu dem Gebäude, in der die Geschäftsführung mit Vertretern des Betriebsrates verhandelte.

Nachdem fast eine halbe Stunde nichts geschah, forderte die Mehrheit der über 400 Kolleginnen und Kollegen, in den fünften Stock in die Räume der Geschäftsführung zu gehen. Nach lautstarkem Anzählen ging es hinauf. Viele blieben im Treppenhaus stehen, weil die Kapazität nicht ausreichte. Oben angekommen, wurde das inzwischen erhöhte Ergebnis bekannt gegeben: zu den 9 Prozent eines Monatslohnes wird ein Festbetrag von 300 Euro an alle Beschäftigten ausbezahlt.

Ein Festbetrag wird auch von Vielen gefordert. Es wurde dann mit dem Vertreter der Geschäftsführung diskutiert. Es wurde gesagt, dass dieses Ergebnis nicht reicht und die Kollegen forderten mehr Geld. Sie sprachen sehr selbstbewusst mit der Geschäftsführung. Diese war aber nicht bereit, mehr zu bezahlen.

Nachdem alle wieder runter in den Hof gingen, wurde dort Allen das Ergebnis bekannt gegeben. Nach Beifall von der Mehrheit und der Aussage, dass die Aktion gut war und zu einem gewissen Erfolg geführt hat, gingen die Kollegen gestärkt und selbstbewusst wieder an die Arbeit. Ein Kollege sagte: "Wir haben wieder gelernt, zu kämpfen, und werden dies auch weitermachen, die Aktion war deshalb ein Erfolg."