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Jeder dritte US-Bürger gilt als arm

Jeder dritte US-Bürger gilt als arm
Menschenschlange vor einer Suppenküche in USA (Foto Korresp.)

29.12.11 - Die Lasten der unaufhörlich steigenden Staatsverschuldung und der tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise in den USA werden rücksichtslos auf die werktätige Bevölkerung abgewälzt. Mittel für Gesundheitsversorgung, Lebensmittelmarken und Hilfen für Bedürftige werden gestrichen, die Reallöhne gesenkt. Im reichsten Land der Erde sind Armut und Hunger zu einer Massenerscheinung geworden. Nach einem Bericht der "New York Times" von Anfang Dezember heißt es, jeder müsse heute "eine Gänsehaut erzeugende Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen: Einer vor drei Amerikanern - rund 100 Millionen Menschen - ist entweder arm oder der Armut gefährlich nah".

Das Blatt bezieht sich auf eine aktuelle Volkszählung, wodurch die bisherigen offiziellen Angaben, dass jeder sechste (46 Millionen Menschen) als arm gilt, sich als falsch und beschönigend erweisen. Schon vor dem jüngsten Anstieg war die US-amerikanische Armutsquote die höchste unter allen entwickelten Industriestaaten. Immer mehr Familien in den USA haben wegen der zunehmenden Armut in größeren Städten Mühe, sich Nahrungsmittel zu kaufen.

Eine Studie des US-Städtetages zu Hunger und Obdachlosigkeit ergab, dass in fast allen 29 untersuchten Metropolen zwischen September 2010 und August 2011 die Nachfrage nach Lebensmittel-Beihilfen stieg. Rund 71 Prozent der Städte erklärten, dass sie ihr gesamtes Budget für Lebensmittelhilfen bereits im Sommer aufgebraucht hätten. Viele Stadtverwaltungen rechnen wegen des Krisenprogramms der Obama-Regierung damit, dass ihnen die Mittel für Lebensmittelmarken weiter zusammengestrichen werden.

Seit 2001 wurden nach Angaben der "Quarterly Census" (Vierteljahresberichte des US Arbeitsministeriums) 54.600 Fabriken geschlossen und fünf Millionen Industriearbeitsplätze vernichtet. Die Massenarbeitslosigkeit wird genutzt, um die Reallöhne zu senken. Von Juni 2009 bis Juni 2011 sanken die Reallöhne um 6,2 Prozent. In den verbliebenen Werken der Autoindustrie werden zahlreiche Arbeiten an externe Vertragsfirmen vergeben, die im Durchschnitt 10 Dollar (7,70 Euro) ohne Zuschläge bezahlen, wie im Lkw-Werk von Ford in Dearborn bei Detroit oder bei General Motors in Lake Orion (nördlich Detroit). Damit wird Druck auf die fest Beschäftigten der internationalen Automobilkonzerne in den USA ausgeübt.

Von diesen Dumpinglöhnen profitieren auch die deutschen Automobilkonzerne wie Daimler, BMW oder VW in ihren US-Fabriken. Das neue VW-Werk in Chattanooga (Tennessee), wo seit Jahresbeginn der neue Passat für den US-Markt gefertigt wird, machte im laufenden Jahr Negativ-Schlagzeilen als diejenige Autofabrik, die mit 15 Dollar (11,60 Euro) je Stunde die niedrigsten Einstiegslöhne für fest Beschäftigte zahlt. Aufgrund der hohen Massenarbeitslosigkeit haben sich trotz des niedrigen Lohns für die 1.500 zu besetzenden Stellen über 35.000 Arbeiter beworben.

Während die Massenarmut in den USA unaufhörlich steigt, verfügen die 400 reichsten Menschen in den USA über ein Privatvermögen von zusammen 1,53 Billionen Dollar; das sind zwölf Prozent mehr als im letzten Jahr (Zeitschrift "Forbes", September 2011). Um überhaupt in dieser Liste aufzutauchen, muss man über ein Vermögen von mindestens 1,5 Milliarden Dollar verfügen, mehr als das Zehntausendfache des mittleren Vermögens eines US-amerikanischen Haushaltes.

Das ganze parasitäre Wesen des Imperialismus wird dadurch deutlich, dass auf den vordersten Plätzen dieser Liste der Superreichen zahlreiche Wallstreet-Spekulanten und Hedgefonds-Manager zu finden sind. Typisches Beispiel ist der Hedgefonds-Manager John Paulson, mit einem Vermögen von 15,5 Milliarden Dollar. Sein Privatvermögen ist letztes Jahr um 25 Prozent (4,9 Milliarden US-Dollar) gestiegen, obwohl sein Haupt-Hedgefonds durch verlorene Wetten auf die Aktien der Bank of America und auf andere 30 Prozent an Wert verloren hat.

Dass diese Schmarotzer-Schicht ihr Vermögen so vergrößern konnte, ist eine direkte Folge der Geldspritzen in Billionenhöhe durch die Obama-Regierung. Drei Jahre nach dem Platzen der Spekulationsblase und dem Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise geht es der verschwindend kleinen Schicht des internationalen Finanzkapitals besser als je zuvor.