Umwelt

Selbst offizieller Fukushima-Bericht nennt haarsträubende Fehler im Umgang mit der Atomkatastrophe

28.12.11 - Selbst eine gewiss nicht unabhängige, von der japanischen Regierung eingesetzte Expertenkommission, kann kaum verbergen, welches Desaster die Atomkatastrophe von Fukushima hervorgerufen hat. Die Kommission hat 456 Beteiligte befragt. Dafür ist allerdings die Zeitspanne bis zur Veröffentlichung in der letzten Woche sehr groß. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass um jedes veröffentlichte Detail heftig gestritten wurde, um die Vorgänge zu beschönigen. Dennoch zeichnet der Bericht ein Bild, das man als ein Potpourri aus Lügen, Fahrlässigkeit und Unverantwortlichkeit gegenüber der Menschheit bezeichnen muss.

Es heißt unter anderem in dem 507 Seiten umfassenden Bericht, dass Tepco als Betreiber der angeblich "sichersten Atomkraftwerke der Welt" nicht mit einer Situation rechnete, "in der alle Stromquellen in mehreren Reaktoren wegen einer Naturkatastrophe gleichzeitig unterbrochen würden". Tepco war - genauso wenig wie alle anderen Atomkraftwerke auf der Welt - nicht darauf vorbereitet, die Stromversorgung, insbesondere für die Kühlung, unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Im Bericht wird das aber eher als Problem der mangelnden Ausbildung der Rettungskräfte und Beschäftigten dargestellt, die deshalb nicht in der Lage waren, auf eine solche Situation "zu reagieren". Die Kommunikation brach aufgrund ausgefallener Handys zusammen. Eine Koordination der Bekämpfung der Katastrophe war faktisch so gut wie unmöglich. Tepco hätte auch fälschlicherweise angenommen, dass das Kühlsystem in Reaktor 1 unbeschädigt sei. In Reaktor 3 wurde die Notkühlung gestoppt, ohne dies zu melden. So wurden notwendige Maßnahmen unterlassen, die die Katastrophe vielleicht noch hätten abmildern können, bzw. es wurde diese sogar noch zusätzlich verschärft.

Der Bericht deutet auch die Verbindungen von Regierung und Tepco bei der Vertuschung an. Obwohl es massive Kritiken an der spärlichen und manipulativen Berichterstattung von Tepco gab, unterließ es die japanische Regierung, selbst vor Ort die Verantwortung um die Bekämpfung der Katastrophe zu übernehmen und ließ Tepco "freie Hand". "Vollständiges Versagen" wirft der Bericht der Regierung auch bei den Evakuierungen vor. Bewohner einiger Gegenden, die ihre Häuser verlassen sollten, wurden in Regionen gebracht, in denen die radioaktive Belastung nach der Katastrophe sogar noch höher war. 

Die japanische Regierung und Tepco versuchen bis heute stets den Eindruck zu erwecken, sie hätten die Katastrophe im Griff. So verkündeten sie vor kurzem, dass  in 20 Jahren die Bergung der geschmolzenen Brennstäbe abgeschlossen sei - und das ohne neue Risiken für die Bevölkerung!? Dann wurde der Zeitraum auf bis zu 40 Jahren verdoppelt. Solche Prognosen sind lächerlich. Es gab bekanntlich je eine Kernschmelze in mindestens drei Reaktoren und niemand weiß, wie tief sich diese inzwischen in den Boden gefressen hat.

Der Bericht versucht letztlich die Behauptung der Atomlobby zu retten, dass die Atomenergie beherrschbar sei, wenn man nur richtig damit umgehe. Atomkraftwerke sind aber nicht beherrschbar. Die einzig richtige Konsequenz ist die weltweite Stilllegung aller Atomanlagen. Dafür setzt sich die MLPD im Bündnis mit allen Organisationen der ICOR und des ILPS in einer im September gestarteten einjährigen gemeinsamen Kampagne ein. "Nehmt Ihnen die Welt aus der Hand - eh sie verbrannt!"