Sozialismus

Zur Frage des "Personenkults" im Sozialismus

(Aus "Rote Fahne" 31/2012)

Zu den demagogischen Versuchen der Diskreditierung der MLPD durch den "Verfassungsschutz" gehört der Vorwurf des "Personenkults". Weil der Parteivorsitzende Stefan Engel auf den bisher acht Parteitagen der MLPD in geheimen Wahlen ins Zentralkomitee und seit der Parteigründung 1982 vom Zentralkomitee jeweils in seine Funktion gewählt wurde, kann es sich nach der Logik der Antikommunisten nur um "Personenkult" handeln.

Es gibt keine Führungspersönlichkeit einer bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Partei, die einer so gründlichen Überprüfung unterworfen gewesen wäre, wie Stefan Engel. Kein einziger von ihnen praktiziert eine solch kontinuierliche politische Kleinarbeit an der Basis, organisiert eine so breite Kontrolle seiner theoretischen Arbeit und legt regelmäßig Rechenschaft über seine Tätigkeit ab. Revolutionäre Führer entstehen nicht in der Studierstube oder durch Medienkampagnen, sondern im revolutionären Kampf. Sie spielen dann eine wichtige, oft entscheidende Rolle. Die Hetze der Antikommunisten richtet sich deshalb vor allem auch gegen revolutionäre Führer wie Stalin und Mao Zedong, die zu angeblichen Urhebern des "Personenkults" erklärt werden.

Die Rolle der Person in der Geschichte

Sowohl Stalin wie Mao Zedong machten sich in Wirklichkeit darum verdient, das selbständige Denken und Handeln der Menschen zu fördern. Unter Stalins Leitung wurde erstmals in der Geschichte eine massenhafte Aneignung der wissenschaftlichen Methode des dialektischen und historischen Materialismus in Angriff genommen, als er 1938 in der in Millionenauflage verbreiteten "Geschichte der KPdSU(B)" ein entsprechendes Kapitel dazu aufnahm. Mao Zedong mobilisierte mit dem berühmten "Roten Buch" ("Worte des Vorsitzenden Mao Zedong") Ende der 1960er Jahre im gleichen Sinne die Millionenmassen des chinesischen Volkes. Beide gingen entsprechend ihrer marxistischen Auffassungen davon aus, dass die Massen die Geschichte machen und es sich um eine Geschichte von Klassenkämpfen handelt. Auf dieser Grundlage entwickelten sie ihre Sicht von der Rolle der Person in der Geschichte. Sie waren selbst eng mit den Massen verbunden, stellten sich selbstlos in den Dienst der Revolution und des sozialistischen Aufbaus und erwarben sich dadurch weltweit geachtete Autorität.

1931 behauptete der Schriftsteller Emil Ludwig, nachdem er in Moskau zahlreiche Stalin-Bilder gesehen hatte, im Gespräch mit Stalin: "Sehen Sie keinen Widerspruch zwischen der materialistischen Geschichtsauffassung und der Tatsache, daß Sie trotzdem die hervorragende Rolle geschichtlicher Persönlichkeiten anerkennen?" Stalin antwortete darauf grundsätzlich: "Nein, hier besteht kein Widerspruch. Der Marxismus verneint keineswegs die Rolle hervorragender Persönlichkeiten oder die Tatsache, daß die Menschen die Geschichte machen. Sie können bei Marx im ‚Elend der Philosophie’ und in seinen anderen Werken Ausführungen darüber finden, daß eben Menschen die Geschichte machen. Allerdings machen die Menschen die Geschichte nicht so, wie es ihnen die Phantasie eingibt, nicht so, wie es ihnen gerade einfällt. Jede neue Generation findet bestimmte Verhältnisse vor, die bereits in fertiger Gestalt vorhanden waren, als diese Generation zur Welt kam. Und große Männer sind nur insoweit von Bedeutung, als sie es vermögen, diese Verhältnisse richtig zu verstehen und zu erkennen, wie sie zu ändern sind… " (Stalin Werke, Bd. 13, S. 94)

Mao Zedong brachte die Frage in seiner prägnanten Art auf den Punkt: "Die wahren Helden sind die Massen, wir selbst aber sind oft naiv bis zur Lächerlichkeit" ("Worte des Vorsitzenden Mao Zedong", S. 140).

Die wahren Urheber des Personenkults

In völligem Gegensatz dazu steht bis heute die bürgerliche Auffassung, dass herausragende Personen die Geschichte machen. Es waren die Faschisten, die Vorstellungen wie die des Philosophen Friedrich Nietzsche von der "überragenden Bedeutung der großen Persönlichkeit und der Auslese der Besten" propagierten und einen Kult des bedingungslosen Gehorsams betrieben ("Führer befiehl – wir folgen!"). Auch heute werden bürgerliche Politiker wie zeitweilig US-Präsident Barack Obama in den Medien systematisch überhöht, um die Massen für ihre Politik einzunehmen. Es waren in der Sowjetunion Leute wie Chruschtschow, die einen übertriebenen Kult mit Stalin betrieben und hinterher wahrheitswidrig behaupteten, dieser habe ihn selbst erzeugt.

Der "Verfassungsschutz" spekuliert auf die Wirkung der bürgerlichen Geschichtsfälschung und darauf, dass viele die MLPD nicht aus eigener Anschauung kennen, wenn er sie heute als Betreiber von Personenkult verleumdet. Als marxistisch-leninistische Partei neuen Typs hat die MLPD jede Selbstüberhöhung und Sonderstellung ihrer führenden Funktionäre von vornherein abgelehnt – auch der Parteivorsitzende hat keinerlei Sonderrechte. Freigestellte Funktionäre erhalten als Zuwendung zum Lebensunterhalt grundsätzlich nicht mehr als einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn, gegenwärtig maximal 1.040 Euro. Für Leitungs- und Kontrollgremien kann nur kandidieren, wer die Zustimmung des eigenen Kreisverbands bzw. der Ortsgruppe hat, weil diese die Kleinarbeit und Lebensweise der Genossinnen und Genossen am besten kennen. Ein kritisches und solidarisches Verhältnis zwischen Mitgliedern und Funktionären auf Augenhöhe wird bewusst gefördert. Davon kann sich jeder Interessierte gerne in der Praxis überzeugen. (dk)