Wirtschaft

Kurzarbeit jetzt auch bei Opel: "Warum sollen wir Arbeiter Lohnverluste hinnehmen?"

18.08.12 - Mit großem Medienecho wurden am 16. August die Pläne des Opel-Managements für Kurzarbeit in den Werken Rüsselsheim und Kaiserslautern für 6.000 Arbeiter bekannt gegeben. Am Mittwoch, 15. August, hatte die Geschäftsleitung die Belegschaft in Rüsselsheim informiert. Schon länger verhandelt das Opel-Management darüber mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) und dem Betriebsrat. Die Kurzarbeit soll möglicherweise ab September beginnen, in Rüsselsheim für die 3.500 Kolleginnen und Kollegen in der Produktion des Insignia und Astra. Die Rede ist unter anderem davon, die Produktion dort jeden Freitag ruhen zu lassen. Das Opel-Management will auch die ca. 10.000 Angestellten der Entwicklung und Verwaltung in die Kurzarbeit einbeziehen. Für das Werk Eisenach ist ebenfalls Kurzarbeit im Gespräch.

Für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen sind für die Zeit der Kurzarbeit gesetzlich nur 60 Prozent des bisherigen Nettolohns vorgesehen, bei Kollegen mit Kindern 67 Prozent. Das sind massive finanzielle Einschnitte. Von Verhandlungen über eine betriebliche Aufstockung des Kurzarbeitergelds ist zumindest bisher nichts bekannt. Auch über die Folgen für die Leiharbeiter, die im Falle von Kurzarbeit oft als erste entlassen werden, schweigen sich die bürgerlichen Medien aus.

Der Hintergrund für die Kurzarbeit in immer mehr Betrieben ist die negative Tendenz innerhalb der Weltwirtschafts- und Finanzkrise, die sich unter anderem in einer Vertiefung der Überproduktionskrisen in den meisten südeuropäischen Ländern ausdrückt. Dadurch sind die PKW-Neuzulassungen in Europa im ersten Halbjahr 2012 um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen, in Frankreich um 14,4 Prozent und in Italien um 19,7 Prozent.

Bei Opel betrug der Absatzeinbruch in der gesamten EU im ersten Halbjahr 15 Prozent, bei Ford 14,3 Prozent. Im Kölner Ford-Werk gibt es schon seit Mai Kurzarbeit. Bei Thyssen-Krupp-Stahl (TKS) in Duisburg sind seit Anfang August 2.170 Stahlarbeiter in Kurzarbeit – es heißt, bis Jahresende 2012. Der Kraftwerkskonzern Alstom hat 600 Kollegen auf Kurzarbeit gesetzt.

In den letzten Monaten gingen die Konzerne aber auch verstärkt zu direkter Arbeitsplatzvernichtung bis hin zu offenen Massenentlassungen über (wie bei Manroland, Schlecker usw.). Bei ThyssenKrupp wird eine Ausgliederung der gesamten Stahlsparte aus dem Konzern diskutiert und bei Opel/PSA sollen europaweit mehrere Werke geschlossen sowie 8.000 bis 10.000 Arbeitsplätze vernichtet werden. Auch bei Ford ist mittlerweile von der Schließung eines europäischen Werks die Rede.

Für das Opel-Werk in Bochum werden Beruhigungspillen verabreicht. Hier wäre eine Kurzarbeit wegen des Anlaufs des neuen Zafira nicht angesagt. Dazu äußerte sich ein Opel-Kollege aus Bochum gegenüber "rf-news": "Die Ankündigung von Kurzarbeit in den Werken Rüsselsheim und Kaiserslautern kommt nicht überraschend. Seit Monaten halten die Absatzeinbrüche vor allem in Südeuropa an und werden sogar heftiger. Es ist auch nicht richtig, wenn behauptet wird, das Bochumer Werk sei vollständig ausgelastet: obwohl der neue Zafira erst seit Januar auf dem Markt ist, wird auf Spätschicht oft eine halbe Stunde kürzer gearbeitet und nutzt Opel die Möglichkeiten für Produktion am Wochenende schon lange nicht mehr.

Wir gehen davon aus, dass sich diese Situation in den nächsten Wochen und Monaten drastisch zuspitzen wird. Davon dürfen wir uns aber nicht beirren und unter Druck setzen lassen. Es war völlig richtig, dass die Betriebsratsliste 'Offensiv' schon im Mai als einzige im Bochumer Betriebsrat eine neue Vereinbarung zur Kurzarbeit abgelehnt hat: Warum sollen wir Arbeiter Lohnverluste hinnehmen, wenn noch nicht einmal die tarifliche Arbeitszeit von 35 Stunden in der Woche umgesetzt ist – geschweige denn unsere Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden in der Woche bei vollem Lohnausgleich?

Wenn ab Montag die Bänder wieder laufen, dann geht nach den verdienten Werksferien auch unser Kampf weiter. Die Aufschiebung der Tariferhöhung von 4,3 Prozent hat die Belegschaft nie akzeptiert und wir werden ihre Auszahlung durchsetzen. Das wird ein erstes Vorgefecht im Kampf um jeden Arbeitsplatz und gegen die drohende Werkschließung sein.

Eine Produktion des Opel Mokka in Bochum, über die gerade öffentlich spekuliert wird, würde bedeuten, dass GM die Produktion aus Südkorea abziehen müsste. Das haben sie in der Vergangenheit immer abgelehnt mit dem Hinweis auf die kampfstarken Gewerkschaften dort – ein Beweis mehr dafür, dass nur der Kampf Arbeitsplätze erhalten kann und nicht der Verzicht. Wir jedenfalls werden uns nicht spalten lassen und die hervorragenden Erfolge in unserer internationalen Koordinierung mit den Belegschaften und Gewerkschaften im GM-Konzern fortsetzen, die seit dem 7. Internationalen Automobilarbeiterratschlag im Mai einen unglaublichen Aufschwung genommen hat!"