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Marikana-Bergarbeiter trotzen Ultimatum - Protest auch bei den heutigen Montagsdemos

20.08.12 - Am Sonntag hat der britische Bergbaukonzern Lonmin den streikenden Arbeitern der Marikana-Platin-Mine in Südafrika ein Ultimatum gestellt: wenn sie nicht am Montag, also heute, wieder einfahren, werden sie entlassen. Die Bergleute erklärten, dies sei eine Beleidigung für ihre gestorbenen Kollegen. Die Arbeiter haben geschworen, die Arbeit erst wieder aufzunehmen, wenn ihre Forderungen erfüllt wurden.

Inzwischen wird von verschiedensten Seiten versucht, die Verantwortung für den blutigsten Polizeieinsatz in Südafrika seit dem Ende des Apartheid-Regimes, bei dem 34 Arbeiter getötet und 78 verwundet wurden (siehe "rf-news"-Artikel), den Bergarbeitern selbst in die Schuhe zu schieben. Die revisionistische "Südafrikanische Kommunistische Partei" (SACP) fordert sogar die Verhaftung der Führer der Gewerkschaft AMCU ("Association of Mineworkers and Construction Union").

Der AMCU gehören die streikenden Arbeiter an und in ihr sind mehr als die Hälfte der 20.000 Beschäftigten der Mine organisiert sind. Ein Drittel der Belegschaft ist in der Bergarbeitergewerkschaft NUM organisiert, die dem eng der ANC-Regierung verbundenen Gewerkschaftsdachverband COSATU angehört. Die SACP bildet zusammen mit dem regierenden ANC und dem Gewerkschaftsdachverband COSATU die sogenannte "Tripartite Alliance" (Allianz dreier Parteien).

Die AMCU entstand 2001 in der Kritik an der offenen Klassenzusammenarbeitspolitik der Bergarbeitergewerkschaft NUM, wodurch es allerdings auch zu einer Spaltung der Gewerkschaftsbewegung kam. Zunehmend haben die Führungen der COSATU und der NUM in den letzten Jahren eine Rolle als Ordnungsfaktor im Interesse des allein herrschenden Finanzkapital gespielt. Bezeichnend dafür ist, dass Cyril Ramaphosa, ehemaliger Vorsitzender der Bergarbeitergewerkschaft NUM mit einem Vermögen von ca. 275 Millionen US-Dollar zu einem der reichsten Männer Südafrikas wurde und auch im Vorstand des Lonmin-Konzerns sitzt.

Der Protest gegen das Polizeimassaker und die Solidarität mit den südafrikanischen Bergarbeitern wird sicherlich auch auf vielen der heutigen Montagsdemonstrationen ein Thema sein.