International

Solidaritätsdemonstration für Maruti-Suzuki-Arbeiter im indischen Gurgaon

20.08.12 - Am 18. August beteiligten sich nach offiziellen Angaben mindestens 7.000 Arbeiter an einer Protestdemonstration im indischen Gurgaon. Sie zeigten sich solidarisch mit den Maruti-Suzuki-Kollegen im benachbarten Manesar. Am Tag zuvor hatte R.C. Bhargava, der Vorstandsvorsitzende von Maruti Suzuki India Ltd., Indiens größter Automobilfabrik, die Beendigung der Aussperrung und den Wiederbeginn der Produktion am 21. August angekündigt. Die Voraussetzungen dafür seien gegeben, weil in der Nacht zuvor ein Arbeiter (Jiya Lal) verhaftet wurde, der nun zum Hauptschuldigen für die gewalttätigen Auseinandersetzungen am 18. Juli erklärt (siehe "rf-news"-Bericht) wird.

Er hatte sich gegen einen Vorgesetzten zur Wehr gesetzt, der ihn mit diskriminierenden Beleidigungen wegen seiner Kastenzugehörigkeit beschimpft hatte. Bei den anschließend von Schlägertrupps angezettelten Gewalttätigkeiten wurden insgesamt 96 Personen verletzt und ein ebenfalls verletzter Vorgesetzter starb an Erstickungen infolge eines Brandes.

Dafür sollen jetzt willkürlich hunderte Arbeiter haftbar gemacht werden. 500 der 1.528 Festangestellten wurden fristlos entlassen und 114 sind verhaftet bzw. angeklagt wegen Brandstiftung, Körperverletzung und Totschlag – das alles ohne jeglichen Beweis und ohne dass die staatlich eingesetzte Untersuchungskommission zu irgendeinem Ergebnis gelangt ist. Ganz offensichtlich soll in einer der größten Sonderwirtschaftszonen Indiens ein Exempel gegen das internationale Industrieproletariat exerziert werden.

Der Streik der Maruti-Suzuki-Belegschaft im Zweigwerk Manesar ist deshalb wegweisend, weil sich erstmals fest angestellte Arbeiter für die Rechte der Leiharbeiter eingesetzt haben, obwohl dies in Indien verboten ist. Bis dahin gab es nur von den Stammbelegschaften getrennte Streiks von Leiharbeitern. Das war ein enorm wichtiger Schritt zur Überwindung der Spaltung der Arbeiterklasse, auch weil dieser Kampf selbständig gegen die Politik der Klassenzusammenarbeit von Gewerkschaftsführungen, Monopolen und Regierung organisiert wurde.

Zu dem Solidaritätsmarsch am 18. August hatten insgesamt 16 Gewerkschaften einschließlich der großen gesamtindischen Gewerkschaften aufgerufen. Es nahmen Arbeiter aus über 40 Fabriken der Wirtschaftszone Gurgaon-Manesar teil, darunter die großen Automobil- und Zulieferbetriebe wie Hero Honda, Satyam oder Rico. Die einheitlichen Forderungen sind Rücknahme aller Kündigungen, Entlassung der verhafteten Arbeiter, Aufhebung der Anklagen und Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission zur Bestrafung der Schuldigen.

Ob die Beschäftigten am 21. August die Arbeit wieder aufnehmen, ist offen. "Heute ist erst eine Schicht hier versammelt. Beim nächsten Mal werden wir mit der gesamten Arbeiterschaft von Gurgaon kommen", erklärte Satbir Singh, Vorsitzender der CITU (Centre for Indian Trade Unions) auf der Kundgebung. Ein erster wichtiger Erfolg des Kampfes zeichnet sich ab. Maruti-Suzuki-Chef Bhargava kündigte an, am 2. September ein Verfahren zur Übernahme der Beschäftigten unter den 1.869 Leiharbeitern einzuleiten, die in den hauptsächlichen Produktionstätigkeiten ausgebildet seien.

Gleichzeitig bereiten sich Regierung und Management offenbar auch auf ein mögliches gewaltsames Vorgehen vor. Die Regierung des indischen Bundesstaats Haryana will 300 Polizisten der Spezialtruppe Rapid Action Force (RAF) nach Manesar entsenden und weitere 200 Mann im Werk selbst stationieren. Weitere 100 Sicherheitsleute will Maruti im Werk einsetzen, davon 25 bewaffnete in der Führungsetage sowie zusätzliche 40 persönliche Bodygards für das Management.

Das unterstreicht, dass die internationale Solidarität und die Entwicklung einer gemeinsamen internationalen Kampffront weiterhin von großer Bedeutung ist. Solidaritätserklärungen leitet "rf-news" gerne an befreundete Organisationen in Indien, unter anderem die dortigen ICOR-Parteien, weiter.