Betrieb und Gewerkschaft

Lufthansa-Flugbegleiter treten in den Streik

30.08.12 - Zum ersten Mal in der Geschichte der BRD werden ab Freitag Flugbegleiter streiken. Die "Unabhängige Flugbegleiter Organisation" (UFO) hat ihre überwiegend weiblichen Mitglieder bei der Lufthansa nach dem Scheitern von über 13-monatigen Verhandlungen zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Sie verlangt neben fünf Prozent mehr Lohn ein Ende des so genannten "Sparkurses" im Unternehmen. Dieser sieht vor, von den etwa 19.000 Flugbegleitern 3.500 zu entlassen, in großem Umfang Leiharbeitskräfte einzustellen und Arbeitsplätze in billige Personalleasinggesellschaften auszulagern.

Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind schon bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt. Für verschiedene Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten auch schon deutlich schlechtere Tarifbedingungen. Auch die Grundgehälter der Flugbegleiter sollen nach jahrelangem Lohnabbau noch weiter reduziert werden. Lufthansa will diese zusätzlichen Milliardengewinne in neue Flugzeuge und Linien investieren, um in ihrem Konkurrenzkampf mit anderen Fluggesellschaften die "Lufthoheit" zu gewinnen.

UFO will zunächst immer nur "ein bis zwei Stationierungsorte von Flugpersonal" bestreiken. Der Streikbeginn und die betroffenen Flughäfen werden erst sechs Stunden vorher bekanntgegeben, damit die Lufthansa nicht Personal von anderen Orten an die bestreikten Flughäfen beordern kann. UFO bereitet sich aber auch auf unbefristete und flächendeckende Arbeitsniederlegungen vor, falls die Lufthansa nicht in absehbarer Zeit auf die Forderungen der Flugbegleiter eingeht.

In verschiedenen bürgerlichen Zeitungen wird schon Panik geschürt, welches Chaos auf die Fluggäste zukommen werde und es werden höchstens noch Verhaltenstipps gegeben - wie die realen Zustände für Flugbegleiter aussehen, darüber wird oft wenig berichtet. "rf-news" sprach deshalb mit einer Flugbegleiterin einer anderen Fluggesellschaft darüber, was es mit dem angeblichen "Traumberuf" der "Stewardess" angesichts der Veränderungen der letzten zehn bis 15 Jahre auf sich hat:

"Vom Traumberuf ist nicht mehr viel übrig. In der gesamten Fliegerei wurden die Löhne stark gekürzt und die Arbeitsbedingungen massiv verschlechtert. Das ist bei anderen Fluggesellschaften noch viel dramatischer als bei der Lufthansa, wo es immerhin noch Tarifverträge gibt, die bisher wenigstens einigermaßen erträgliche Standards enthalten. Aber das wird von der Lufthansa auch immer mehr unterlaufen. Dagegen richtet sich ja der Streik." 

"rf-news": Wie haben sich die Arbeitsbedingungen für Flugbegleiter geändert? 

"Z.B. wurden die Ruhezeiten stark gekürzt. Bei meiner Fluggesellschaft hattest du zum Beispiel zwei Tage frei, um dich zu erholen, wenn du nach New York geflogen bist. Dann haben sie die Flugzeuge in der Schweiz registriert. Dort darfst du an zwei Tagen hintereinander fliegen. Und nach einem Tag Pause musstest du wieder nach New York, d.h. du hast wesentlich mehr Flüge und weniger Ruhezeiten. Wir haben nur noch sieben Tage frei im Monat. Das strebt auch Lufthansa an. Bisher dürfen sie das in Deutschland noch nicht, aber in anderen Ländern schon. Bei der Lufthansa ist es auch so, dass es heute z.B. viel weniger Flüge nach Berlin gibt. Dadurch sind die Flieger immer voll belegt, meistens sogar überbelegt. Da kommst du überhaupt nicht mehr zum Luftholen. Außerdem wurde die Besatzung ausgedünnt. Heute gibt es nur noch vier statt fünf in der Kabine, die z.T. auch noch Leiharbeiter sind." 

"rf-news": Wie sieht es mit den Löhnen aus? 

"In den letzten 20 Jahren sind die Löhne der Flugbegleiter insgesamt mindestens halbiert worden. Bei den neuen Verträgen der Lufthansa verdienen die Flugbegleiter heute nur noch 1.500 Euro brutto. Das sind etwa 900 Euro netto, dazu kommen Spesen pro Flug. Dann kommst du bestenfalls auf 1.400 Euro netto insgesamt. Du kriegst bei der Lufthansa in den ersten drei Jahren so gut wie keine Lohnerhöhung. Wenn du zehn Jahre dabei bist, steigt dein Lohn auf insgesamt etwa 1.700 bis 2.000 netto. Bei anderen Fluggesellschaften sind die Löhne noch wesentlich niedriger." 

"rf-news": Was hältst du von dem Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa? 

"Man muss die Lufthansa-Flugbegleiter in ihren Kämpfen unbedingt unterstützen. Sie kämpfen im Grunde für alle Flugbegleiter. Es geht auch darum, ein Zeichen zu setzen. Eigentlich müssten alle Flugbegleiter von allen Fluggesellschaften zusammen für mehr Ruhezeiten, Aufstockung der Besatzungen und deutlich höhere Löhne kämpfen."