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"Auslandseinsatz" - mediale Aufarbeitung eines Desasters

18.10.12 - Während sich aktuell Till Schweiger im Kino als "Schutzengel" mit Hindukusch-Vergangenheit durch Berlin metzelt, schickte nun am Mittwoch, den 17. Oktober, die ARD vier junge Bundeswehrsoldaten in den "Auslandseinsatz". Laut dem Sender - der Film ist eine Co-Produktion von WDR, Relevant-Film und der ARD-Tochter Degeto - ist es "der erste deutsche Film, der den Krieg und den Einsatz in Afghanistan selbst zum Thema hat und auch dort spielt". Was dann in den nächsten 90 Minuten gezeigt wurde, spiegelt die zugespitzte Realität in Afghanistan unter der Nato-Besatzung und das ganze Desaster derselben wieder.

Die Handlung: Vier junge Zeitsoldaten der Bundeswehr werden in einen einsamen Außenposten mitten in den afghanischen Gebirgszügen versetzt. Der nachdenkliche Offiziersanwärter Daniel (Max Riemelt) und sein Freund Ronnie (Hanno Kofler), der eher "der Action wegen" nach Afghanistan gekommen ist, schlittern immer mehr in den brutalen Kriegsalltag mit Feuergefechten mit Taliban, getöteten Kindern, unterdrückten Frauen und allgegenwärtigem Mohnanbau. Dann ist da noch der desillusionierte Befehlshaber vor Ort, Hauptmann Glowalla (David Striesow). Er hält die anfangs hoch angepriesenen Ziele des Verteidigungsministeriums für völlig illusorisch und sieht seine Mission nur noch darin, über die Runden zu kommen.

Als dann noch der afghanisch-stämmige Bundeswehrsoldat Emal zusammen mit einer Entwicklungshelferin von Taliban als Geisel genommen werden, kommt es zur Zuspitzung. Beide Geiseln werden erschossen. Daniel und Ronnie treten gegen jeden Befehl die eigenständige Flucht nach vorn an und gehen auf eigene Faust vor, was Daniel vor's Kriegsgericht bringen wird. Am Ende des Films sprengt sich einer der Jungen, mit dem die Soldaten Freundschaft geschlossen hatten, in einer US-Patrouille in die Luft. Die regelrechten Auflösungserscheinungen der militärischen Ordnung und die Zermürbung der Truppe unter dem gegebenen Dauerstress wird über den gesamten Film hin deutlich.

In der anschließenden Talkshow "Anne Will" sahen die Fernsehzuschauer dann einen zunehmend hilflosen Verteidigungsminister Thomas de Maizière in der Defensive. Auf den Beitrag einer Soldatin, die in Afghanistan Aufbauhilfe geleistet hat und die heute ihre Kinder vor ihrem Mann schützen muss, welcher als psychisches Wrack aus dem Hindukusch zurück gekommen ist, wusste de Maizière nichts anderes zu sagen, als dass das "frühe Fälle" gewesen seien, bei denen man noch "keine Erfahrung" gehabt habe. Mehr und mehr musste er zurückrudern.

Sein Parteifreund Jürgen Todenhöfer sagte ihm auf den Kopf zu, dass der Krieg in Afghanistan nichts anderes sei als der "Bündnisfall", sprich das sture Hinterherrennen hinter George W. Bushs "Feldzug gegen den Terrorismus" und dass die Bundesregierung die Menschen von Anfang an bis heute schamlos über die Lage in Afghanistan belügt. De Mazière redete sich heraus, man hätte ja hehre Ziele gehabt, den Menschen im Land Demokratie zu bringen, dabei aber überschätzt, was mit diesen Menschen möglich sei.

So denkt ein führender deutscher Monopolpolitiker über die Völker am Hindukusch, die sich seit Jahrhunderten gegen jede fremdländische Besatzung mutig erhoben haben! In seiner Argumentationsnot verplapperte sich schließlich de Mazière: es sei vorgesehen, auch nach dem vom Bundestag 2014 beschlossenen Truppenabzug weiter mit Streitkräften im Lande zu bleiben. Natürlich nur, um angeblich den zivilen Aufbau weiter zu unterstützen ...

Was sowohl der Film als auch die anschließende Talkrunde nicht sagen, ist, dass der Krieg in Afghanistan ein ungerechter imperialistischer Krieg gegen das Volk ist, und dass die Nato eine Besatzungsmacht im Land darstellt. Was nicht gezeigt wurde, ist der gerechte massenhafte Widerstand der Menschen im Land, die diese Besatzungsmacht von Tag zu Tag an Boden verlieren lässt. Damit gilt es Solidarität zu üben und die berechtigte Forderung nach einem sofortigen Abzug aller Besatzungstruppen aus dem Land zu unterstützen.

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