Kultur

Frankfurter Buchmesse: Antikommunismus in der Bredouille

15.10.12 - Die Frankfurter Buchmesse schloss gestern ihre Pforten. Die Zahl der Aussteller ging auf 7.000 (2011 über 7.300) und die der Fachbesucher um 1,6 Prozent zurück. Während die Preisverleihungen anlässlich der Buchmessen in den letzten Jahren stramm im Zeichen des Antikommunismus standen, widerspiegeln sie dieses Mal wachsende Probleme der Antikommunismus-Propaganda. Die Buchmesse insgesamt spiegelt in ihren Trends nicht nur eine tiefe Verunsicherung im bürgerlichen Literaturwesen wider, sondern auch das wachsende Interesse der Leser an kapitalismuskritischen, antifaschistischen und fortschrittlichen Büchern. Dafür stand auch in diesem Jahr das erfreuliche Kontrastprogramm der Mediengruppe Neuer Weg mit ihrem Angebot internationalistischer und revolutionärer Literatur.

Der Literaturnobelpreis 2012 ging an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan, zugleich Vizevorsitzender von Chinas Schriftstellervereinigung. Während Außenminister Westerwelle Mo Yan dafür lobte, dass er "schon vor vielen Jahren begonnen" habe, "den schnellen Wandel im modernen China zu beschreiben", meinte die schwedische Handelsministerin ganz offen: "Der Nobelpreis ist eine starke Marke. ... Dadurch verbessern sich auch die Geschäftsmöglichkeiten." Von chinesischen Oppositionellen kam dagegen teilweise massive Kritik. Der von der Staatsführung verfolgte und behinderte Künstler Ai Weiwei bezeichnete Mo Yan als von der "Realität abgehoben".

"Er vertritt das Regime", sagte Liao Yiwu, der am Sonntag den "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" erhielt. Liao war in China wegen eines kritischen Gedichts nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1986 vier Jahre inhaftiert und lebt heute in Berlin im Exil. Seine Rede war - bei allen Unklarheiten über den Charakter des bürokratisch-kapitalistischen Regimes in China - alles andere als ein Loblied auf den Kapitalismus. Er warf den westlichen Konzernen vor, "mit den Henkern gemeinsame Sache zu machen" und sagte voraus: "Das Wertesystem des chinesischen Imperiums ist längst in sich kollabiert und wird nur noch vom Profitdenken zusammengehalten. Gleichwohl ist diese üble Fessel des Profits so weitreichend und verschlungen, dass sich die freie Welt der wirtschaftlichen Globalisierung noch ausweglos in ihr verheddern wird."

Der "Deutsche Buchpreis 2012" ging an die Schriftstellerin Ursula Krechel für ihren Roman "Landgericht". Darin beschreibt sie das Schicksal eines jüdischen Richters der dem faschistischen Massenmord entgehen konnte, in der Bundesrepublik Deutschland aber keine juristische oder materielle Anerkennung fand. Noch bei der Leipziger Buchmesse im März war der Sachbuchpreis an den Autor Jörg Baberowski für seine pseudowissenschaftliche Hetzschrift gegen die sozialistische Sowjetunion der 1930er-Jahre "Verbrannte Erde" gegangen und den Literaturnobelpreis 2009 erhielt die antikommunistisch geprägte Schriftstellerin Herta Müller.

Auch der wachsende internationale Widerstand gegen die Abwälzung der Krisenlasten spielte in Frankfurt eine Rolle. So hat der griechische Autor Petros Markaris einen Roman "Zahltag" verfasst, in der der "Held" Reiche umbringt, die Steuern hinterzogen haben. Das Buch kommt in Griechenland derart gut an, dass es mit der Warnung erscheint: "Achtung, nicht zur Nachahmung empfohlen."

Die Mediengruppe Neuer Weg stellte ihr gesamtes Verlagsprogramm in einem neuen, attraktiven Katalog "Bücher für bewegte Zeiten" vor. "People to People" brachte einen neuen Katalog 2012/13 für Reisen, Bücher, Kunsthandwerk und Kulturgüter heraus einschließlich eines Sonderverkaufs zur Unterstützung der ICOR. Neue Übersetzungen der Bücher von Stefan Engel "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" sowie von Stefan Engel und Monika Gärtner-Engel "Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau" wurden angeboten.

Diese Literatur stieß bei Messebesuchern auf große Offenheit. Da kamen Reaktionen wie "Den Kapitalismus abschaffen - genau!" oder "Es geht um die Zukunft unserer Kinder“. Die Verleumdungsklage der MLPD gegen die Hetzschrift des Schöningh-Verlags "Linksextremismus - die unterschätzte Gefahr?" wurde von vielen Messebesuchern ausdrücklich begrüßt. Der Schöningh-Verlag, der nicht weit von Stand der Mediengruppe Neuer Weg platziert war, hatte das Buch mit den beklagten Stellen vorsorglich nicht ausgelegt.