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Ford-Arbeiter in Genk blockieren Werk und Teststrecke - konzernweit den Kampf um jeden Arbeitsplatz führen!

25.10.12 - Seit heute morgen um sechs Uhr blockieren etwa 60 Arbeiter des von Schließung bedrohten Ford-Werks in Genk die Teststrecke des Konzerns im belgischen Lommel, die sonst Tag und Nacht in Betrieb ist. Der Zugang wurde bereits verbarrikadiert. Die 350 Kollegen, die auf der Teststrecke arbeiten, haben aus Solidarität mit den Kollegen in Genk zeitgleich die Arbeit niedergelegt. Bis Ende 2014 soll das Werk in Genk nach dem Willen der Konzernleitung geschlossen werden, das wurde gestern auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung bekannt gegeben (siehe "rf-news"-Bericht).

Rund 4.300 Fordlern und weiteren 5.500 Beschäftigten der Zulieferbetriebe in der Region droht nun die Arbeitslosigkeit. Die Produktion soll bereits zum Ende dieses Jahres auslaufen und ins spanische Werk Valencia verlagert werden. Ein Teil der dortigen Modelle soll dafür im Werk in Saarlouis produziert werden. 500 Millionen will Ford damit "einsparen", auf gut Deutsch zusätzlich profitieren.

Mit 44 Millionen Euro hatten die flämischen Behörden erst 2010 Ford subventioniert. Und noch vor fünf Wochen hatte die Geschäftsführung versichert, der Standort Genk bliebe erhalten. Mit solchen Zusagen wurde von den Führungen der Gewerkschaften zuletzt ein Lohnverzicht von 12 Prozent erpresst. "Nachdem am Mittwoch Trauer, Tränen und Enttäuschung vorherrschten, ... wurden die vor Entlassung stehenden Arbeiter zunehmend wütender", berichtet heute das deutschsprachige "flanderinfo.be". Bereits seit Dienstag halten Kollegen die Werkstore blockiert, um trotz der Kurzarbeit in dieser Woche die Auslieferung von Fahrzeugen zu verhindern. Bis Mitte Januar sind nur noch 17 Arbeitstage angesetzt.

Ein unbefristeter Streik verbunden mit Blockaden, öffentlichkeitswirksamen Aktionen und der Organisierung einer breiten internationalen Solidarität würde Ford dennoch empfindlich treffen. Vor allem fordert diese Situation den gemeinsamen Kampf aller Konzernbelegschaften heraus. Diese werden keineswegs von der Werksschließung in Genk "profitieren", wie jetzt von der Konzernleitung und teilweise in den bürgerlichen Medien suggeriert wird. Tatsächlich wird eine Verlagerung der Produktion aus Genk mit der Verschärfung der Ausbeutung in Valencia und Saarlouis einher gehen. Denn gleichzeitig sollen europaweit rund 500 weitere Arbeitsplätze vernichtet werden und will Ford zusätzlich 200 Leiharbeitern kündigen.

In vielen Werken wie unter anderem in Köln und Saarlouis werden die Krisenfolgen bereits über Kurzarbeit auf die Belegschaften abgewälzt. Auch über eine Schließung des britischen Werks in Southampton mit 535 Beschäftigten wird verhandelt. Die Schließung von Genk wird nach den Plänen des Konzernvorstands also nicht "das Ende der Fahnenstange" sein.

Ford erklärt, der Konzern sei dazu gezwungen, weil er aufgrund des Absatzeinbruchs in Europa dieses Jahr eine Milliarde Dollar Verlust machen würde. Tatsächlich haben die Ford-Beschäftigten im Jahr 2011 pro Kopf mehr als doppelt so viele Autos gebaut als noch im Jahr 2000 - eine gewaltige Steigerung der Arbeitsproduktivität, die für Ford die Quelle riesiger Maximalprofite war. Offizielle "Verluste" weisen die Bilanzkünstler der internationalen Konzerne immer dann aus, wenn sie sie brauchen.

In den USA wurden zur Verschärfung der Ausbeutung bereits in den letzten vier Jahren seit Beginn der Weltwirtschafts- und Finanzkrise zehntausende Arbeitsplätze vernichtet und Werke geschlossen. In Europa wurden die Krisenfolgen in verschiedenen Ländern durch Dämpfungsmaßnahmen wie Abwrackprämien sowie eine zeitweilige relative Belebung abgemildert. Das beginnt nun ins Gegenteil umzuschlagen. Allerdings schreckten Ford und die anderen Automobilkonzerne in Europa bisher auch deshalb vor offenen Massenentlassungen und Werksschließungen weitgehend zurück, weil sie sich mit den oft kämpferischen Belegschaften nicht zu offen anlegen wollten. In ihrem Bewusstsein haben sich insbesondere die positiven Erfahrungen mit länderübergreifenden Aktionstagen und Kämpfen wie bei Opel/PSA/GM, Renault oder Fiat fest eingegraben.

Neben Fiat und PSA/Citroen ist Ford nun der dritte Konzern, der in Europa dieses Jahr zu Werksschließungen übergeht. Der Kampf gegen diese Pläne ist Bestandteil des Kampfs gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf den Rücken aller Automobilarbeiter. Er fordert die länderübergreifende Solidarität und gegenseitige Unterstützung aller Automobilbelegschaften heraus. Die Opel- und Daimler-Belegschaften haben in den letzten Jahren mehrmals bewiesen, dass der Kampf um jeden Arbeitsplatz erfolgreich geführt werden kann. Auch bei Ford in Köln und in Genk gab es in der Vergangenheit erfolgreiche Streiks gegen geplante Arbeitsplatzvernichtung.

Die Kurzarbeit in vielen Werken zeigt, dass mit dem Mittel der Arbeitszeitverkürzung Arbeitsplätze erhalten werden können - wenn auch auf Kosten der Löhne und der Sozialkassen. Mit dem Kampf für Konzernvereinbarungen zur 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich kann dies statt dessen auf Kosten der Monopolprofite durchgesetzt werden.