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1.900 feierten in der Dortmunder Westfalenhalle den 30. Geburtstag der MLPD

1.900 feierten in der Dortmunder Westfalenhalle den 30. Geburtstag der MLPD

04.11.12 - Als die 1.900 Besucher gegen 23 Uhr im voll besetzten Saal und auf der Bühne das Weltlied der Arbeiter, die "Internationale", zum Abschluss des Programms sangen, ging eine denkwürdige Veranstaltung zu Ende. Sie spiegelte in jeder Hinsicht die 30-jährige Erfolgsgeschichte der MLPD wider. Um 18 Uhr hatte die Trommelgruppe des REBELL das Startsignal gegeben. Die Moderatoren Lena und Felix führten mit Charme und Witz durch das Programm. Ein Programm, das für jeden Geschmack etwas geboten hat. Es gibt wohl kaum einen geeigneteren Ort als die Westfalenhalle in der Stadt der Montanindustrie im Ruhrgebiet, um den Geburtstag der revolutionären Arbeiterpartei MLPD zu begehen. Mit Spannung wurde die Rede von Stefan Engel, dem Parteivorsitzenden erwartet.

Die sehr tiefgehende, allseitige und lebendige Rede brachte einige Überraschungen: Sie wurde gemeinsam und abwechselnd von Stefan mit der stellvertretenden Vorsitzenden Monika Gärtner-Engel und den Zentralkomitee-Mitgliedern Reinhard Funk, Gabi Gärtner und Peter Weispfenning vorgetragen.

Unter großem Beifall berichtete Stefan Engel vom Stuttgarter Parteitag der MLPD, den er als den erfolgreichsten aller Parteitage bewertete. Der 9. Parteitag der MLPD war der erste seit der Gründung der ICOR. Er war vom internationalistischen Geist durchdrungen und gab eine zukunftsweisende Ausrichtung auf die Jugendarbeit als Motor und Massentaktik des Parteiaufbaus der MLPD.

Die Rede spannte den Bogen von der Gründung der MLPD am 20. Juni 1982 bis heute und zeigte die eindrucksvollen Fortschritte des Parteiaufbaus, die sich deutlich von der gegensätzlichen Entwicklung aller bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien abhob. Anlässlich der Gründung hatte damals der Geheimdienst "Verfassungsschutz" die MLPD als "Totgeburt" prognostiziert. Heute zeigt sich die MLPD sehr lebendig und als aufstrebende Kraft.

Dagegen wird uns tagtäglich die Überlebtheit des Kapitalismus vor allem seit dem Beginn der noch nicht überwundenen Weltwirtschafts- und -finanzkrise vor Augen geführt. "Der Kapitalismus ist an einem Punkt angelangt, an dem er insgesamt ersetzt werden muss. Durch eine neue Gesellschaft, in der die Ausbeutung und Unterdrückung, sowie die Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur abgeschafft wird. Das kann nur der Sozialismus sein."

Monika Gärtner-Engel führte anhand der dramatischen Eisschmelze in der Antarktis und Ausweitung des Ozonlochs, sowie den verheerenden Verwüstungen durch den Wirbelsturm "Sandy" aus, dass die kapitalistische Profitwirtschaft auf dem Niveau der Neuoganisation der internationalen Produktion mit einer grundlegenden Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur einhergeht. Die Umweltfrage ist zu einer Systemfrage geworden, was "noch gravierend unterschätzt" wird. Die Umweltbewegung muss sich verändern, um dieser neuen Anforderung gerecht zu werden.

Dazu wurde in der Rede der Vorschlag zur Schaffung einer starken Umweltgewerkschaft als "ausgezeichnete Idee" gewertet. Denn sie ist geeignet, eine starke überparteiliche kämpferische Widerstandsfront aufzubauen, in der die Industriearbeiter auch die entscheidende Stoßkraft bilden. Die Partei verpflichtet sich in den nächsten vier Wochen bis zum Weltklimatag und ICOR-Kampftag zur Rettung der natürlichen Umwelt am 1. Dezember "zu powern" und zigtausende Unterschriften zum Manifest von ICOR und ILPS gegen jegliche Nutzung von Atomenergie zu sammeln. Dabei soll ein aktiver Beitrag geleistet werden, Unterstützer für die Umweltgewerkschaft zu gewinnen.

Die MLPD hat Lehren sowohl aus den unauslöschlichen Errungenschaften des sozialistischen Aufbaus als auch aus der größten Niederlage durch den Verrat am Sozialismus gezogen. Sie geht im Gegenwind des Antikommunismus vorwärts. Ein Schlüssel dafür ist die Erziehung aller Mitglieder und Leitungen zu selbständig denkenden und handelnden Menschen. Dafür ist "ein klarer Klassenstandpunkt, immer zu wissen wo man hingehört" und die bewusste Anwendung der dialektischen Methode auf dem Niveau der Lehre von der Denkweise und dem systemischen Denken ausschlaggebend. Sie ist die Grundlage der revolutionären Wachsamkeit, die sich kein X für ein U vormachen lässt und weder in Schwarzmalerei noch Schönfärberei verfällt. Nicht zuletzt der Stuttgarter Parteitag und das Europaseminar zeigen, dass "die dialektische Methode in der Partei angekommen" ist.

In der Rede wurde in jedem Punkt deutlich, dass der MLPD all das nicht in den Schoß gefallen ist. So wurde 19 Jahre an dem Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" gearbeitet. Wir haben, so Stefan, "mutig erste Schritte in die Welt hinaus gemacht" und lernen, uns für jeden Kampf der Arbeiter und Volksmassen verantwortlich zu fühlen, denn das sind unsere Kämpfe. Beifall brandete auf, als darüber informiert wurde, dass vor kurzem die ICOR-Afrika gegründet wurde und deren Sitz in Südafrika sein wird.

Am Schluss entwarf die Rede eine begeisternde Vision: "Wenn wir heute in der tiefsten Weltwirtschafts- und Finanzkrise in der Geschichte des Kapitalismus das Potenzial einer neuen Weltkrise aufblitzen sehen, wenn wir mit dem entschlossenen Aufbau marxistisch-leninistischer Parteien zielstrebig am Aufbau der dem Imperialismus überlegenen, letztlich siegreichen Kraft arbeiten, dann beginnt die 'Morgenröte' vom Buch und der Idee zur materiellen Gewalt zu werden."

Dieser Gedanken wurde fortgeführt: Noch stehen wir ganz am Anfang dieser "Morgenröte", wo noch Dämmerung und Nebelschwaden das Bild beherrschen. Aber sie erscheint bereits, auch hier im Saal mit unseren internationalen Gästen und Delegierten von Bruderparteien, sie leuchtet in der revolutionären Jugend und den Kindern, unseren Rebellen und Rotfüchsen auf. Das imperialistische Weltsystem ist dem Untergang geweiht. Die Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution muss und wird sich durchsetzen. Stefan Engel schloss mit der optimistischen Losung: "Vorwärts zu den vereinigten sozialistischen Staaten der Welt!"

In der halbstündigen Pause war unter den Besuchern auf den Fluren ein erster Eindruck von der Rede das Gesprächsthema. Eine Besucherin meinte: "Diese Rede macht Mut und ich konnte sie von Anfang bis Ende gut aufnehmen. Sie war so spannend, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie die Zeit verflogen ist."

Es folgte ein Feuerwerk an Programm mit kulturellen Highlights, Liedern Sketchen, beeindruckender Vorstellung der Spitzenkandidaten aller 16 Landeslisten zur Bundestagswahl und der Bekanntgabe des Ergebnisses der Spendensammlung. 8.500,45 Euro rundeten den bisherigen Stand der ICOR-Spendensammlung auf 553.000 Euro auf. Damit ist das Spendenziel um mindestens 153.000 Euro übertroffen.

Rebellen und Rotfüchse demonstrierten in ihrem bunten Beitrag mit Filmsequenzen über viele persönliche Geburtstagsgrüße sowie akrobatischen Einlagen des "Circus Rebellini" und schönen Liedern aus der Arbeiterbewegung, dass die MLPD tatsächlich die Partei der Jugend ist.

Unter riesigem Applaus wurden internationale Gäste auf die Bühne gebeten und die Vorsitzenden der kontinentalen Vertretungen der ICOR sowie eine Reihe Vertreterinnen und Vertreter von revolutionären Parteien und Organisationen vorgestellt. Der stellvertretende Hauptkoordinator der ICOR, Sanjay Singhvi aus Indien, begrüßte die Besucher im Namen seiner Partei, der CPI/ML und der kämpfenden Arbeiter und Volksmassen in Asien. Ein Besucher meinte später: "Da hatte ich das erhebende Gefühl, wie eine Brücke vom Saal zu den streikenden Textilarbeiterinnen und -arbeitern in Bangladesh und Pakistan entstanden ist."

Panagiotis Papanikolau, einer der Streikführer der Stahlarbeiter aus Aspropirgos in Griechenland, fand bewegende Worte für die Arbeit der MLPD, ihren Kampf in Deutschland bekannt und zu einem gemeinsamen Kampf zu machen: "Das nächste mal müssen wir von vornherein den Streik gemeinsam beginnen." Jeroen Toussaint aus den Niederlanden sagte, er kenne die MLPD seit ihrem fünften Geburtstag. Die Zusammenarbeit mit der MLPD sei 'nicht immer einfach gewesen, aber sie war immer fruchtbar und hat sich immer gelohnt'.

Mit der "Internationale" und lang anhaltenden Sprechchören "Hoch die Internationale Solidarität" war das Programm zu Ende, aber noch nicht das Fest. Die Musikgruppe "Gehörwäsche" aus Köln spielte zum Tanz auf.

"rf-news" und die "Rote Fahne" werden weiter ausführlich von der Großveranstaltung "30 Jahre MLPD" berichten.