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Solidaritätsbesuch bei den Ford-Kollegen in Genk: "Für einen unbefristeten Streik in allen Ford-Werken!"

29.10.12 - Freudig begrüßt wurde gestern vor dem Ford-Werk im belgischen Genk eine Delegation von Kollegen aus Köln. Die Ford-Arbeiter halten seit dem vergangenen Dienstag die Tore besetzt. Da wurde bekannt, dass die Konzernleitung ihr Werk mit 4.300 Beschäftigten schließen will (siehe "rf-news"-Bericht). Die Werksschließung in Genk ist Teil einer europaweiten Umstrukturierung des Konzerns, der weitere Werke in Großbritannien und insgesamt über 6.200 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollen. Ein Korrespondent berichtet von dem Solidaritätsbesuch:

"Am Sonntag Morgen machten sich einige Kollegen aus Köln auf den Weg zum Fordwerk im belgischen Genk. Gleichzeitig zu Besuch war auch ein Vertreter der MLPD. Seit dem 23. Oktober haben die Ford-Kollegen dort vor dem Haupteingang des Fordwerks in Genk eine Blockade aufgebaut. Sie haben zwei halbfertige Karossen aufeinander gestellt, mit Paletten wird ein Feuer unterhalten, auch für die Wärme gegen die empfindliche Kälte. Drum herum und vor den drei Infozelten der drei Gewerkschaftsverbände (christlich, liberal und "sozialistisch" = sozialdemokratisch) standen deutlich mehr als 100 Kollegen, teilweise ganze Familien und Delegationen von anderen Betrieben, bis aus Antwerpen. Ein Kollege, der mit seiner Familie gekommen war: 'Das ist mein Sohn, der sollte nächstes Jahr hier anfangen. So wie es aussieht, ist es jetzt vorbei damit.'

Es gibt eine große Wut gegen die Konzernleitung und Ford-Europachef Stephen Odell, der sich nicht einmal traute, den Schließungsbeschluss den Kollegen selbst zu sagen. 'Odell, go to hell', war auf einem Schild zu lesen. Allerdings fehlen zugleich Schilder oder Transparente mit klaren Kampfzielen. Die Aktionen am Tor werden von allen drei Gewerkschaften gemeinsam organisiert, die auch zu einem landesweiten Aktionstag am 11. November in Genk aufrufen.

Für die Kollegen stellen sich viele Fragen, wie der Kampf weitergeführt und höher entwickelt werden kann: Wird es gelingen, die Konkurrenz zwischen den Belegschaften zu überwinden und die Klassensolidarität zu organisieren? Soll man streiken angesichts der drohenden Werksschließung? Derzeit ist Kurzarbeit bis zum 12. November. Die vorherrschende Meinung war, an den noch geplanten acht Arbeitstagen in diesem Jahr nicht zu streiken, unter anderem weil das Streikgeld nur 32 bis 35 Euro beträgt und bei einem Streik die Jahresprämie nicht ausbezahlt würde. Das beinhaltet eine Betriebsvereinbarung, die extra zur Verhinderung von Streiks abgeschlossen wurde. Mit den Erfahrungen vom Opel-Streik und unseren Argumenten zur Zukunft der Jugend setzten sich die Kollegen sehr ernsthaft und teilweise auch zustimmend auseinander.

Die Führungen aller drei Gewerkschaften orientieren auf höhere Abfindungen. Eine Kernfrage war, wer einen konzernweiten Kampf gegen die Werksschließungen über Ländergrenzen hinweg organisieren soll. Dabei kam immer wieder, dass es genau genommen nicht nur um einen europaweiten, sondern um einen weltweiten Kampf geht. Den Kapitalismus verglich ein Kollege mit einem 'Krebsgeschwür, das du nicht mehr los wirst'. Die Einladungen zum Europaseminar von MLPD und ICOR-Europa stießen nach den Gesprächen auf Interesse und mancher wollte es sich überlegen, dorthin zu kommen. Dazu wurden auch Adressen ausgetauscht, um in Verbindung zu bleiben.

Die belgischen Kollegen freuen sich auf weitere Besuche von Ford-Kollegen aus Köln. Sie luden ein, am 11. November um 11 Uhr ans Tor zu kommen und gemeinsam zur großen Demonstration in der Innenstadt zu fahren. Aus ganz Belgien werden dazu Delegationen erwartet. Von der IG Metall in Deutschland erwarten die Kollegen, dass sie sichtbar und spürbar die Solidarität organisiert."

In einer aktuellen Extra-Ausgabe der Zeitung von Kollegen für Kollegen in den deutschen Werken des Ford-Konzerns und angegliederten Betrieben, "Scheinwerfer", heißt es unter anderem: "Der mutige Kampf der belgischen Kollegen ist genau richtig. Mit einem Weltkonzern wie Ford fertig zu werden, erfordert den gemeinsamen Kampf aller Ford-Belegschaften! ... Notwendig ist ein unbefristeter Streik in allen Ford-Werken - bis alle Schließungspläne vom Tisch sind!"

Ein hervorragender Auftakt dafür wäre der vom Europäischen Gewerkschaftsbund am 14. November geplante europaweite Aktions- und Streiktag - zumal am 12. November in Genk die Kurzarbeit endet. An diesem Tag wird in den südeuropäischen Ländern Portugal, Spanien, und Griechenland ein gemeinsamer Generalstreik statt finden und es gibt eine wachsende Diskussion in den europäischen Gewerkschaften, ihn zum Generalstreiktag in ganz Europa zu machen!

(Gewerkschaftsadressen für Solidaritätserklärungen: ACLVB: gert.steegmanns@aclvb.be, ACV: johan.lamers@acv-csc.be, luc.prenen@acv-csc.be; ABVV: mouton.ronny65@gmail.com)