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Stahlarbeiter von Aspropirgos: "Wir treten sofort wieder in den Streik, wenn Manesis einen von uns entlässt"

09.11.12 - Am Donnerstag Abend fand eine Informationsveranstaltung als Generalversammlung der betrieblichen Gewerkschaft der griechischen Stahlarbeiter in Aspropirgos statt. "rf-news" hat soeben erfahren, dass die versammelten Stahlarbeiter den Antrag des Stahlkapitalisten auf dreimonatige "Kurzarbeit" zu den angebotenen Bedingungen akzeptiert haben. Kurzarbeitergeld wird in Griechenland nicht vom Staat bezahlt, sondern vom Betrieb. Gründe für die Zustimmung waren für die Stahlarbeiter die schwierige Situation in Griechenland, aber auch die Haltung der Kollegen in Vollos, dem zweiten Werk des Konzerneigners Manesis, die der Kürzung ihrer Löhne um weitere 18 Prozent zugestimmt hatten.

Die betriebliche Gewerkschaft hat die Stahlarbeiter über die gesetzlichen Grundlagen informiert, die Fallen, die auftreten können und über ihre Rechte. Die Höhe des Kurzarbeitergeldes liegt bei 50 Prozent der Löhne. Diese bezahlt der Betrieb und der Staat hat noch 15 Prozent dazu gelegt. Sie erhalten also 65 Prozent ihrer bisherigen Löhne während des dreimonatigen Arbeitsstillstands.

Das ist ein Zugeständnis an die Belegschaft von Aspropirgos und ein Zeichen der Angst vor einem neuen Kampf. Es zeigt, dass auch in Griechenland die Herrschenden mit dem System der kleinbürgerlichen Denkweise arbeiten, um die sich entfaltenden Widersprüche zu dämpfen. Gesetzlich kann der Betrieb auch weitere Entlassungen durchführen. Deshalb hat die Generalversammlung ebenfalls beschlossen, dass die Stahlarbeiter sofort in den Streik treten, wenn Manesis einen von ihnen entlässt. Während der dreimonatigen "Kurzarbeit" werden die Stahlarbeiter sich regelmäßig treffen und die Führung der betrieblichen Gewerkschaft wird die Arbeiter informieren.

Panagiotis Papanikolaou, einer der Streikführer aus Aspropirgos, der wegen des Kampfs entlassen wurde und am Europaseminar in Dortmund sowie der Veranstaltung zu "30 Jahre MLPD" teilnahm, trat ebenfalls auf der Versammlung auf und informierte die Arbeiter über seinen Besuch. Er berichtete, dass er herzlichst empfangen wurde, eine breite und tiefe Solidarität empfunden und viel dabei gelernt hat. Seine Ansprache wurde immer wieder von Applaus begleitet.

Panagiotis Papanikolaou hat besonders hervorgehoben, dass die wichtigste Lehre aus dem letzten Streik ist, dass sie ihren neuen Kampf nicht nur gegen Manesis führen dürfen, sondern noch bewusster gemeinsam gegen die Troika aus EU, EZB und IWF! Solche Kämpfe kann eine Belegschaft nicht alleine gewinnen, sie müssen von den Arbeitern und Massen auf der ganzen Welt gemeinsam geführt werden. Nur so werden sie eine überlegene Kraft. Die Stahlarbeiter und ihre Familien müssen sich zusammenschließen, den Kampf gemeinsam führen und anfangen, die Kämpfe international zu koordinieren. Dafür gab es langanhaltenden Beifall am Schluss.