Betrieb und Gewerkschaft

Kumpel ziehen gegen RAG-Konzern vor Gericht

12.11.12 - Ungefähr 50 Kumpel, darunter auch einige Frauen, kamen am 31. Oktober zu einem denkwürdigen Prozess beim Arbeitsgericht in Gelsenkirchen. Sie begleiten einen der ihren, der gegen die RAG auf uneingeschränkte Akteneinsicht in das Regelwerk zur Beendigung des deutschen Steinkohlebergbaus klagt. Hier Auszüge aus einem Bericht auf der Homepage der überparteilichen bundesweiten Bergarbeiterbewegung "Kumpel für AUF": 

Der Vertreter der RAG mit Rechtsanwältin wurde mit einem Trillerpfeifenkonzert empfangen. Die Kumpel, allesamt Nichtanpassungsberechtigte, befürchten, dass sie mit ihrer Versetzung in das Mitarbeiter-Entwicklungs-Center (MEC) zwischengeparkt werden, um sie dann zu entlassen oder in Leiharbeit zu schicken. ... Das drückten sie auch in ihren Sprechchören vor dem Arbeitsamt aus. "Wir wollen unseren Arbeitsplatz nicht verlieren." Für einige Kumpel war auch wichtig, dass sie sich nicht spalten lassen, "Kumpel ist Kumpel". ...

Eine Sprecherin von Kumpel für AUF bemerkte in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL dazu, dass es keinen Grund gäbe, die Steinkohlebergwerke in Deutschland zu schließen. Kohle sei ein wichtiger Grundstoff und Rohstoff, der für eine Zukunftsindustrie von Bedeutung ist. Mit den Plänen, nach der Stilllegung des Steinkohlebergbaus Gasfracking zu betreiben, würde der Steinkohlevorrat, der noch 500 Jahre reicht, nicht mehr zugänglich sein. Außerdem werden für den Profit dann nicht nur die Arbeitsplätze vernichtet, sondern auch das Trinkwasser vergiftet, Ackerflächen zerstört und der Klimawandel vorangetrieben.

Im Gerichtssaal musste ein Drittel der Kumpel stehen. Wenn die Anwältin der RAG das Wort ergriff, spürte man regelrecht unter den Kumpel das Knistern im Saal. Denn über die Bedenken der Kumpel, dass es hier um ihre Arbeitsplätze und ihre Existenzen geht und sie sich ausführlich und mit rechtlicher Beratung informieren wollen, ging die Rechtsanwältin hinweg. Sie und der Chef der Rechtsabteilung der RAG sehen die Klagen der Kumpel als "Spielchen" an, die angeblich "nicht nötig" seien. In Einlassungen der Rechtsanwältin wurde deutlich, dass die RAG Angst hat, dass die Kumpel den ganzen Hintergrund der Zechenschließung mitbekommen und sich mit der kämpferischen Bergarbeiterbewegung zusammenschließen. Zumal auch der 14. November, der europäische Protest- und Streiktag naht.

Es wäre Zeit, gemeinsam mit den Kumpel aus Spanien, Italien, Polen, Ukraine, Serbien, England usw. die EU-Pläne zur Schließung des Steinkohlebergbaus in Europa und ebenso wie die Pläne zum Gasfracking zu Fall zu bringen.