Betrieb und Gewerkschaft

Hella-Kollegen verteidigen Branchenzuschläge für Leiharbeiter

Hella-Kollegen verteidigen Branchenzuschläge für Leiharbeiter
Der Aufkleber der Hella-Vertrauensleute

Recklinghausen (Korrespondenz), 16.11.12: Der diesjährige Tarifabschluss der IG Metall hatte neben der Lohnerhöhung von 4,3 Prozent im Mai und der unbefristeten Übernahme der Azubis als Regel auch den wichtigen Erfolg, für die Leiharbeiter Branchenzuschläge bis zu 50 Prozent (nach neun Monaten Einsatzdauer) und eine Verpflichtung zur Übernahme im Kundenbetrieb (nach zwei Jahren). Die Spannung war groß, was das nun konkret ab dem Geltungstag 1. November bedeutet.

Avitea, die Hella-eigene Leihfirma, bei der im Moment etwa 180 unserer Kollegen (von 1.050) beschäftigt sind, wollte den Kollegen zuerst einen Betrugs-Vertrag unterjubeln, nach dem die Kollegen erst mal weniger verdient hätten als bisher, unter anderem weil der steuerfreie Verpflegungszuschlag gestrichen und die Prämienzuschläge weitgehend angerechnet werden sollten. Leider gibt der Tarifvertrag zu letzterem die Möglichkeit, wenn es in Punkt 5 heißt: "Der Branchenzuschlag ist jedoch anrechenbar auf gezahlte übertarifliche Leistungen."

Da hatten sie aber nicht mit der Wachsamkeit und dem Selbstbewusstsein der Kollegen gerechnet. Es flog auch auf, dass der Betriebsrat gar nicht zugestimmt hatte. Gegen die Hetze von Avitea, die IG Metall und die Betriebsräte seien schuld, dass kein Vertrag zustande käme, lud die IG Metall dann zu einer Info-Veranstaltung nach Anröchte ein, an der über 300 Kollegen teilnahmen. Aus Recklinghausen waren es über 30. Das war viel, wenn man bedenkt, dass einige Spätschicht hatten und sie mit Busfahrt stundenlang unterwegs waren.

Kurz vorher hatte der Vertrauenskörper die Herausgabe von Aufklebern beschlossen mit den Losungen: "Hella und Avitea-Kollegen gemeinsam: Her mit unserem Tarif! Hände weg von den Zuschlägen!" Die Aufkleber kamen gut an, waren schnell vergriffen. Viele klebten sie sich auf die Kittel. Und es wurde viel diskutiert: Einige befürchten, dass die Leiharbeiter dann "zu teuer" und entlassen werden. Müssen jetzt alle damit rechnen, spätestens nach den zwei Jahren rauszufliegen, wenn sie übernommen werden müssten? Viele sind schon sieben Jahre im Werk, teils mit einer Unterbrechung Anfang 2009.

Die Kollegen trauen der Geschäftsleitung alles zu, das ist ihre Erfahrung. Aber die Frage ist ja: warum sollen wir nicht die Kampfkraft, die den ersten – wenn auch kleinen Schritt zur Gleichstellung von Leiharbeitern und Stammbelegschaft durchsetzte – dann verstärkt einsetzen, um tatsächliche Übernahme und weitere Lohnerhöhungen durchzusetzen.

Am 30. Oktober wurde dann der neue Abschluss bekannt: Keiner soll weniger verdienen als vorher. Die Verpflegungszulage bleibt während der ersten Stufen voll erhalten und wird dann erst gekürzt. Die Prämie wird zu 60 Prozent angerechnet, dass sind in der Regel 2 Prozentpunkte weniger als vorher geplant. Das Ergebnis enttäuscht viele, aber es ist klar: Ohne den gemeinsam Kampf wäre nicht einmal das rausgekommen.