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Interview mit Mahmoud Jalboot, Palästinenser aus Syrien

21.11.12 - "rf-news" sprach mit dem in Magdeburg lebenden Mahmout Jalboot, einem Palästinenser, der aus Syrien stammt. Mahmout Jalboot ist seit Jahrzehnten aktiv in der demokratischen Bewegung, er kandidiert auf der Liste der MLPD zur Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt.

Mahmoud, Du verfolgst ständig über Internet und Telefonaten mit deiner Familie die Situation in Syrien und Gaza. Was passiert dort gerade?

In Yarmouk, einem Flüchtlingslager der Palästinenser bei Damaskus, leben viele Verwandte von mir. Bei Tag und Nacht wird Yarmouk von Hubschraubern, MIG 23 und Kanonen bombardiert. Das macht das Assad-Regime. Dort leben 500.000 Menschen. Der Krieg in Syrien richtet sich gegen die armen Menschen. Die Baath-Partei gilt als "sozialistisch", das ist aber ein Betrug. Die Wohnung meiner Geschwister wurde zerstört, auch die nächste. Jetzt schlafen sie in einer Schule oder bei Bekannten. Es sind schon Verwandte von mir gestorben. Meine Frau und ich haben Probleme deshalb, wir können kaum schlafen. Jede Nacht bin ich im Internet und versuche, Neues zu erfahren. Ich telefoniere mit meiner Familie und versuche sie zu beruhigen. 

Was meinst Du zum Krieg der israelischen Regierung gegen den Gaza-Streifen?

Das hat meiner Meinung nach auch etwas mit der Wahl im Januar in Israel zu tun.  Netanjahu will sich bei den Leuten als ein Held hinstellen und ein "starker Kandidat" sein. Sie versuchen, Hamas auszuschalten. Auf der anderen Seite arbeiten die Regierungen von Israel und der USA auch mit dem arabischen Kapital zusammen, mit den "Petro-Dollar-Regimes". Die Raketen treffen vor allem die Bevölkerung. Bis jetzt sind über 100 Menschen ums Leben gekommen, und es gibt mehr als 700 Verletzte. 

Vor dem II. Weltkrieg gab es keine großen Probleme zwischen Palästinensern, Juden und Christen. Man hat zusammen gelebt. Heute gibt es 7 Millionen Palästinenser als Flüchtlinge. Das ist eine Art Apartheid.

Wir brauchen Solidarität. Wir brauchen einen sozialistischen und demokratischen Staat, in dem Juden, Moslems, Christen und auch Menschen ohne Religion gemeinsam leben können. Die Palästinenser haben das Recht, gegen die Unterdrückung durch den israelischen Staat zu kämpfen. Das ist meine Meinung. 

Vielen Dank für das Interview!