Betrieb und Gewerkschaft

Vernichtung von 480 Arbeitsplätzen bei Conti in Dortmund: "Wir haben uns mit diesen Plänen nicht abgefunden"

24.11.12 - In 12 Abteilungsversammlungen vom 12. bis 15. November wurde der Belegschaft von Continental Automotive in Dortmund die Vernichtung von 480 Arbeitsplätzen bis Ende 2014 bekannt gegeben. Nur noch 690 Arbeitsplätze sollen bis 2018 am Standort verbleiben. Die Pläne zur Vernichtung der Arbeitsplätze und zur Verlagerung der Produktion in ein neues Werkes in Brasov (Rumänien) wurden bereits im Frühjahr 2011 angekündigt. Die Conti-Kolleginnen und Kollegen hatten sich damals schon in verschiedenen Protesten (unter anderem in einem zweistündigen Streik am 24.2.2011) dagegen gewehrt. In einer Korrespondenz aus Dortmund wird berichtet:

"Seit der Einigung zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat auf einen Interessenausgleich und Sozialplan Anfang April 2011 sind eineinhalb Jahre verstrichen, in der die Produktion voll ausgelastet war und teilweise bis zu 200 Leiharbeiter beschäftigt waren. Dies hat bei manchem Kollegen die Illusion geweckt, dass es doch nicht so schlimm kommt wie es angekündigt war. Das war jedoch trügerisch. Continental nutzt jetzt den sich abzeichnenden weiteren Einbruch in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise und drückt bei der Verlagerung und der Vernichtung der Arbeitsplätze aufs Tempo.

Umso geschockter reagierten zum Teil die Kolleginnen und Kollegen auf diese Ankündigung. Die Geschäftsleitung hatte für die Bekanntgabe auf 'Tumultprävention' gesetzt und 12 kleine Abteilungsversammlungen an vier Tagen durchgeführt. Das zeigt ihre Furcht davor, dass die Kolleginnen und Kollegen an den Erfahrungen des selbständigen Streiks von 2008 anknüpfen. Die Stimmung auf den einzelnen Versammlungen war zum Teil gedrückt, zum Teil wurde aber auch die Wut über die ganze Politik zum Ausdruck gebracht. ...

Von Kollegen wurde immer wieder betont: 'Wir haben uns mit diesen Plänen nicht abgefunden' und 'Wir sind eine Belegschaft, ob Leiharbeiter, befristete oder unbefristet beschäftigte Kolleginnen und Kollegen'. ..."

Eine Extra-Ausgabe der Kollegenzeitung "Conti-Arbeiterpresse" erschien bereits vor den Abteilungsversammlungen. Darin heißt es unter anderem: "Offenbar will Conti die Verlagerung der einzelnen Bereiche jetzt Stück für Stück anpacken und auch härter gegen die Arbeiter vorgehen, weil ein neuer Einbruch in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise sich unter anderem in Auftragsrückgängen niederschlägt! Wir stehen jetzt vor der Entscheidung: Den Kampf um jeden Arbeitsplatz in einem selbständigen Streik aufnehmen oder die scheibchenweise Vernichtung unserer Existenzgrundlagen hinnehmen. ...

Dieser ganze Prozess lebt nur davon, dass eine Denkweise gefördert wird: 'Hoffentlich trifft es mich nicht!' Das ist die Kapitalistenmasche der Salamitaktik und der Spaltung.

Unsere Kraft ist dagegen der solidarische Zusammenhalt und die Organisiertheit. ... Lassen wir keinerlei Spaltung in Stammbelegschaft, befristete Kollegen und Leiharbeiter zu! Bereiten wir einen gemeinsamen, selbständigen Kampf vor: Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz! Die Verlagerung und die Entlassungspläne müssen vom Tisch! Weg mit der Leiharbeit! Unbefristete Arbeitsverträge nach Metalltarif für alle!"

Die Extra-Ausgabe veröffentlichte auch ein "Programm zum Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Continental (VDO) Dortmund", das von Kolleginnen und Kollegen entworfen und schon im Werk diskutiert wurde. Mit der Unterschriftensammlung unter dieses Kampfprogramm sollen Kräfte für einen neuen Kampf um jeden Arbeitsplatz gesammelt werden.