Umwelt

Der "Gipfel" der bewussten Inkaufnahme einer globalen Klimakatastrophe

26.11.12 - Noch nie war ein Weltklimagipfel mit so geringen Erwartungen an irgendwelche verbindlichen Vereinbarungen zur Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase verknüpft wie der heute in Doha - der Hauptstadt Katars - beginnende. Schon der Tagungsort gleicht einem Offenbarungseid: Katar ist das Land mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen. Alles, was dort in den nächsten Tagen noch angestrebt werden soll, ist eine Verlängerung der Ziele des bereits 1997 beschlossenen "Kyoto-Protokolls".

Dessen bisherige Umsetzung ist aber schon eine vollständige Farce. Abgesehen davon, dass das Ziel der Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 5,2 Prozent bis 2012 gegenüber dem Basisjahr 1990 schon völlig unzureichend war, sind ihm die Staaten mit dem größten CO2-Ausstoß China und USA nie beigetreten und Kanada trat im letzten Jahr provokativ aus. Im Ergebnis stieg der weltweite CO2-Ausstoß seit 1990 von 21 auf 34 Milliarden Tonnen im Jahr 2011 an.

Ein Folgeabkommen scheiterte bereits beim Kopenhagener Weltklimagipfel 2009. Es wird jetzt nur noch unverbindlich "ab 2020" anvisiert. Offen wird im Kreis der bürgerlichen Staats- und Regierungschefs diskutiert, ob angesichts des Scheiterns des "Kyoto-Protokolls" weitere Klimavereinbarungen überhaupt noch "Sinn" machten.

In ihrem "Sinn" freilich nicht, weil das allein herrschende internationale Finanzkapital seine Maximalprofite inzwischen nur noch auf der Grundlage der systematischen und allseitigen Zerstörung der lebensnotwendigen Einheit von Mensch und Natur verwirklichen kann. Da sind selbst minimalste Klimaschutzstandards schon im Weg. Dafür nehmen diese "Führer der Weltgemeinschaft" sehenden Auges eine dramatische Verschärfung des Übergangs zur globalen Klimakatastrophe (siehe "rf-news" vom 21.11.12) in Kauf. 

Das Scheitern von Kyoto, Kopenhagen und aller anderer Weltklimakonferenzen belegt jedoch vor allem Eines: dass wirkliche Sofortmaßnahmen zur Rettung des Weltklimas und ihre verbindliche Umsetzung nur auf Kosten der Monopolprofite in einem massenhaften weltweiten Widerstand durchgesetzt werden können. Die Gewinnung von immer mehr Menschen für diesen Weg des aktiven Widerstands wird auch beim bevorstehenden internationalen Kampftag zur Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft am 1. Dezember im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört auch die breite Diskussion über die dafür notwendigen Organisationsformen wie insbesondere den Vorschlag zum Aufbau einer kämpferischen und internationalistisch ausgerichteten Umweltgewerkschaft.

In vielen Städten werden gegenwärtig Aktivitäten zum Weltklimatag vorbereitet. Verstärkt gelingt es dabei auch, breitere Aktionseinheiten aufzubauen. In Berlin z.B. werden die Aktivitäten gemeinsam von Vertretern verschiedener Bürgerinitiativen, der Organisation "Rettet den Regenwald", "Antiatom Berlin", "Bürgerverein Brandenburg-Berlin", "Bürgerbewegung für Kryo-Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz", IG Metall, IG BAU, Migrantenorganisationen, Stadtfrauenkonferenz, Courage, Montagsdemo, MLPD und REBELL durchgeführt. Auch die heutigen Montagsdemonstrationen werden im Zeichen der Vorbereitung des internationalen Kampftags stattfinden. Sie sind eine gute Gelegenheit, mit der Unterschriftensammlung für das "Manifest" von ICOR und ILPS weitere Kräfte dafür zu gewinnen.

(Mehr dazu in der am Freitag erscheinenden Ausgabe der "Roten Fahne" - sie kann hier bestellt werden)