Umwelt

Milchbauern kämpfen ums Überleben und die Zukunft ihrer Kinder

01.12.12 - Bayerische Milchbäuerinnen und Milchbauern machen im Kampf gegen die Agrarmonopole und gegen die Vernichtung ihrer bäuerlichen Existenzen wichtige Erfahrungen mit dem Staatsapparat. Dazu heißt es in einer Korrespondenz aus München:

"Zweimal in der letzten Woche versammelten sich Milchbäuerinnen und Milchbauern in der bayrischen Landeshauptsadt. Einmal im Rahmen der Messe 'Heim und Handwerk' und einmal beim Protest gegen Gentechnik und Patente auf Pflanzen und Tiere heute am Münchner Odeonsplatz. Beide male traf ich auf entschlossene und offene Menschen im Alter zwischen ca. 40 und 60 Jahren, die sich glühend für die Rettung der Umwelt, für die Zukunft der nächsten Generationen und gegen das Absterben der bäuerlichen Kultur einsetzen.

Ohne Unterlass sind sie unterwegs im Rahmen von Demonstrationen und Kundgebungen. Auf die Frage, wie sie das denn machen mit der Arbeit auf dem Hof meinten sie: 'Da musst halt früh raus, die Viecher füttern und melken – und dann müssen die Kinder ran, damit wir weg können.' Und sie erzählten stolz von der Demonstration letzte Woche in Brüssel vor dem EU-Parlament die von den bürgerlichen Medien nahezu totgeschwiegen wurde. 

Sie berichteten engagiert und begeistert davon, dass sie einen Heuwagen angezündet und das ganze EU-Parlament mit Milch aus einem Löschwagen vollgespritzt hatten. Auch dass sie von der Polizei mit Tränengas angegriffen worden sind, berichteten sie. Und die Bäuerin meinte: 'Jetzt hab ich das auch mal mitgekriegt – das ist ganz schön schlimm in den Augen.'

Dann sprudelte es bloß so raus aus ihnen: immer mehr mussten sie in den letzten Wochen und Monaten spüren, wie ihr stetiger Protest von massiven Polizeieinsätzen behindert wird – wie sie erst vor einiger Zeit von einem ganzen Zug schwarz gekleideter Sondereinsatzkräfte eingeschüchtert werden sollten, wie junge Leute aus der Demo rausgezogen und verletzt wurden und wie auch eine ältere Bäuerin mit einer Trommel verhaftet und angezeigt wurde, weil sie eine Markierung überschritten hatte. Es war spürbar, dass sie teilweise schockiert waren, aber sich nicht einschüchtern lassen, auch wenn sie nicht im Traum daran gedacht hätten, sich mal mit der Polizei Auseinandersetzungen zu liefern. 

Aber warum ist das so? Warum geht  diese Regierung so um mit den Bauern und mit der Menschheit? Dass die Profitwirtschaft der Gegner ist, ist ihnen klar – aber was tun dagegen? Als ich die Frage der Abschaffung des Kapitalismus und des Aufbaus einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung aufwarf, wo der Mensch im Mittelpunkt steht und es eine Einheit von Mensch und Natur geben wird, wurden sie nachdenklich. 'Der Kapitalismus muss schon weg – aber ob das geht?' 'Und was wird dann aus uns kleinen Bauern?' Viele Fragen stellen sich da noch.

Für einen gemeinsamen Kampf heute habe ich ihnen das Projekt Umweltgewerkschaft vorgestellt, um sie als Initiatoren zu gewinnen. Für eine direkte Unterschrift konnten sie sich noch nicht entscheiden – aber die Idee finden sie gut. Auch zur Aktion am heutigen Weltklimatag habe ich eingeladen, was auf sehr großes Interesse der ca. 800 Anwesenden stieß. Außerdem wurden 64 Unterschriften für das Manifest von ICOR und ILPS für die Abschaltung aller Atomanlagen weltweit gesammelt und einige für die Wahlzulassung der MLPD.

Wer mehr wissen will über die Aktion in Brüssel, soll sich unbedingt die Homepage des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) anschauen!"