Umwelt

Dramatischer Gletscherschwund in der Antarktis bestätigt

15.12.12 - Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben laut dem Wissenschaftsmagazin "Nature" festgestellt, dass vermehrter Schneefall über der Antarktis der Eisschmelze nicht entgegenwirkt. Bis zum Jahr 2007 wurde von den meisten internationalen Wissenschaftsinstituten mit dramatischen Fakten belegt, dass die Eisschichten an den Polen beschleunigt abtauen. Unmittelbar danach gaben sogenannten "Klimaskeptiker" beschwichtigende "Gegengutachten" heraus. Angeblich hätten differenzierte Untersuchungen dies widerlegt. Dem Abtauen der Gletscher in der Arktis stünde entgegen, dass in der Antarktis sich die Eismassen wieder aufbauen. Als Beweis wurde auf vermehrte Schneefälle hingewiesen, die der Gletscherschmelze entgegenwirken würden. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Was paradox klingt, lässt sich einfach erklären: Die Schneemassen üben großen Druck auf das darunter liegende Eis aus, wodurch dieses sich schneller an den Rand der Antarktis bewegt und ins Meer fällt, schreiben die Forscher um Ricarda Winkelmann vom PIK. Die Ergebnisse der Studie basieren auf einem Modell, mit dem die Entwicklung der Antarktis mit Hilfe von Computersimulationen bis ins Jahr 2500 verfolgt wurde. "Das Einzige, was wir sicher über die Antarktis unter globaler Erwärmung wissen, ist, dass der Schneefall über dem Eisschild zunehmen wird", so Winkelmann.

Durch die globale Erwärmung gibt es mehr Niederschlag, also auch mehr Schneefall, weil warme Luft mehr Feuchtigkeit halten kann. Dadurch, so die Hoffnung, würde mehr Wasser aus dem Wasserkreislauf genommen. Dieser Effekt hätte dem Anstieg des Meeresspiegels entgegenwirken und zum Zuwachs des Eises führen können. Doch der jetzt entdeckte Effekt macht die Hoffnung größtenteils zunichte. Winkelmann erklärt: "Zwischen 30 und 65 Prozent des Zuwachses an Eis durch das Mehr an Schneefall wird zunichte gemacht durch verstärkten Eisverlust an der Küste der Antarktis." Demnach nimmt der Eisverlust durch den verstärkten Schneefall bis auf das Dreifache zu.

Die Forscher befürchten nun, dass die Antarktis durch den vielen Schneefall sogar mehr zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels beitragen wird als bislang erwartet. "Wir wissen jetzt, dass uns der Schneefall in der Antarktis nicht vor dem Anstieg des Meeresspiegels retten wird", sagt Anders Levermann, der ebenfalls am PIK arbeitet.

Die Frage stellt sich, warum diese Nachricht erst jetzt nach dem Klimagipfel von Doha veröffentlicht wird. Jedenfalls wurde dadurch den bezahlten "Klimaskeptikern" Raum gegeben, ihr abstruses Bestreiten des begonnenen Umschlags in die Umweltkatastrophe im Vorfeld von Doha aufrechtzuerhalten. Doha wurde ein Desaster der bürgerlichen Umweltpolitik. Das mahnt umso mehr, den Weg zum Aufbau einer weltweiten aktiven Widerstandsfront zur Rettung der natürlichen Umwelt vor der Profitwirtschaft energisch und beschleunigt zu organisieren.