Betrieb und Gewerkschaft

Faurecia-Kollegen in Scheuerfeld: "Wir können auch zwölf Tage streiken!"

Faurecia-Kollegen in Scheuerfeld: "Wir können auch zwölf Tage streiken!"

Siegen (Korrespondenz), 10.12.12: Um fünf Uhr früh begann die Belegschaft von Faurecia am 6. Dezember in Scheuerfeld bei Betzdorf ihren etwas anderen Nikolaustag: Die ankommenden Kolleginnen und Kollegen der Frühschicht streiften rote Warnstreik-Westen über, in eisernen Schalen wurden wärmende Feuer entzündet und die Musikgruppe "Gutzeit" aus Hamburg heizte mit dem Faurecia-Song ein: "Keiner schiebt uns weg!" Die Kolleginnen und Kollegen haben mit einem zwölfstündigen Streik ein Zeichen ihrer Kampfkraft gegen die drohende Vernichtung von hunderten Arbeitsplätzen oder gar Werksschließung gesetzt.

Die Solidaritätserklärung der MLPD-Ortsgruppe Siegen wurde von allen Streikenden gern genommen. In der Erklärung wurden die negativen Erfahrungen mit Lohnverzicht, mit der Taktik von "Sozialtarifverträgen" und mit der Abwicklung des örtlichen Betriebes "Wolf Garten" ausgewertet. Außerdem orientierte sie auf einen konzernweiten Kampf um jeden Arbeitsplatz. Faurecia gehört zu den Top-Ten der weltweiten Automobilzulieferer. In 33 Ländern gibt es 270 Standorte mit über 84.000 Kolleginnen und Kollegen.

Nach einer Betriebsversammlung um die Mittagszeit machte sich die Belegschaft mit einem langen Autokorso auf den Weg nach Betzdorf. Nach einer lautstarken Demonstration durch die Fußgängerzone fand dort eine Kundgebung mit 450 Teilnehmern statt. Darunter auch zahlreiche Leiharbeiter bei Faurecia, zum Teil gegen den erklärten Willen ihrer Firma.

Solidaritätsdelegationen von Betrieben der Region waren mit Schildern und Transparenten gekommen. Ehemalige Beschäftigte von Wolf Garten, die jetzt bei Mubea in Daaden arbeiten, hatten ein großes Transparent mitgebracht: "Kein 2. Wolf Garten!" Darüber wurde viel diskutiert: "Wir lassen uns nicht abschlachten wie bei Wolf Garten – wir kämpfen!" 

Wer die Solidaritätserklärung der MLPD noch nicht morgens vor dem Tor erhalten hatte, bekam sie jetzt, verbunden mit der Frage nach einer Unterstützungsunterschrift für die Wahlzulassung der MLPD. Zwei Teilnehmer des internationalen Automobilarbeiterratschlags waren heute mit Unterschriftenlisten für das internationale Zukunftsprogramm "Für den Kampf um jeden Arbeitsplatz bei GM und PSA" gekommen. 33 Unterschriften, darunter viele Kontaktwünsche, waren Ergebnis gründlicher Diskussionen.

Der Betriebsratsvorsitzende Volker Knautz rief: "Heute streiken wir zwölf Stunden – wenn es nötig ist, können wir auch zwölf Tage streiken!" Um 18 Uhr ging die Spätschicht wieder an die Arbeit. In vielen Gesichtern konnte man den Stolz auf ihren Streik lesen. Ein Bewusstsein wächst, dass der Kampf gerade erst begonnen hat, dass er lang und hart werden kann, dass die Belegschaft dabei aber nicht alleine steht.