Betrieb und Gewerkschaft

"Kriegserklärung von GM/Opel verlangt klare Antwort: Streik jetzt!"

11.12.12 (10.30 Uhr) - Das ist die Überschrift der heute erschienenen Ausgabe der Konzernzeitung von Kollegen für Kollegen aller Opel-Werke und Zulieferer in Deutschland, "Der Blitz". Wir dokumentieren den Hauptartikel:

Feige und menschenverachtend war der Auftritt von Opel-Chef Sedran auf der gestrigen Bochumer Belegschaftsversammlung. Er ließ die Katze aus dem Sack: Opel Bochum wird nach den Vorstandsbeschlüssen spätestens 2016 geschlossen. Tumultartig und mit Zwischenrufen wurden seine Erklärungen mehrmals unterbrochen: "Wir glauben dir kein Wort!"

Bevor es zur Diskussion kam, bekam Sedran es mit der Angst zu tun und verschwand mit seinen zwei Vorstandsmanagern und Bodyguards hinter dem Vorhang.

Der VK-Leiter Dirk Grützner rannte hinter ihm her, um ihn zur Rede zu stellen, da wurde er von Sedrams Security-Leuten überfallen, zu Boden geworfen und gewürgt! Zu Hilfe kommende Kollegen wurden von Security-Leuten gehindert, überall waren sie im Saal verteilt und erstmals auch uniformierte Polizeibeamte im Foyer.

Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Opel-Beschäftigten! 50 Jahre in Bochum, 20 Jahre in Eisenach und 150 Jahre in Rüsselsheim wurden jedes Jahr Milliarden von Profiten auf unseren Knochen gescheffelt und jetzt so ein Aus?

Seit Monaten hat sich in der Belegschaft aller Standorte durchgesetzt: "Wir verzichten auf nichts mehr!" und in Bochum ist der gemeinsame Konsens: "Wenn der Beschluss der Schließung kommt, ist finito! Jetzt muss auch unsere Antwort kommen."

Auf der Belegschaftsversammlung haben verschiedene Kollegen deutlich gemacht: "Ab morgen dürfen sie kein Auto mehr bekommen!" Am besten wir fangen heute erst gar nicht an, zu produzieren!

Vom Betriebsrat ist für den heutigen Dienstag nichts geplant. Aber auf was sollen wir denn noch weiter warten? Wenn eines klar wurde, dann doch: der Weg des Verhandelns und Appellierens ist gescheitert! Jetzt sind wir selber gefragt!

Gerade in der Kurzarbeit und angesichts des verschärften Konkurrenzkampfs sind sie auf jedes produzierte Auto angewiesen. Kein Wunder, dass uns Sedran und Gellrich regelrecht anflehten: "Es ist sehr wichtig, dass wir morgen gute Autos bauen und auch noch die nächsten vier Jahre."

Wenn wir jetzt den Kampf beginnen, ist das kein blinder Aktionismus. Darauf haben wir uns die ganze Zeit schon vorbereitet und jeder weiß, dass Streik die Sprache ist, die sie verstehen!

Immer noch versuchen sie, das Aus für Bochum zu verschönern: indem Luftblasen steigen, dass in Bochum Komponenten mit 1.000 Beschäftigten produziert werden könnten. Doch das Werk II soll schon im nächsten Jahr geschlossen und 300 Arbeitsplätze vernichtet werden. Von wegen Bochumer Projekt "Perspektive Opel 2022"! Das Nokia-Gelände und die Henrichshütte in Hattingen haben auch keine neuen Arbeitsplätze gebracht! Der einzige Zweck war und ist, die Kollegen vom Kampf abzuhalten! Wenn bürgerliche Politiker wie Merkel, Hannelore Kraft und sogar manche IG-Metall-Führer auf dieser Schiene fahren, dann zeigt das, auf wen wir uns verlassen können und warum die auch den Antikommunismus gegen diejenigen Kräfte ins Feld führen, die für einen konsequenten Kampf eintreten.

Wenn einer für Arbeitsplätze kämpfen will, dann muss er mit dem Kampf um die bestehenden Arbeitsplätze beginnen!

Wir brauchen auch keine "attraktiven Abfindungen" oder Vorruhestand, so einfach dürfen wir es GM/Opel nicht machen. Es bleibt ein kurzer Batzen Geld, und dann? Vor allem, wo soll die Jugend arbeiten? Auf der Belegschaftsversammlung haben Jungfacharbeiter richtig gefordert, dass sie unbefristet übernommen werden müssen, statt sie in Leiharbeit oder Arbeitslosigkeit zu entlassen. Es geht auch nicht allein um die individuelle Zukunft, es geht um die 40.000 Arbeitsplätze, die in der ganzen Region dranhängen.

Auf der Belegschaftsversammlung wurden auch gute Alternativen genannt: statt Investitionen in weitere Verbrennungsmotoren zu stecken, geht es um emissionsfreie Technologien und umweltfreundliche Verkehrspolitik. Statt mörderische Arbeitshetze und Kurzarbeit auf unsere Kosten, ist die sofortige Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich auf Kosten von GM der richtige Schritt.

Auch wenn den Eisenachern jetzt neue Hoffnungen auf den Mokka gemacht werden, dient das nur der Spaltung zwischen den Werken in Deutschland und gegenüber unseren Kollegen in Korea. Es ist die Herausforderung an alle Opel-Standorte, diesen Kampf gemeinsam auszufechten!

Gerade jetzt in der Krise können wir unsere Interessen durchsetzen: es geht heute schon nicht nur um Bochum, sondern um alle GM/Opel/PSA-Werke! Ein gemeinsamer, international koordinierter Kampf mit den von Schließung bedrohten PSA-Werken und Ford-Werken in Frankreich, Belgien und England. Es geht auch um die Kollegen in den Stahlkonzernen wie bei TKS oder TKN, die ebenfalls für den Kampf um jeden Arbeitsplatz herausgefordert sind.

Setzen wir unsere Forderungen durch:

Kampf um jeden Arbeitsplatz!
Streik, bis die Schließungsbeschlüsse vom Tisch sind!
Sofortige Auszahlung der 4,3 Prozent und den vollen Tariflohn!
Statt Kriminalisierung unseres Kampfes - für ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht!

Unsere Trümpfe sind:

Streikzeit ist Arbeitszeit, Wahl einer Streikleitung, offenes Mikrofon für demokratische Entscheidungen, wie wir den Kampf führen.

Sofortige Organisierung der Solidarität durch die IG Metall, Großdemonstration in Bochum!