Opel Berichte

Opel Bochum: "Von uns bekommt ihr keine Karre mehr!"

10.12.12 - Nach nur wenigen Stunden zieht es bundesweit Kreise bis hin zur Bundeskanzlerin Merkel. Heute kam es zu einer turbulenten Betriebsversammlung bei Opel in Bochum. Thomas Sedran vom Konzernvorstand hatte sich angekündigt. Seine Botschaft war: der Vorstand hat beschlossen, das Werk Bochum 2016 zu schließen. Doch noch während der Betriebsratsvorsitzende Einenkel seinen Widerspruch gegen diese Pläne formulierte, verließen die Herren des Vorstands fluchtartig den Raum. Mit ihnen erhoben sich schlagartig etliche Mitarbeiter einer Security-Firma, die sich bis dahin in Zivil unter die Kollegen gemischt hatten, und folgten Sedran. Als der Leiter des Vertrauenskörpers Sedran zur Rede stellen wollte, wurde er von Securities niedergeworfen und am Hals gewürgt.

Große Empörung herrscht über das Verhalten der GM-Manager, die die Arbeiter des Werkes wie Kriminelle behandeln. Warum muss eine betriebsfremde Security-Firma sich getarnt unter die Kollegen mischen? Warum war im Foyer auch uniformierte Polizei? Warum wird mit Gewalt gegen den Leiter des gewerkschaftlichen Vertrauenskörpers vorgegangen? Erst vor kurzem hatten Spezialkräfte der Polizei in Köln belgische Arbeiter von Ford in Genk und deutsche Kollegen abgeführt und wie Verbrecher behandelt! Die belgischen Autobauer hatten ihre Kollegen in Köln besucht, weil sie den Kampf um ihre Arbeitsplätze international führen wollen. Arbeiter sind keine Kriminelle!

In der folgenden Diskussion wurde auch ausführlich über die Perspektive des Kampfes um das Werk Bochum beraten. Hier gab es viele Beiträge und Zwischenrufe, die einen Streik für den richtigen Weg halten. Ein Arbeiter forderte: statt jetzt, wie insgesamt im Konzern geplant, viele Millionen in neue Modelle zu stecken, muss das Geld in die Produktion alternativer Antriebstechnologien gehen: "Wenn wir jetzt den Kampf um unsere Arbeitsplätze führen, dann müssen wir auch dafür kämpfen, dass wir noch eine Umwelt haben, in der wir leben können. Das passt sehr gut zusammen!" Auszubildende forderten die unbefristete Übernahme, weil sie den Arbeitsplatz brauchen und weil die Arbeiter an den Bändern neue Kollegen brauchen. Kollegen riefen: "Ihr kriegt nicht eine Karre von uns!" oder: "Wir haben nichts mehr zu verlieren!"

Tatsache ist: mit dem jetzt offen ausgesprochenen Plan, das Werk 2016 zu schließen, sind alle Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung ohne Kampf gescheitert. Soll die Belegschaft jetzt zuschauen, wie das Werk Stück für Stück stillgelegt wird? Dazu sagten Kollegen: "Wir sind doch keine Leichenfledderer!" Plan B wäre demnach, die Stilllegung des Werkes kritisch zu begleiten und dabei auf irgendwelche Ersatzarbeitsplätze zu hoffen. Hat aber der Fall Nokia nicht klar bewiesen, wohin das führt? Sollen die Autobauer etwa darüber verhandeln, ob auf dem Brachgelände von Opel künftig eine Döner- oder eine Currywurstbude steht?

Es gibt keinen Plan B! Es gibt nur den Plan A, und der heißt Kampf um jeden Arbeitsplatz auf Kosten der Profite von GM!

Dass der Vorstand von GM jetzt rigoros vorgeht und die Karten auf den Tisch gelegt hat, ist kein Zufall. In der seit 2008 anhaltenden tiefsten Weltwirtschafts- und Finanzkrise zeichnet sich ein erneuter Einbruch ab. Man muss davon ausgehen, dass dies nur der Anfang ist. Es ist eben kein hausgemachtes Problem von Opel, sondern ein Problem der Krisen im Kapitalismus!

Nach der Betriebsversammlung war von vornherein keine Produktion mehr im Werk Bochum angesetzt. Am Dienstag morgen wird die Frühschicht wieder in der Fabrik antreten. Ob sie den Kampf um jeden Arbeitsplatz mit einem selbständigen Streik führen, das müssen die Kolleginnen und Kollegen selber entscheiden. Auf die Solidarität der Bevölkerung des Ruhrgebiets und auf die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) können sie sich auf jeden Fall verlassen.

Wir fordern alle Kolleginnen und Kollegen deshalb auch auf: organisiert euch jetzt in der MLPD – das ist ein wichtiger und konsequenter Schritt für den Kampf um die Interessen der Arbeiterklasse und die Zukunft.

  • Sofortige Rücknahme der Schließungspläne durch den Vorstand von GM!
  • Öffentliche Entschuldigung für das gewaltsame Vorgehen gegen den Leiter des gewerkschaftlichen Vertrauenskörpers!
  • Für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht!
  • Förderung von 100 Prozent erneuerbaren Antriebstechnologien und umweltschonenden Verkehrssystemen!
  • Kein weiterer Verzicht auf gar nichts!
  • Kampf um jeden Arbeitsplatz auf Kosten der Profite!
  • Vorwärts zur Arbeiteroffensive!