Opel Berichte

Opel sagt Jubiläumsfeier ab: "Die haben die Hosen voll"

13.12.12 - Gestern sagte die Opel-Geschäftsleitung die geplante 50-Jahre-Jubiläumsfeier in Bochum ab. Die offizielle Begründung war, dass sie mit einem Familienfest von 15.000 Menschen gerechnet hatten und dass nun nach der Bekanntgabe der Werksschließung gut 40.000 bis 50.000 oder mehr zu einer Protestversammlung kommen würden. Wegen der daraus resultierenden "Sicherheitsbedenken" müsse die Veranstaltung abgesagt werden. Es ist wohl wahr, dass die Feier zu einer machtvollen Protestkundgebung geworden wäre.

Zahlreiche Gewerkschafter, Delegationen aus vielen Betrieben, Aktivistinnen und Aktivisten aus der Frauen-, Jugend- und Umweltbewegung usw. haben mobilisiert, um ihre Solidarität mit den Opelanern auszudrücken und gegen die Werksschließung zu demonstrieren. Das wollte Opel verhindern und hat die Reißleine gezogen. Opel-Sprecher Alexander Bazio heute gegenüber der "Rheinischen Post": "Das Jubel-Fest hätte durch mögliche Proteste und Demonstrationen einen anderen Charakter bekommen." Das "Handelsblatt" kommentiert heute süffisant: "Opel kneift vor Demonstranten."

Die unter Opelanern und in der Bevölkerung in Bochum und im Ruhrgebiet herrschende   Stimmung spiegeln folgende Aussagen von Kollegen wieder: "Opel hat den Schwanz eingezogen", meinte einer spöttisch meinte. Weitere Stimmen waren "Die haben die Hosen gestrichen voll!", "Die haben Angst vor uns und der großen Solidarität" oder "Es ist eine Frechheit, die Arbeiter, ihre Familien und die große Solidarität zum Sicherheitsrisiko zu erklären".

Die Absage erfolgte nach der Kampfansage der 200 bis 300 Opelanern, die vorgestern am Dienstag selbständig für zwei Stunden die Arbeit niederlegten und durchs Werk zum Tor 1 marschierten. Für eine wachsende Zahl von Kollegen erweist sich das als der richtige Weg. Ein Opel-Arbeiter sagte heute gegenüber einem Betriebsrat der kämpferischen Liste "Offensiv": "Mit der Aktion am Dienstag haben wir die Ehre zurückgewonnen." 

Eine Betriebsratsinformation von Rainer Einenkel sorgt für heißen Gesprächsstoff. Vor allem folgende Passage: "Als Vorwand für die Absage benutzen die Verantwortlichen von Opel die Aufrufe von Splittergruppen, die angeblich an diesem Tag mit massiven Störungen und Provokationen die Besucher, darunter viele Familien und Kinder, hätten gefährden können." 

Offensichtlich wollen sie damit auf die MLPD und die kämpferischen Kollegen anspielen, ohne das offen zu sagen. Es ist eine Unverschämtheit, die MLPD und Kollegen zu diffamieren. Das stößt auch unter Kollegen im Betrieb auf Empörung. Und viele sind der Meinung, dass sich Einenkel gegen diese Unterstellung hätte klar positionieren müssen, statt dies umkommentiert in den Raum zu stellen. Es bleibt wohl ein Rätsel, wen die "Verantwortlichen von Opel" mit "Splittergruppen" meinen könnten. Etwa die FDP? Die ist bekanntlich bisher nicht im Betrieb in Erscheinung getreten und dass sie in ihrer Angepasstheit für Unruhe gesorgt hätte, ist ebensowenig bekannt.

Ein Opelaner berichtet, dass er noch nie erlebt hat, wie die Kollegen mit solchem Hohn und Spott eine Kapitulationserklärung der Opel-Mächtigen kommentiert haben. Viele Beschäftigte gehen heute stolz erhobenen Hauptes aus dem Werk. Einige schlagen vor, dass die IGM-Vertrauenskörperleitung und die IG-Metall-Ortsverwaltung jetzt zu einer Großdemonstration am Samstag aufrufen sollen. Der Betriebsrat des Zulieferbetriebs Johnson Control hat heute Morgen die IG-Metall-Geschäftsstelle in Bochum aufgefordert, eine große Veranstaltung in der Stadt zu organisieren, was bisher dort jedoch abgelehnt wurde.