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Besuch bei Ford-Kollegen in Genk: "Wir laden Euch herzlich ein zu unserem Weihnachtsessen am Tor"

Köln (Korrespondenz), 22.12.12: Mit einer kleinen Delegation waren wir am 19. Dezember bei Ford in Genk (Belgien), um die Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Torblockade zu besuchen. Seit nunmehr acht Wochen besetzt ein fester Kern von ca. 100 aktiven Kollegen die Tore des ganzen Werkes, um zu verhindern, dass gefertigte Autos und Teile aus dem Werk hinaus gelangen. Die meiste Zeit davon sind sie in Kurzarbeit, doch auch an den sieben Arbeitstagen während dieser Zeit ging kein Teil raus!

Damit kämpfen die Ford-Arbeiter in Genk gegen die geplante Werksschließung 2014. Es herrscht nach wie vor Kampfesmut und sie vermitteln, dass sie nicht bereit sind, einzuknicken. "Ich wohne inzwischen hier", sagt nicht nur ein Kollege. Sie sind stolz darauf, dass Ford es nicht geschafft hat, ein einziges Auto raus zu schaffen, nicht mal die 250 Mondeo-Modelle, die die Kölner Polizei bestellt hat!

An diesem Morgen wurde der Belegschaft das Ergebnis einer 22-stündigen Verhandlung zwischen Geschäftsleitung, Gewerkschafts- und Betriebsratsvertretern vorgestellt: Die Kollegen sollen per Briefwahl darüber abstimmen, ob sie im ersten Quartal des neuen Jahres an 40 Tagen 1.000 Autos produzieren und dafür 40 Prozent mehr Lohn erhalten oder ob sie für 25 Prozent mehr Lohn 950 Autos produzieren. Was ist das für eine Wahl? "Wir sollen uns zwischen Arbeit und noch mehr Arbeit entscheiden", drückt es ein Kollege aus. Diese Scheinabstimmung wird von den Aktivisten der Torblockade durchweg abgelehnt.

Es ist zugleich ein Hinweis darauf, dass ein Streik eben doch eine Wirkung hätte – denn solange das Werk in Genk läuft, will Ford maximale Profite aus der Belegschaft herausholen. Die erheblichen Lohnzugeständnisse sollen den Widerstand brechen und zielen auch darauf ab, überhaupt wieder Autos aus dem Werk herauszubekommen. Einen Streik und die damit verbundene politische Zuspitzung weit über Genk hinaus bis hin zu möglichen Polizeieinsätzen will Ford möglichst vermeiden. Durch die Entwicklung bei Opel in Bochum bekommt der Kampf der Genker Kollegen noch eine besondere Bedeutung. 

Unter den Kolleginnen und Kollegen gibt es darüber intensive und sehr ernsthafte Diskussionen. Wir brachten den Vorschlag eines gemeinsamen Aktionstags in allen europäischen Ford-Werken ein. Das wurde positiv aufgegriffen, denn den meisten ist klar, dass ein gemeinsamer Kampf der Ford-Belegschaften notwendig ist. Schon zum "Marsch für die Zukunft" am 11. November 2012, an dem 20.000 Menschen teilnahmen, kamen auch viele Kolleginnen und Kollegen aus Köln (rf-news berichtete)

Die Blockade soll auch über die Feiertage und Silvester aufrecht erhalten werden. Am 24. Dezember wird es ein gemeinsames Festessen geben, wozu sich schon 85 Kollegen und Familienmitglieder fest angemeldet haben. Kollegen im Ford-Werk Köln staunten nicht schlecht, als sie davon erfuhren. "Respekt! Ich bin beeindruckt! Für uns Deutsche ist Weihnachten ja der heiligste Feiertag ..." Die Genker Kollegen haben uns herzlich eingeladen. Wir werden mit einigen Leuten daran teilnehmen.