Betrieb und Gewerkschaft

Opel Bochum ist überall - der mutige Kampf der Opelaner macht Schule

Opel Bochum ist überall - der mutige Kampf der Opelaner macht Schule

20.12.12 - In der Opel-Belegschaft wird der weitere Weg ihres Kampfes beraten. Vorgestern kam eine aktuelle Ausgabe der Kollegenzeitung "Der Blitz" heraus. Dort wird im Leitartikel auf die Absage des geplanten 50-jährigen Jubiläumsfestes durch Opel eingegangen, bei dem 50.000 und mehr Teilnehmer erwartet wurden:

Blitz.jpg"Sie haben Angst vor einem Flächenbrand! Nicht nur Solidarität mit Bochumern, der gemeinsame Kampf gegen die Pläne des GM/Opel-Vorstands in allen Werken wäre direkt spürbar geworden. Und nicht nur GM/Opel: alle Teilnehmer hätten ihren Protest gegen brutale Arbeitshetze, Arbeitsplatzvernichtungen und ihren Wunsch 'es muss endlich was passieren' mitgebracht. Das ist auch eine deutliche Abfuhr an die bürgerlichen Politiker, die einheitlich einen Abgesang auf das Werk veranstalten und auf angebliche Ersatzarbeitsplätze orientieren. Alle Erfahrungen, ob bei Nokia, Henrichshütte oder Bergbau zeigen: dieser Weg ist Betrug an der Zukunft. ... Es ist gut, dass innerhalb der Belegschaft inzwischen alle davon reden, dass wir um unser Werk kämpfen müssen. Auch viele, die bisher vor Streiks gewarnt haben." ("Der Blitz" kann hier im PDF-Format herunter geladen werden)

Der mutige Kampf der Opelaner macht Schule. Bei dem internationalen Automobilzulieferer TRW mit Sitz in den USA droht die Geschäftsleitung, 150 Kolleginnen und Kollegen in Gelsenkirchen-Schalke zu entlassen – nachdem bereits Leiharbeiter und 64 Kollegen mit Zeitverträgen weg sind.

Seit dem europäischen Streiktag am 14. November macht die Belegschaft Mahnwachen bei Schichtwechsel – jetzt rief sie mit Unterstützung der IG Metall und der Gelsenkirchener Gewerkschaften zur Demonstration auf. Und rund 600 kamen: Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben, Metaller, Beschäftigte von der Stadtverwaltung, Bergleute von "Kumpel für AUF", Vertreter von Parteien, Wahlbündnissen, der Montagsdemonstration ...

Auffallend waren auch viele Jugendliche und vor allem eine Gruppe der Kinderorganisation ROTFÜCHSE, die ausdrücklich ihre Solidarität erklärte, da es bei diesen Arbeitsplätzen auch um ihre Zukunft geht. Die MLPD trat für die Forderung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein, auf Kosten der Profite und zur Schaffung von Arbeitsplätzen, gegen Entlassungen und Arbeitshetze. Kollegen aus anderen TRW-Werken waren gekommen, so Kollegen aus Hannover-Barsinghausen, die nach der Nachtschicht herfuhren um ihren Kollegen den Rücken zu stärken, Kollegen aus Frankreich sandten eine Solidaritätsadresse, da sie selbst heute in Paris demonstrieren.

Kollegen sammelten auf der Demonstration über 50 Unterschriften für das "Zukunftsprogramm zum Kampf um jeden Arbeitsplatz bei Opel". Mit Liedern, Solidaritätserklärungen und Redebeiträgen am offenen Mikrofon gab es einen kämpferischen Auftakt, und eine lebendige Demonstration zog über die Ringstraße und durch den Weihnachtsmarkt auf der Bahnhofstraße. Alle Beteilgten einte die Unterstützung der Kollegen von TRW und Opel.

Deutlich wurde aber auch, dass es über die Ursachen und den weiteren Weg erhebliche Meinungsunterschiede gibt. So sprach Oberbürgermeister Baranowski auf der Abschlusskundgebung massiv von angeblichem "Missmanagement" bei TRW und Opel und appellierte an die Geschäftsleitungen. Den Vogel schoss der Bezirksleiter des DGB, Josef Hülsdünker, ab. Er vertrat: "Gäbe es in allen Betrieben eine Montanmitbestimmung wie bei Kohle, so gäbe es nur gesunde Betriebe und keine Massenentlassungen." Das soll er mal den Hunderttausenden Bergleuten und Stahlarbeitern erzählen, die in den letzten Jahrzehnten im Bergbau und der – ebenfalls montanmitbestimmten – Stahlindustrie ihren Arbeitsplatz verloren!

Viele Beiträge am offenen Mikrofon machten dagegen deutlich, dass wir es mit einem Problem des Kapitalismus zu tun haben, der für Profite über die Menschen hinweg geht, und dass es notwendig ist, mit den Kollegen international zusammen dagegen zu kämpfen. Eine junge Arbeiterin, die selbst beim Streik bei Opel 2004 dabei war und als Leiharbeiterin bei TRW entlassen wurde, ermutigte die Kollegen von TRW und Opel, selbst in den Streik gegen diese Pläne zu treten – die Unterstützung des ganzen Ruhrgebiets ist ihnen dabei sicher. Die weitere Entwicklung wird spannend!